Die Wahl der Bank, mit Sinn und Verstand!

Warum es nicht egal ist, bei welcher Bank du bist

Ethische Grundsätze zu haben ist etwas Gutes und nicht umsonst eines der wichtigsten Aufgaben die man sicherlich in der Erziehung zu leisten hat. Ethisch oder moralisch Handeln ist teilweise seit Kindesbeinen in uns verankert, kann im Alltag natürlich ganz unterschiedliche Aspekte abdecken. Auch das Thema Nachhaltigkeit, welches mittlerweile auch in jüngeren Generationen zu einem essentiellen Thema wird, spielt dabei eine wichtige Rolle. Man kann im Alltag mittlerweile ziemlich gut im Sinne der Nachhaltigkeit agieren, Mehrwegflaschen, weniger Plastik benutzen, versuchen beim Einkaufen auf Herstellung, Herkunft und Verpackungsmaterial zu achten, einen CO2 Ausgleich zu betreiben etc.

Das alles sind extrem wichtige Entscheidungen die man im Alltag zu treffen hat. Nehmen wir das Thema Banking und die Entscheidung, die man irgendwann getroffen hat oder trifft, wenn die Wahl auf eine bestimmte Bank fällt. Denn eigentlich wissen es alle die irgendwie mit dieser Branche zu tun haben: mit der Wahl deiner Bank unterstützt man unter Umständen teilweise und das sogar ungewollt nicht die allerbesten Geschäftszweige und Branchen mit weniger ethischen Hintergründen. Doch mal von Anfang: Wieso sind manche Banken ethisch und manche eben nicht? Konven-tionelle Retail-Banken lagern und verwalten dein Geld nicht nur, sondern nehmen es und investieren damit in diverse Industrien.

Die Wahl der Bank, mit Sinn und Verstand!

Dein Geld arbeitet also, während es gefühlt für dich einfach nur auf der Bank rumliegt, wie es arbeitet, das entscheidest nicht du, sondern deine Bank und in den meisten Fällen geht das an uns allen vorbei.

Im Portfolio der ein oder anderen Bank ist vieles dabei, was man aus ethischen Grundsätzen und im allgemeinen Konsens wohl nicht so toll finden würde. Von Rüstungsindustrie über Tierversuche, Gentechnik oder der Glücksspielindustrie hin zu Atom-oder Kohlekraft, der Nahrungsmittelindustrie oder Geschäftsbeziehungen mit korrupten Regimen, all das sind Bereiche die von dem Geld der jeweiligen Banken profitieren können.

Im Gegenzug dazu hat eine Alternativ-oder ethische Bank in ihren Statuten bestimmte Ausschlusskriterien die ausschließlich Geschäfte und Investitionen mit ethischen und ökologisch vertretbaren Unternehmen erlaubt. Und auch bei der Kreditvergabe wird nach den ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien entschieden, d.h. dass nur die Unternehmen, die mit diesen ethischen Grundsätzen und Prinzipien übereinstimmen, von der Bank einen Kredit erhalten. Auch Investitionen werden einer qualitativen und ethischen Kontrolle unterzogen.

Wie weiß ich, dass eine Bank ethisch ist?

Die Wahl der Bank, mit Sinn und Verstand!

Warum Banken alternativ agieren hat natürlich auch unter-schiedliche Gründe. Es gibt einige Banken die ihr Geschäftsmodell nach rein christlichen Wertvorstellungen ausrichten. Gerade viele alternative Banken in Österreich sind christlichen Ursprungs. Ob dies der bessere Ansatz ist, bleibt dahingestellt. Bei manchen Banken stehen anthroposophische Ansätze im Fokus. Bei deutschen „Ethikbanken“ steht vor allem der Umweltaspekt im Vordergrund.

Wie weiß ich, dass eine Bank ethisch ist? Das zu beantworten ist leider gar nicht so einfach wie es eigentlich sein sollte. Hier verhält es sich ähnlich wie mit dem nicht geschützten und sehr inflationär benutzen Begriff: bio! Gerade wenn es darum geht, dass in Deutschland ansässige ethische Banken, einen Nachhaltigkeitsaspekt verfolgen, diese Begrifflichkeit aber nicht geschützt ist und als Label von jedem genutzt werden kann ohne eigentliche Standards einzuhalten, ist eine qualitative Sicherheit, schwer nachweislich. Auch werben oder kokettieren mittlerweile viele Finanzprodukte oder Fintech/Start-ups mit dem Label „Nachhaltig“, sie oder es beim genaueren Hinschauen aber gar nicht sind. Alleine in Deutschland sind das nicht unerheblich wenige.

Als Konsument ist man da erstmal aufgeschmissen, denn auch wenn man denkt mit der Wahl der Bank oder des Produktes eine gute und richtige Entscheidung getroffen zu haben um sein eigenes Geld ethisch und nachhaltig verwalten zu lassen oder anzulegen, muss man sich gewahr sein erst mal eine Reihe von Kriterien nachzuprüfen. Doch welche Kriterien gibt es die eine Bank oder ein Finanzinstitut als klar nachhaltig oder ethisch ausweist? Wenn es etwas zu verstecken gibt, dann wird dies auch getan und zwar in der untersten Ecke oder im wirklich Kleingedruckten.

Den eigenen Nachhaltigkeitsbericht gibt es dann meist ganz unten irgendwo versteckt oder nur über die Such-funktion. Denn ja, jede Bank erstellt regelmäßig einen Nachhaltigkeitsbericht oder auch „nichtfinanziellen Bericht“ genannt. Der Nachhaltigkeitsbericht ist die Weiterentwicklung der in den 1990er Jahren von Unternehmen, aber auch von öffentlichen Einrichtungen veröffentlichten Umweltbericht und stellen die Tätigkeiten und Leistungen der Organisationen im Hinblick auf die nachhaltige Entwicklung dar. Er greift die wichtigsten Themen-gebiete der Nachhaltigkeit auf: Ökonomie, Ökologie und Soziales (Triple Bottom Line).

Die Wahl der Bank, mit Sinn und Verstand!

Teil der Informationspolitik

Bei Ökonomie ist das beispielsweise die Ausrichtung des Unternehmens auf die Zukunft. Bei der Ökologie – vornehmlich im produzierenden und verarbeitenden Gewerbe – wird die nachhaltige Ausrichtung auf Ressourceneffizienz und den Umweltschutz betont. Bei den sozialen Themen liegen die Schwerpunkte zum Beispiel bei der Ausrichtung des Unternehmens auf einen familienfreundlichen Betrieb, der Unterstützung der Mitarbeiter in schwierigen persönlichen Situationen und bei sozialen Kriterien in der Beschaffung (zum Beispiel Fair Trade, Maßnahmen gegen Kinderarbeit in der Vorkette).

Der Nachhaltigkeitsbericht ist neben dem Geschäftsbericht ein wichtiger Bestandteil der Informationspolitik des Unternehmens. Inzwischen veröffentlichen vor allem Großunternehmen aller Branchen jährlich – zum Teil orientiert an den Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI) – derartige Berichte. Neben den Richtlinien des GRI gibt es mittlerweile zahlreiche andere Standards, wie beispielsweise die zehn Prinzipien des UN Global Compacts. Diese Standards überschneiden sich teilweise inhaltlich, haben jedoch unterschiedliche Fokussierungen auf die verschiedenen Aspekte der Nachhaltigkeit.

Natürlich ist es erstmal die jeweils eigene Definition des Unternehmens was sie als nachhaltig bezeichnen. Und das kann erstmal vieles sein und muss keine besonders strenge Auszeichnung haben. Man sollte als Konsument schauen ob die Bank oder das Unternehmen einen „Negativkatalog“ hat, der zeigt welche Branchen in der Unterstützung klar rausfallen, welches aber nicht nur die schlechten Sachen aussortiert sondern sich aktiv darum bemüht euer Geld aktiv in positive Kontexte zu lenken.

„Der Konsument sollte prüfen ob sich das Unternehmen bemüht, das Geld aktiv in positive Kontexte zu lenken.“

Wenn ein Unternehmen das mit offenem Visier kommuniziert, dann ist das per se schon mal ein Pluspunkt. Denn ethische oder klar nachhaltige Banken manchen dies klar besser und machen es sich selbstverständlich zum Ziel den Prozess offenzulegen nach welchen Kriterien nachhaltiges Banking für sie definiert ist und in welche Branchen investiert wird. Im besten Falle gibt es sogar noch ein externes Gremium oder einen Beirat welches der Bank dabei hilft alle definierten Standards auch einzuhalten.

Paradigmenwechsel im Gange

Warum agieren dann nicht alle Banken gleichermaßen? Denn keine Bank will sich doch auf die Fahne schreiben mit eurem Geld Kriege zu finanzieren. Hier wird es ein wenig komplizierter und hier müssen wir sicherlich von einem Übergang der alten zur neuen Welt sprechen – ein Paradigmenwechsel der gerade in der Generation X,Y,Z stattfindet und der ein neues ökologisches, soziales und verantwortungsvolleres Bewusstsein fordert. Doch vor wenigen Jahren war es dem Gros der Kunden oder Konsumenten schlichtweg nicht so wichtig genau hinzusehen oder es wurde darin keine Notwendigkeit gesehen. Auch sind nachhaltige Alternativen oftmals immer noch in der Minderheit vertreten.

Und für die jeweilige Bank war es aus ökonomischer Sicht auch einfacher, profitabler und mit Sicherheit viel effizienter die Wertschöpfungskette abzuschöpfen anstatt auf einen nachhaltigen Aspekt umzulenken und dabei alle wichtigen Kriterien einzuhalten, da man die Kosten einfach externalisieren konnte. Negative Fußabdrücke konnten und können auch jetzt noch gut von sich weggeschoben werden, ob du jetzt das verseuchte Abwasser irgendwo umlenkst oder Mitarbeiter über Subunternehmen einen Hungerlohn bekommen, solange keiner genau hinschaut, kann man damit gutes Geld verdienen, ohne das es auf einen direkt zurückfällt und obwohl die eigene Wertschöpfungskette eher gruselig aussieht.

Die Wahl der Bank, mit Sinn und Verstand!

Wenn man den Ethos bei Seite lässt kann man immer noch eine Menge Kohle verdienen. Bestes Beispiel die Cum-Ex Affäre, die den Fiskus mal eben über 30 Milliarden Euro gekostet hat und wo europäische Groß-Banken, eben diese Abermilliarden dem deutschen Steuerzahler geklaut haben. Der ein oder andere hat damit ganz ordentlich verdient.

An diesem Beispiel sieht man sehr gut, dass die Finanzbranche an ganz großen Hebeln sitzt, man kann in Sekunden Milliarden von A nach B transferieren und wenn man nicht hinterfragt wohin manche Gelder gelenkt werden oder welche Werte dabei der Motor sind, können andere richtig viel Kohle damit verdienen.

Diese Mechanismen treiben immer noch zu genüge diese ganze Branche und es gibt in diesem System nur wenige Ausnahmen die Finanzen als Chance begreifen, positiven Wandel anzugehen und Geld als Teil der Lösung zu sehen. In den letzten Jahrzehnten haben sich einige Unternehmen aber doch entschlossen diesen Weg zu gehen, sind allerdings immer noch die Ausnahme und versuchen diesen großen Hebel eben in die richtige Richtung anzusetzen.

Herausforderung für den Kunden

Das Problem ist, dass viele Groß-Banken beispielsweise solche Leerkäufe, wie sie bei Cum-Ex der Fall waren ermöglichen d.h. konventionelle Banken investieren nicht nur in oftmals fragwürdige Geschäfte und Branchen, sie ermöglichen auch solche Steuertricks, die sich in einer mehr oder weniger legalen Grauzone bewegen. Wenn herkömmliche Banken ihre Rendite also teilweise daraus ziehen, wovon leben dann die ethischen Banken und wie finanzieren die sich? Teilweise natürlich über Gebühren für die Führung des Kontos und natürlich ebenfalls mit Investments, aber sie nutzen dafür ihren ethischen Grundsatz als einen Filter um bestimmte Branchen auszuschließen und lenken das Geld in gute und nachhaltige Branchen und Investitionen.

Kunden einer ethischen Bank können ihr Geld zum Beispiel in nachhaltige Fonds, die wiederum auch nach bestimmten ethischen Kriterien investiert und oftmals ein zertifiziertes Label besitzen, anlegen. Für den Laien und Normalverbraucher ist das Erkennen solcher Investitionen, nicht immer einfach. In Deutschland gibt es z.B. das FNG-Label, das EcoReporter-Siegel oder das Klima Rating von Climatrix, dass alles sind sogenannte ESG-Labels welches für Environmental Social Governance steht und soll beschreiben inwieweit ethische, soziale und ökonomische Kriterien beachtet werden. Diese ESG Standards liefern bislang allerdings nur eine grobe Orientierung. In Deutschland gelten Investitionen in Atomkraftenergie als nicht nachhaltig, in Frankreich hingegen schon, weil sie rein technisch kaum CO2 produzieren. D.h. in jedem Land haben sich jeweils eigene Labels und Standards etabliert und eine einheitliche Zertifizierung für nachhaltige Kapitalanlagen gibt es bislang nicht. Die EU-Kommission hat dies allerdings bereits im Blick und will einen europäischen Standard für „grüne Anleihen“ einführen.

Kann man damit Geld verdienen?

Ja das kann man. Auch mit nachhaltigen und strengen ethischen Kriterien kann man als Konsument Geld verdienen und muss noch nicht mal um weniger Zinsen fürchten. Denn es geht nicht um entweder oder: entweder was Gutes zu tun oder Geld zu verdienen, mittlerweile ist beides möglich. Zudem muss es noch nicht mal teurer sein zu einer nachhaltigen bzw. alternativen Bank zu gehen. Auch ethische Banken haben einen Kosten-aufwand, der sogar meistens größer ist als der einer Herkömmlichen.

Die Wahl der Bank, mit Sinn und Verstand!

Denn Prozesse wie der Ausschluss von Negativbranchen (Waffen, Massentierhaltung, Kohle- und Atomkraft) oder bspw. die Überprüfung des STC Alignment sprich ob ein Unternehmen oder ein Finanzprodukt wirklich einen positiven Beitrag zu den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen leistet, die Einleitung eines ESG-Screening um zu schauen welche ethische, ökologische und soziale Bilanz ein Unternehmen hat plus die Überprüfung von Externen sind alles Prozesse die Zeit- und Kostenaufwendig sind. Dieser Aufwand muss sich allerdings nicht zwingend in den umgelegten Kosten auf den Kunden widerspiegeln, zeigt nur, dass die Leute, die bei einer ethischen Bank sitzen sich vielleicht 2-3 Gedanken mehr um dein Geld machen. Auch Studien zeigen, dass ein Invest in nachhaltige Fonds nicht zwangsläufig weniger Rendite abwirft. Im Gegenteil, in den meisten Fällen ist sie sogar besser mit Sicherheit aber gleichgut.

Die Vergangenheit hat deutlich gemacht, dass gerade börsennotierte Unternehmen, wie z.B. Bayer, VW oder RWE, einen klaren Mangel an Ethik und Werten aufweisen. Sie haben damit viele Geschäftsbereiche klar an die Wand gefahren haben. Weil es der Konsument, die Öffentlichkeit und letztlich auch der Finanzmarkt abstraft, wenn sich Bayer jemanden wie Monsanto einverleibt. Oder wenn VW über Jahre Kunden und Kundinnen betrügt, dann ist das wenig ethisch und schadet dem Unternehmen.

Schlankeres Filialnetzwerk

Vertrauen, gute Werte, offene und positiv nachhaltige Ziele mit Weitsicht zahlen sich dann eben auch in einer positiven Rendite aus. Zudem haben alternative und nachhaltige Banken ein viel schlankeres Filialnetzwerk bis zu keine Filiale, keine Bankberater und nur Onlineberatung um Kosten zu sparen. Auch die Eröffnung des Kontos geht bequem online. Und natürlich gibt es sie, die Ausnahmen und die Banken die dies vielleicht nicht vorbildlich aber schon richtig, richtig gut machen.

„Vertrauen, gute Werte sowie nachhaltige Ziele mit Weitsicht zahlen sich in einer positiven Rendite aus.“

Und die Moral von der Geschichte: Man kann in der Tat was Gutes mit seinem Geld tun ohne wirklich dafür was tun zu müssen, man kann mit seinem Geld sogar das Gemeinwohl verbessern. Geld ist mittlerweile zum Mittel und zum Zweck geworden, wir nehmen Geld in die Hand um noch mehr Geld zu verdienen, wenn mein Geld jedoch das Mittel ist und das Gemeinwohl der Zweck, dann kann mein Geld für mich Arbeiten und ich habe sogar noch ein gutes Gefühl dabei. Geld ist nichts schlechtes, egal wieviel man davon hat, wir müssen nur lernen damit umzugehen – und in gute, nachhaltige und sinnvolle Projekte zu investieren.


Mehr Infos findet ihr auch hier: https://www.fairfinanceguide.de/

Autor
Nicole Nitsche
Nicole Nitsche ist studierte Theaterwissenschaftlerin und hat mehrere Jahre als Regieassistentin beim Thalia Theater Hamburg gearbeitet. Danach war Nicole Leiterin der Presse-und Marketingabteilung eines Hamburger Musiklabels. Zu ihren täglichen Aufgaben zählten dort, neben dem Verfassen von Pressetexten, die Umsetzung und... mehr

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