Die Gesichter der Branche: Marie Moesgaard

Dürfen wir vorstellen: Marie Moesgaard von Pleo

Das Arbeiten in der FinTech Branche gleicht einem Kommen und Gehen, setzt ein hohes Maß an Professionalität in einem durchaus lockeren Arbeitsumfeld voraus und ist vor allem geprägt von Innovationen sowie guten, klugen und zukunftsorientierten Ideen, so der weit verbreitete Konsens. Doch wer sind eigentlich die Köpfe und Macher hinter diesen kreativen Denkprozessen, an der Schnittstelle zwischen Finanzen, digitalen Technologien und Gründertum? In unserer Reihe Die Gesichter der FinTech Branche  stellen wir regelmäßig einer Person aus der Payment- und Banking-Industrie die gleichen zehn Fragen. Diesmal beantwortet Marie Moesgaard unsere Fragen.

Dürfen wir vorstellen…

Während unseres Arbeitsalltags begegnen uns immer wieder spannende Menschen, die im gleichen Umfeld tätig sind, die uns nur einmal oder immer mal wieder begegnen oder uns sogar schon privat sehr ans Herz gewachsen sind – jeder von Ihnen hat eine eigene Geschichte. Wir haben ein paar dieser Menschen aus unserem nächsten FinTech-Umfeld interviewt, um ihnen ein Gesicht zu geben. Um zu teilen, warum diese Branche für sie viel mehr ist als eine weitere Art, seine Miete zu bezahlen. Diese Menschen und deren Vita möchten wir in einer ganz eigenen Kategorie kurz porträtieren und vorstellen und haben dazu einen immer gleichen Fragenkatalog entworfen.

Diesmal beantwortet Marie Moesgaard unsere Fragen. Marie ist Country Manager bei Pleo, dem Fintech für digitale Spesenabrechnung.

Wer bist du, was machst du?

Ich bin Marie und seit kurzem Country Manager Deutschland von Pleo und damit verantwortlich für einen erfolgreichen Markteintritt. Ich arbeite seit drei Jahren für Pleo. Damals waren wir zu acht – unsere beiden Mitgründer mitgezählt. Ich hoffe, diese Start-up-Dynamik in unserem neuen Team in Berlin wiederholen zu können.

Ich bin in meiner Rolle nicht primär für Vertrieb zuständig, sondern für Kultur, also die Art und Weise, wie wir bei Pleo die Dinge angehen. Dazu gehört unser Bottom-up-Ansatz, mit dem wir uns dafür einsetzen, dass jedem Mitarbeiter in jedem Unternehmen eine eigene Bezahlkarte anvertraut werden kann. Außerdem stellen wir unsere Kunden immer ins Zentrum unseres Wirkens.

Die Gesichter der Branche: Marie Moesgaard

Was waren Ihre ersten Berührungspunkte mit der Zahlungs- und Bankenbranche?

Mein erster echter Berührungspunkt mit dem Zahlungsverkehr und dem Bankwesen war, als ich zu Pleo kam. Ich komme aus der Soziologie, so dass die FinTech-Welt nicht mein erstes Ziel war. Aber während meines Masters in Innovation und Entrepreneurship und meines Studiums an der Columbia University lernte ich die unternehmerische Seite der Soziologie kennen und sah, welche Auswirkungen die galvanisierende Technologie auf die Gesellschaft haben kann. Pleo – und die weitere FinTech-Welt – ist ein großer Teil davon.

Wann hast Du das Wort FinTech das erste Mal wahrgenommen?

Als ich vor meinen Einstellungsgesprächen mit Jeppe, unserem CEO und Mitgründer, über die ersten Erfolge von Pleo las.

Wie definierst du FinTech?

Technologie ist innerhalb von Finanzdienstleistungen allgegenwärtig, aber was den Trend von „FinTech“ ausmacht – wenn überhaupt ein Trend – ist die Übertragung von Macht und Autonomie. In vielerlei Hinsicht ermöglicht die neue Generation von Fintechs den Kunden ein besseres Verständnis (und die Kontrolle) ihrer Finanzen. Die „Technologie“ ist leicht zugänglich, leicht verständlich, skalierbar und – in gewisser Weise – befähigt diese Menschen, die sonst überfordert wären, finanzielle Entscheidungen zu treffen.

„Die neue Generation von Fintechs ermöglicht den Kunden ein besseres Verständnis (und die Kontrolle) ihrer Finanzen.“

Was machen deiner Meinung nach etablierte Unternehmen besser als FinTechs?

Es liegt in der Natur der Sache, dass etablierte Filialbanken einen guten Zugang zu ihren Kunden haben. Es ist ein persönliches Geschäft, selbst wenn es dem Kundenservice dort nicht immer gelingt, die Bedürfnisse von Kunden zu erkennen und auf dem Laufenden zu bleiben.

FinTechs können manchmal Schwierigkeiten haben, einen ähnlichen praktischen Ansatz zu verfolgen, der den Plänen für ein schnelles Marktwachstum entspricht. Aber dieses Dilemma zu überwinden, ist es gerade, was es zu einem so aufregenden Aufgabengebiet macht.

Was können Banken von FinTechs lernen?

Es liegt in ihrer DNA, dass FinTechs agil sind. Sie können sich an Kundenbedürfnisse, Branchentrends oder Änderungen des Umfelds anpassen. „Business as usual“ gibt es für erfolgreiche FinTechs nicht!

Warum ist es für etablierte (große) Unternehmen schwierig, zu digitalisieren?

Die Gesichter der Branche: Marie Moesgaard

Es geht weniger um die Digitalisierung, sondern vielmehr um die Fähigkeit, sich anzupassen. Viele etablierte Unternehmen haben über Jahrzehnte hinweg ein festgefahrenes und unkritisches Denken aufgebaut. Das macht sie weniger fähig, neugierig oder hungrig zu bleiben und sich weiterzuentwickeln.

FinTechs hingegen werden von zukunftsorientierten Menschen geführt, die nicht zufrieden sind mit dem Zweitbesten. Sie verstehen, dass Reibungsverluste durch eine stärkere Nutzung von Technologie vermieden werden können. Wir erfinden das Rad nicht neu, wir treiben Veränderung voran.

Wenn du nicht im Zahlungsverkehr und im Bankwesen tätig wärst, welchen Job würdest du stattdessen ausüben?

Wenn ich nicht in der Zahlungs- und Bankenbranche arbeiten würde, würde ich wahrscheinlich mein eigenes Start-up in der Bildungsbranche betreiben. Ich bin sehr leidenschaftlich, wenn es darum geht, wie wir Kindern die bestmögliche Grundlage für das Denken und Handeln als kreative und visionäre Unternehmer geben.

Für welches Unternehmen möchtest du für einen Tag arbeiten?

Ich bewundere Patagonia sehr. Ich habe Chouinards Buch „Let My People Go Surfing“ vor vielen Jahren gelesen und fand es super erfrischend. Als Unternehmen geben sie sich nicht mit dem zufrieden, was gut genug ist. Ausgehend von einer echten Mission, einen positiven Einfluss auf die Umwelt zu haben, entwickeln sie ihre Standards in allen Aspekten ihres Geschäfts weiter. 

Die größte Inspirationsquelle finde ich in Unternehmen aus ganz unter-schiedlichen Branchen. B2B-Startups wie Pleo können so viel von Verbrauchermarken wie Patagonia lernen, insbesondere von der menschlichen Seite des Unternehmens, der Mitarbeiterzentriertheit und dem Leben und Atmen von Unternehmenswerten.

Die Gesichter der Branche: Marie Moesgaard

Mit wem möchtest du ein Bier trinken?

Im Moment bin ich von Brene Brown besessen. Sie ist eine amerikanische Forscherin, die sich mit Verletzlichkeit und Scham als Startvoraussetzungen der menschlichen Entwicklung, des Wandels und der Innovation beschäftigt. Ich habe ihre TED-Vorträge gesehen, ihre Bücher gelesen und ihre Podcasts gehört. Ihre Gedanken sind nicht nur für Einzelpersonen relevant, sondern auch für Organisationen, die nicht besser sind als die Summe ihrer Menschen und deren Gesundheit. Ich würde mich freuen, sie eines Tages kennenzulernen.

Autor
Nicole Nitsche
Nicole Nitsche ist studierte Theaterwissenschaftlerin und hat mehrere Jahre als Regieassistentin beim Thalia Theater Hamburg gearbeitet. Danach war Nicole Leiterin der Presse-und Marketingabteilung eines Hamburger Musiklabels. Zu ihren täglichen Aufgaben zählten dort, neben dem Verfassen von Pressetexten, die Umsetzung und... mehr

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