Mega-Fundings: Geldsegen für alle?

Vor einigen Tagen hatten wir in unseren Dailys berichtet, dass die Investitionen in Insurtechs in diesem Jahr bereits einen neuen Rekord aufgestellt haben. Brechen damit goldene Zeiten für die Startups an?

Die Reports und Statistiken zu den Investments in Insurtechs unterscheiden sich eher marginal, je nachdem, was die Autoren nun als „Funding“ und „Insurtech“ betrachten. Einigkeit herrscht aber in dem Punkt, dass sich dieses Jahr zu neuen Rekordinvestitionen aufgeschwungen und das Pandemiejahr 2020 hinter sich gelassen hat. Das sieht nach rosigen Zeiten im Versicherungsbereich aus, oder nicht?

Das Geld ist ungleichmäßig verteilt

In seinem aktuellen „Insurtech Briefing“ kommt das Beratungsunternehmen Willis Towers Watson zum Ergebnis, dass in den ersten drei Quartalen des Jahres 10,5 Mrd. Dollar in Insurtechs geflossen sind. Das ist ungefähr die Summe der Gesamtinvestitionen aus den Jahren 2018 und 2019. Würde sich die aktuelle Trendlinie einfach fortsetzen, stünden am Ende des Jahres zwischen 12 und 13 Mrd. Dollar an Investitionen im Raum. 

Entwicklung der Investitionen in Insurtechs (Quelle: Willis Towers Watson)

Die in diesem Jahr bisher getätigten Invests flossen in 421 Deals. Auch das ist eine neue Rekordzahl. Nur ist es leider wie immer im Leben: Es ist zwar viel Geld unterwegs, aber es ist sehr ungleichmäßig verteilt. 

Denn wie der Report vorrechnet, entfielen im ersten Quartal 2021 44 Prozent der Fundings auf gerade 8 von 146 Abschlüssen, im vierten Quartal 2020 waren es 50 Prozent der weltweiten Finanzierungen, die auf 6 von 103 Deals entfielen. Die Chancen für ein Insurtech auf eine Mega-Finanzierung sind somit eher überschaubar. Auch, wenn inzwischen zumindest statistisch täglich ein mittlerer fünfstelliger Betrag irgendwo auf der Welt bei einer Insurtech-Firma landet. 

Seed-Investments gehen zurück

Eine für Gründerinnen und Gründer eher unschöne Tendenz zeigt sich bei den Frühphasen-Investitionen. Zwar steigt die Durchschnittssumme der Fundings auf fast 12 Mio. Dollar. Allerdings hat sich im dritten Quartal eine Tendenz verstetigt, die es unwahrscheinlicher macht, dass Investoren an den Türen gerade gegründeter Firmen klingeln. Seed- und Angel-Investments sind inzwischen nur noch für 19 Prozent aller Deals verantwortlich. Das sind 23 Prozent weniger als im Vorquartal und 12 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Um 15 Prozent gewachsen sind Serie-A-Runden, die 31 Prozent aller Transaktionen ausmachen. Mit anderen Worten: Die Investoren wollen erst einmal etwas sehen, bevor sie Geld einbringen. Die erste finanzielle Ausstattung müssen Gründer:innen erst einmal selbst stemmen.

Was Investoren aktuell begeistert

Natürlich haben die Autoren der Studie sich auch genau angesehen, welche Geschäftsmodelle und Lösungen besonders von den Investitionen profitieren. Dabei fällt auf, dass sich die Investoren auf Insurtechs fokussieren, die sich aktuell wachsenden (Rück-) Versicherungsrisiken zuwenden. 

Dazu gehört der Themenkomplex „Cyber“, also alle Bedrohungen, die aus und durch die Nutzung des Netzes erwachsen. Zwei der drei größten Finanzierungsrunden des dritten Quartals sind in Cyber-Versicherungen geflossen. Coalition sicherte sich 205 Mio. Dollar in einer Serie-E, At-Bay heimste 185 Mio. Dollar in einer D-Runde ein. 

Das zweite große Themenfeld stellen (parametrische) Versicherungen, die im direkten Zusammenhang mit der Klimakatastrophe stehen. Nach Meinung des Beratungsunternehmens ragen diese beiden Risiken deutlich heraus und werden das Geschäft in den kommenden zwei bis drei Jahrzehnten. 

Gerade die Klimakatastrophe wird die Versicherungswelt an vielen Stellen treffen. Dies umfasst sogar den Sektor der erneuerbaren Energien: Denn durch Veränderungen der Luftströmungen kann niemand vorhersehen, ob etwa Off-Shore-Windparks die in sie gestellten Erwartungen bei der Energieproduktion erfüllen können. Ein Risiko, gegen das sich deren Betreiber versichern lassen. 

Wachsende Risiken, für die die Branche Lösungen und Produkte braucht. (Quelle: Willis Towers Watson)

Risiken verändern sich – neue Ideen gesucht!

Und wo liegen nach Ansicht der Berater des Rückversicherungsspezialisten die potenziellen Risiken der nächsten Zukunft? Dazu hat Willis Towers Watson eine Art „Circle of Doom“ zusammengestellt. Neben Klimakatastrophe und Cyber sehen die Experten auch die Entwicklung von KI und Robotik als Verursacher potenzieller Schäden, ebenso wie den demografischen Wandel und eine zunehmende Verunsicherung in der Finanzwirtschaft. 

Eine große Spielwiese für alle Gründerinnen und Gründer, die hier mit Prozessautomatisierungen, schlankem Underwriting oder Parametrik neue Lösungen schaffen wollen. 

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Autor
Stephan ist seit Anfang der 90er Jahre online und hat eine ausgeprägte Fintech-Vergangenheit (Star Finanz, Hypoport). Bei der Hypoport-Tochter Dr. Klein war er u.a. für das Produktmanagement und den Bereich Business Development verantwortlich. Seit über 10 Jahren schreibt er über... mehr
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