Als Head of Fundraising bei dem Impact-Investing Anbieter ecoligo erweckt unser Gast der aktuellen Folge „Gesichter der Branche“ Projekte, die für Privatanleger:innen im Impact-Bereich interessant sind, zum Leben. Wir sprechen mit ihr des Weiteren über ihren klassischen Alltag, warum sie der deutschen Autoindustrie gerne einmal auf die Finger schauen würde und warum sie als Klimaaktivistin unterwegs ist. „Ich kann absolut nicht nachvollziehen, wie man einen selbst auf europäischer Ebene gefunden Konsens zum Verbot von Verbrennern so torpedieren kann“, sagt sie später im Interview.

Heute stellen wir stellen vor: Claudia Rothe von ecoligo

Wer bist du, was machst du?

Ich bin Claudia Rothe, Head of Fundraising bei dem Impact-Investing-Anbieter ecoligo. Dort bin ich dafür zuständig, dass die Investitionsmöglichkeiten von ecoligo in Erneuerbare-Energien-Projekte für Privatanleger:innen zum Leben erweckt werden. Ich bin an der Projektfinanzierung, dem Crowdinvesting und der Investor:innenkommunikation beteiligt.

Wie sieht ein klassischer Tag in deinem Leben aus?

Ich starte früh in den Tag, gelegentlich mit einer Runde Yoga oder Meditation. Gerade am Anfang der Woche stehen täglich mehrere Meetings mit unserem internationalen Team an, um über neue und bestehende Projekte zu sprechen. Dabei geht es um den aktuellen Stand der Projekte und die benötigten Finanzierungen. Darüber tausche ich mich täglich eng mit meinen Kolleg:innen im Fundraising-Team aus, kläre Priorisierungen und rechtliche bzw. regulatorische Themen. Außerhalb der Meetings beschäftige ich mich im Grunde mit ähnlichen Themen. Ich begleite den Prozess ab der Unterzeichnung eines neuen Projektes bis zur vollständigen Finanzierung. Im Fokus habe ich dabei immer unsere Investor:innen, denen wir täglich zur Seite stehen.  

Ich achte darauf, dass ich am Ende der Woche viel meetingfreie Zeit habe, um Fokusthemen zu bearbeiten. Meinen Feierabend verbringe ich am liebsten mit meinen Hobbys wie Singen und Sport. Oder ich treffe mich mit Gleichgesinnten, um in meiner Stadt aktiv die Klimaneutralität voranzubringen. Im Sommer springe ich gerne viel in den See und verbringe meine Zeit im Grünen.

Was reizt dich an deiner Tätigkeit?

Ich genieße es sehr, in einem so internationalen Team mit Kolleg:innen und Projekten an verschiedensten Standorten der Welt zu arbeiten. Das gesamte Team setzt sich sehr motiviert für die Energiewende ein und ist dabei äußerst professionell. Ich lerne viel über technische Aspekte und Energiemärkte weltweit, aber auch sehr viel über die Kulturen meiner Kolleg:innen. Außerdem gefällt es mir, dass ich meine Fähigkeiten im Projektmanagement nutzen kann, um enormen positiven Impact zu generieren und das gemeinsam mit so vielen tollen Investor:innen.

Wolltest du schon immer in einem Fintech arbeiten?        

Tatsächlich komme ich ursprünglich aus einer ganz anderen Richtung. Früher war ich im Tourismus- und Eventmanagement tätig. Die Fintech-Branche habe ich erst mit ecoligo richtig kennengelernt.

Wie begeisterst du andere Menschen von deinem Job?

Das ist einfach: Ich erzähle ihnen davon, was ecoligo mit seinen Projekten durch Impact-Investitionen bereits erreichen konnte. Über 1,5 Millionen Tonnen CO2 werden durch unsere Projekte seit Gründung von ecoligo eingespart – und das Ganze in Ländern auf den unterschiedlichsten Kontinenten, wo die Sonne am meisten scheint und wo wir einen hohen Impact erzielen können. Die meisten staunen dann, was man alles erreichen und wozu man als Einzelperson beitragen kann. Auch die Zahl von über 30 Millionen Euro, die insgesamt bereits investiert wurden, finden viele beeindruckend. Ein Teil davon zu sein, begeistert auch mich noch oft.

Wie definierst du Erfolg?

Erfolg im beruflichen Kontext verbinde ich damit, etwas zu tun, das nicht nur einen eigenen Vorteil bringt, sondern auch gesellschaftliche Relevanz hat. Lieber Millionen eingesparte Tonnen CO2 als Millionen Euro auf dem Konto quasi. 

Welche Fähigkeiten in der Payment- und Banking-Industrie erachtest du für wichtig?

Eigentlich genau solche Skills, die man nicht unbedingt erlangt, wenn man sein ganzes Leben in der Payment- und Banking-Industrie arbeitet. Ich halte es für notwendig, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, diverse Teams aufzubauen und Quereinsteiger:innen zu fördern, um am Ende von Fähigkeiten zu profitieren, von denen man gar nicht wusste, dass man sie braucht.  

Was hast du immer in deiner Tasche dabei?

Unkreativ, aber wahr: mein Handy. Na klar für Telefonate und Video-Calls, aber auch als Kamera, Übersetzer, Musik- und Podcast-Player. Ich liebe es, dass es mittlerweile alles in einem Gerät und mit toller Qualität gibt. Selbstredend benutze ich mein Handy, bis es seinen Geist aufgibt, und kaufe mir nicht ständig die neueste Version.

Was kann man von dir besonders gut lernen?

Mein Steckenpferd: alle Fäden zusammenhalten und den Überblick behalten. Projektmanagement und Organisation sind irgendwie mein Ding und ich habe in unterschiedlichen Branchen mittlerweile viel Erfahrung darin gesammelt. Also her mit den Fragen! Ansonsten ist Teambuilding und die Förderung von Mitarbeitenden ein neu entdecktes Projekt, das mir viel Freude bereitet. Hier kann ich ein paar Tipps und Tricks teilen.  

#TeamHomeoffice oder #TeamBüro, warum?

#Team ist hier das Stichwort, denn jedes Team muss sich so finden und organisieren, wie es für seine Zusammenarbeit am besten geeignet ist. Für mich persönlich ist eine Zwischenlösung die beste Alternative. Ich verbringe sehr gerne Zeit mit dem Team im Büro, schätze aber auch die Flexibilität im Homeoffice zu arbeiten. Das Verhältnis ändert sich jedoch von Woche zu Woche und kommt ganz auf die Art der Aufgaben an. Sobald unser Team erweitert wird, bin ich häufig im Büro, um die neuen Kolleg:innen kennenzulernen. Falls viele Telefonate anstehen, genieße ich mein ruhiges Homeoffice.

In welchem Unternehmen würdest du außerhalb unserer Industrie gerne einmal Mäuschen spielen?

Mich würde die Automobilindustrie, gerade hier in Deutschland, interessieren, um zu verstehen, wie sich der Umstieg auf Elektroautos vollzieht und wie ernst gemeint er im Hinblick auf den Klimawandel ist. Angesichts von steigenden Angeboten von SUVs, bei denen die Industrie uns weismachen will, wir bräuchten sie und die Nachfrage nach ihnen würde steigen, würde ich gerne einmal sehen, wie sich die Chefetagen ihr Agieren schönreden. Das ist für mich ein klassischer Rebound-Effekt – wir tun so, als würde die Industrie sauberer, fokussieren uns aber auf unnötige Material- und Raumverschwender, die bei Weitem nichts mit Mobilitätswende zu tun haben.

Und super gerne würde ich Mäuschen spielen bei Treffen mit der Politik, denn ich kann absolut nicht nachvollziehen, wie man einen selbst auf europäischer Ebene gefunden Konsens zum Verbot von Verbrennern so torpedieren kann, vom weiteren Ausbau der Individualmobilität mal ganz zu schweigen.

Wenn du dich vor zehn Jahren treffen würdest: Welchen Tipp würdest du dir mitgeben, um beruflich erfolgreich zu sein.

Ich hätte mir geraten, schneller Entscheidungen zu treffen. Wenn dir dein Bauch sagt, dass es noch etwas anderes geben muss, dann vertraue darauf. Sprich Missstände an. Und wenn sich nichts ändert, nimm dein Schicksal selbst in die Hand.

Wenn ich im Finanzministerium etwas zu entscheiden hätte, dann würde ich ….?

Hier hätte ich eine längere Liste: Ganz oben auf meiner Prioritätenliste wäre ein wirklich nachhaltiges Impact-Label. Für alles gibt es tausende Zertifikate, Label oder Auszeichnungen, aber Investor:innen haben immer noch keinen direkten Einblick, welche Investments tatsächlich nachhaltig sind und Impact generieren. Und zwar unabhängig und ohne Augenwischerei bei den Industrien und Technologien, die als „grün“ bewertet werden. Ansonsten fehlt mir immer noch der Bildungsansatz in Richtung Finanzen. Es gibt dahin gehend eine große Lücke im Bildungswesen und jüngere Generationen stehen vor der Frage: wohin mit meinem Geld? Hier muss dringend Aufklärung betrieben werden.


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Ganz generell halte ich es für wichtig, dass alle klimaschädlichen Subventionen und Steuererleichterungen, Stichwort Dienstwagenprivileg, Dieselprivileg, Steuerbefreiungen für die Luftfahrt etc., abgeschafft werden. Da gibt es eine ganze Reihe an Vergünstigungen, die klimaschädliches Verhalten fördern. Damit sollte besser heute als morgen Schluss sein. Mit dem Geld sollten wir besser etwa ein Klimageld finanzieren, um steigende Kosten aufgrund von höheren CO2-Abgaben auszugleichen und so Klimaabgaben sozial gerecht zu gestalten.

Wenn ich einen nennenswerten Betrag im Lotto gewinnen würde

… ich das gewonnene Geld nachhaltig anlegen. Durch mich bekämen viele grüne Projekte einen ordentlichen Finanzierungsschub. Ich würde mich dann auch mehr der Unterstützung neuer Technologien und Start-ups widmen. Einen großen Teil davon würde ich auch definitiv in unsere Projekte bei ecoligo investieren. Da weiß ich ganz genau, welchen Impact wir damit kreieren.

Wenn ich jeden Tag das Gleiche essen müsste, wäre das …?

Frisches Brot mit Bergkäse – am besten alles selbst gemacht direkt auf der Alm mit Blick auf die Berge.

Wenn ich dauerhaft in einem anderen Land leben dürfte, dann wäre das …?

Portugal. Für die Sprache, das Land und die Menschen habe ich eine Leidenschaft entwickelt, während ich dort ein Jahr gearbeitet habe. Leider hat sich die Wirtschaft hier noch immer nicht erholt, viele junge Menschen müssen ihr Land verlassen, um im Ausland qualifizierte Jobs zu finden. Hier kann auch die Energiewende Arbeitsplätze schaffen und neue Möglichkeiten bieten.

Von ecoligo stelle sich bereits Martin Baart im vergangenen Jahr unseren Fragen:

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