Ist Revolut eine Challenger Bank?

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Revolut – wirklicher Konkurrent oder nur Kartenherausgeber?

Mit viel “Boo Hey” ist Revolut nun auch aktiv in den deutschen Markt eingetreten – gerne sieht sich Revolut als Challenger Bank – in einem Topf mit N26, Monzo , Starling und Konsorten – gegen das Establishment (“Drain the swamp”) aber auch gehen die anderen Challenger Banken (“nur keine Freunde machen” :-)) – nur was ist Revolut eigentlich?

iIst Revolut eine Challenger Bank?
Photo by peretzpup on Visual Hunt / CC BY-SA

Der Einstieg war eine Fremdwährungskreditkarte – USP war “Keine FX Gebühr” – klingt stark nach “Nische” oder “Edgecase” zumind. in der Euro verwöhnten EU. Wie wird man auf der Basis zur “Bank”?

Das Angebot wurde erweitert – um Drittprodukte (Insurance, Credit) – Crypto wurde als “Währung” eingeführt – die Offers sollen kommen – an der Kartenvielfalt (Debit et al) wird gearbeitet. Auch unter der Haube wird viel gebastelt (Lizenzen – IT – Internationalisierung)

Weiterhin “rühmt” man sich, kein Marketing zu machen – und trotzdem über 1 Mio. Kunden zu haben – und damit mehr als N26 oder Monzo – aber sind die Kunden vergleichbar?
Ist es wirklich “kein Marketing”, wenn man die Karten helikoptermässig for free unter das Volk bringt (ohne Gebühr)? (Diese werden ja auf vielen Events oder über die Social Media Channels der Country Manager “verteilt”)
Wäre die Aussage nicht besser, kein “klassisches Marketing”?

Versuchen wir mal in die Glaskugel zu schauen – und nehmen das Income Statement 2016 als Basis:

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Schwer zu sagen, was sich worin versteckt – (z.B. Kosten für die Beantragung der Banklizenz etc.) – gehen wir mal von ca. 400.000 in 2016 gewonnen Kunden aus (siehe unten – Vergleich passt nicht 100%, im Jahr davor hatten sie 300.000 ), sind die CAC (in dem Fall COGS/Anzahl Kunden) bei ca. 20 € – das ist sicherlich besser als bei “normalen Banken” (im Online Retail Bereich stehen Zahlen von 100 € im Raum) – aber nicht “gar kein Marketing”. Ordnet man nur 50% der COGS Kosten wirklich dem CAC zu, wären es 10 €. Damit ist man im PrePaid Karten Umfeld “marktfähig” – aber nicht günstig.

Hier spricht man eher von 8 – 10 € – nur ist das da oft eine Bottom Up Kalkulation (Cost plus) und keine Top Down (wie von mir oben). Anyway – in Summe gute Customer Acquisition – aber auch kein Rockstar.

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Kurve 2015/16

Womit verdient man Geld?

a) Direkt ==> über das Premium Feature
b) Indirekt ==> über Provisionen von Partnern

In wie weit Crypto und FX Services trotz der wirklich vorbildlichen Transparenz nicht auch Marge generieren, lassen wir erstmal offen. Generell sind solche Services oft versteckte Revenuetreiber.

Was ist die Value Proposition?

  • Bank: Hier ist das Featureset noch zu dünn – v.a. für den Markt DACH
  • Fremdwährungskarte: Auf jeden Fall – aber das ist Nische – wie groß die Nische ist – schwer greifbar
  • Kundenschnittstelle für Finanzprodukte = Platform – das ist wohl die Strategie (und das Rennen das man gewinnen will) – der Startschuss ist gerade erst Gefallen – und in Reihe 2 lauern auch noch ein paar……
  • UI/UX: ist das eine Value Prop – hier gibt es durchaus unterschiedliche Sichtweisen – ich selber sehe sie klar, transparent und aufgeräumt – wenn UI/UX eine Value Proposition ist – dann ist die Frage: “Was ist das Produkt?” – oder nutzt man diese um einfach mal Reichweite zu bekommen und dann “Irgendwas” zu verkaufen?

Wie steht man im Vergleich zu den anderen Challenger Banken da?

Ich sehe einen wesentlichen Unterschied sowohl Produkt- als auch GoTo-Market seitig.

a) Produkt: Das Konto ist nicht im Mittelpunkt, sondern die Karte
b) GoTo Market: Man nutzt ein Umsonst Produkt um Reichweite zu generieren – neben den CAC auch unter dem Invest von laufenden Kosten (teurer Top Up, da ja nicht vom eigenen Konto) – Payment ist damit ein großer Kostentreiber – Irgendwie aber vergleichbar mit dem “ATM Feature” von n26 (alles umsonst) – Ergebnis ist bekannt

Platt formuliert – Bessere Reichweite vs. Unit Economics – das sind die Dimensionen.

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Photo by La Tête Krançien on Visual Hunt / CC BY-NC-ND

Was sagen die Kollegen – und Experten:

Maik

  • Ich habe wirklich versucht zu verstehen, was Revolut so einzigartig macht. Mein Ergebnis ist ernüchternd. Revolut ist ein Produkt für Payment-Nerds was es für den Joe Sixpack User unbrauchbar macht. Revolut wirbt auf der eigenen Webseite damit “Besser als Dein Bankkonto zu sein” und streicht Bankkonto plakativ durch. Womit im Grunde bestätigt wird was was Revolut nämlich nicht ist: ein Ersatz für ein Bankkonto. Revolut ist eine Fremdwährungskreditkarte um die eine App gebaut wurde. Der Nutzen von Revolut ist in einem Satz erklärt: Ohne Währungsumrechnungen oder Gebühren überall in der Landeswährung bezahlen.

Damit richtet sich Revolut an Menschen, die viel im Ausland unterwegs sind. Vor allem außerhalb der EU. Dazu bietet Revolut die Fremdwährungskreditkarte die ohne lästige Umrechnungsgebühren auskommt. Eine eigene IBAN gibt es zwar, muss aber erst aktiviert werden. Alles was beim Banking irgendwie Basic ist, bietet Revolut nur in minimalster Ausbaustufe. Die klassische Überweisung gibt es zwar, kommt aber mit mehr Schritten daher als man es von seiner klassischen Bank gewohnt ist. Überhaupt könnte die Bedienerführung der jeweiligen Funktionen innerhalb der App, liebloser nicht sein.

So gibt es zwar eine P2P-Payment Funktion um Geld an Andere zu verschicken, aber dazu braucht der- oder diejenige Gegenüber auch ein Konto bei Revolut. Lastschriften sind gar nicht möglich, die Transaktionen kommen ohne Kategorisierung und andere Konten können nicht eingebunden werden. Es gibt keine Giro- oder wenigstens Maestro-Card und man ist auf Gedeih und Verderb auf die Kreditkarte angewiesen. Die Sprache der App lässt sich nicht auf Deutsch umstellen, was für uns Nerds kein Problem, aber mit Sicherheit für den Normalsterblichen User ein Problem darstellen dürfte. Die Premium-Features wie der Kauf von Bitcoin aus der App sind nett, aber auch nix für den Standard Nutzer. Zudem Revolut keine Wallet ist. Kryptowährungen lassen sich zwar kaufen, aber nicht nutzen. Angucken und verkaufen geht, nur lässt sich der gekaufte Bitcoin nirgendwo einsetzen, was einigermaßen sinnfrei erscheint.

Mein persönliches Fazit: Revolut ist eine Lösung, die zumindest in Deutschland nur eine sehr kleine Anzahl von Menschen braucht. Wenn überhaupt. Und selbst in anderen Ländern bin ich mir nicht sicher, wer das Ding einsetzen soll. Aber vielleicht lebe ich auch einfach nur unter einem Stein.

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Photo by Photocapy on VisualHunt / CC BY-SA

Jochen

  • Ich sehe durchaus den Markt: Insbesondere im FX-Bereich und um das Auslandseinsatzentgelt zu sparen, was z.T. moderner Wegelagerei der kartenausgebenden Banken darstellt. Zwischen 1 und 3% zusätzliches Entgelt “nur” für eine Fremdwährungstransaktion?? Es wurde Zeit, daß hier jemand mal lautstark: “Stopp das geht so nicht weiter” – ruft!
    ABER: Wen betrifft es denn und wie groß ist der Markt? Das ist doch ein absolutes Nischenthema! Otto-Normalnutzer macht gar nicht so viel Transaktionen im Ausland, als das sich dieser Mehrwert von Revolut  überhaupt merklich auswirkt. Wir dürfen nicht vergessen, daß der Durchschnitts-Jahresumsatz deutscher Kreditkarten “nur” bei +-2.000 EUR liegt. Selbst wenn alle diese Transaktionen im nicht-europäischen Ausland stattfinden müßte der durschnittliche Kunde pro Jahr nur 40 EUR für ein 2% Auslandseinsatzentgelt bezahlen. Die Realität ist eher, daß 70-90% der Zahlungen im SEPA-Raum stattfinden und somit die Value Proposition von Revolut für den durchschnittlichen Kunden minimal ist.
    Bei Geschäftskunden mit deutlich mehr Transaktionsvolumina und deutlich mehr internationalen Reisen sieht es komplett anders aus. Aber diese werden i.d.R. mit Corporate Cards des Arbeitgebers ausgestattet, damit die Reisekostenprozesse möglichst integriert sind. Hier wird es schwer für Revolut Amex, Airplus und Co. kurzfristig das Wasser zu reichen.
    Daher muss Revolut sich breiter aufstellen und à la N26 breitere Produktangebote liefern, denn von einer Challenger-”Bank” sind sie noch sehr weit entfernt. Allenfalls sind sie bislang ein Challenger-Kartenherausgeber.

Nicole

  • “Revolut is an app-based banking alternative designed for a global lifestyle.” – Mist, laut Leitspruch der Firma Falle ich dann mit meinen nicht-globalen Lifestyle dann schon mal aus deren Raster, oder kann man die das Konto in der Provinz trotzdem nutzen?

Die Banking-App Revolut möchte das Online-Banking revolutionieren. Wo diese Revolution stattfindet sehe ich allerdings noch nicht.

 „Wir wollen nicht eine nächste langweilige Banking-App sein, sondern eine App entwickeln, mit der sich jeder Aspekt des Lebens managen lässt“- ah ha…na gut, jeden Aspekt meines Lebens könnt ihr sicherlich nicht managen aber schauen wir mal auf das, was finanziell bei mir passieren soll. Ich, der Prototyp des 0/8/15 Users per se gehöre nicht gerade zu deren digital affiner Zielgruppe.

Jetzt müsste man diese mal genauer definieren, denn ich glaube nicht, dass jeder diese App sofort und ohne Probleme durchblickt.

Kostenlose Karte, immer gut, aber was soll die mir bringen? Virtuell im Internet shoppen- ich habe eine Kreditkarte und ich habe PayPal. Revolut fokussiert sich vor allem auf internationale Transaktionen in 120 unterschiedlichen Währungen. Diese werden gebührenfrei zu amtlichen Wechselkursen verbucht. Im Ausland damit zahlen, ok, aber für die paar Mal im Jahr tut es ebenso meine Mastercard. Warum fokussieren sich so viele FinTechs immer so sehr auf die Nutzung der Kreditkarte? Ach ja, weil sie ja fast auschließlich an den Anteilen an der Kreditkartentran­saktionsgebühren verdienen.

Gehen ihnen dadurch nicht zwangsläufig gewisse Zielgruppen flöten? Das Revolut Konto ist mehr eine online Prepaid-Kreditkarte denn ein klassisches Konto ausgestattet mit einigen Extras. Vielmehr also ein Zahlungskonto bzw. Guthabenkonto, als ein Girokonto, denn Zinsen gibt es aktuell noch nicht, Ein Konto, ob nun direkt in einer Bankfiliale oder aber via App eröffnet, kann immer nur so gut sein, wie die Konditionen und somit Kosten und Gebühren, die mit eben diesem einhergehen. Konten sollen uns den Alltag erleichtern, es uns ermöglichen Zahlungen vorzunehmen oder aber zu erhalten und nicht zur unkalkulierbaren Kostenfalle werden.

Also den Anreiz im Wettbewerb gegen meine Direktbank anzugehen, seh ich nicht, weil das Produkt für mich absolut null Mehrwert bringt.

Aber ist das nicht das Ziel – direkte Kundenbindung und das in für unterschiedliche Zielgruppen? Als Backup für den smarten Bankkunden kann Revolut aber bestimmt eine gute Alternative sein.

 

 

 

 

 

10 Comments

  1. Bei der Einschätzung der Value Proposition für „Otto-Normal-Verbraucher in DACH“ gebe ich Euch recht.
    Aber, Revolut bringt auch deutschen Nutzern – z.B. in einer zugegeben extrem kleinen Nische – Investment auf englischen P2P Kreditmarktplätzen – deutliche Kosteneinsparungen:
    http://www.p2p-kredite.com/2-super-vorteile-der-revolut-app-fuer-deutsche-anleger-in-britische-p2p-kredite_2017.html
    Und viele Nutzer aus „Rest“europa die sich von Ihren Banken nicht sehr gut versorgt fühlen, sind große Fans, eben weil die dortigen Banken bei Kreditkarten nicht die Funktionen bieten die wir in DACH oder UK gewöhnt sind. Und Revolut macht es eben den dortigen Nutzern leicht ein Konto/eine KK zu bekommen. Und das sind treue Nutzer trotz der relativ vielen Pannen/Outtages (Twitter ist voll von Nutzern die gerade nicht zahlen können oder Geld abheben können)

  2. Ein Absolutes muss für alle Schweizer also nicht aus dem EU Lande. Für jede Online-Bestellung im nahen Auslad, für jede Ferienbuchung im Ausland, für jeden Bargeldbezug im Ausland . Es gibt 2 klare Sparpotentiale für alle Schweizer. 1. Die Kreditkarten Spesen von 1.75% und der klare Währungsvorteil mit dem Interbanken Kurs, die Kreditkartenfirmen wenden einen Währungsumrechnung von bis zu 4 % an. Dies gibt eine totale Ersparnis von bis zu 6% ! Mein Einsatz im Jahr für die ganze Familie 18’000 CHF ergibt eine Ersparnis von über 1’000 CHF. Jetzt soll noch einer sagen dies sein kein Benefit! 🙂

      • Das ist in der Tat gerade auch mein Problem. Revolut hat mir auf Anfrage heute bestätigt, dass mit hoher Priorität daran gearbeitet wird, damit alle Schweizer Gebührenfrei einzahlen können, auf eine eigene IBAN in CHF.

        Hoffentlich kommt das bald – Revoult würde sich dadurch klar abheben von den herkömmlichen Kreditkarten-Anbietern.

      • Überweisung mit Postfinance für Fr. 1000.- kosten Fr. 2.-.
        bei einem Bearbeitungszuschlag von 1.2% kosten dieser Betrag Fr. 12.-, da bleibt nicht viel aber doch was übrig (2 Kaffee) und kommt noch der besser Wechselkurs dazu

  3. jetzt gibt es die Revulut Abb auch auf Deutsch was sehr gut ist die Echzeit Einzahlung Geld ist wirklich sofort drauf und beim zahlen im Hotel kommt die Karte Hochgeprägt und ohne Limit daher wenn Guthaben drauf ist funzt alles . . . und alles Kostenlos

    MfG
    Thomas Pillusch

  4. Ich suche eigentlich eine Alternative zu Paypal für private Zahlungen ins EU Ausland.
    Paypal ändert ja ihr Angebot und was früher kostenlos war, Friends & Family, wird bald unverschämt teuer. Teuerer als für Waren zu zahlen. Grad bei Kleinstbeträgen (0,5-2 $) fällt Paypal dann komplett weg.

    Würde hoffen Revolut ist da eine Alternative.
    Allerdings missfällt mir dass sie nichts vom PC aus haben, nur App. Und das ist mir nichts. Will es nur lokal zu Hause am PC nutzen.

  5. Och, Geldeinzahlung per Überweisung ging sehr flott. Und es ist eine zusätzliche kostenfreie virtuelle Kreditkarte dabei. Kann gesperrt und limitiert werden. Das erhöht die Sicherheit beim Onlinekauf!
    Die physische Karte kam schneller als angegeben, Einkäufe ohne Problem, auch mit NFC Funktion.
    In der App können Daueraufträge angelegt werden, Überweisungen und „Rechnung teilen“. Da fehlt doch nichts weiter zum Girokonto? (Guthabenzinsen können wir ja sowieso vergessen)
    Ich überlege, ob ich für die 7,99 € Premiumnutzer werden sollte – dafür gibt es kostenfrei ein paar Katen dazu, die man gezielt einsetzen oder hergeben kann.

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