„Die beste Technologie nützt nichts, wenn man sie nicht intern verkaufen kann“
Carmen Honacker ist Betrugsberaterin bei Risk Ident. m Interview spricht sie über digitale Identitäten, Bürokratie als Innovationsbremse und warum Fraud Prevention viel Überzeugungsarbeit braucht.
Carmen Honacker ist Betrugsberaterin bei Risk Ident. Im Interview spricht sie über digitale Identitäten, Bürokratie als Innovationsbremse und warum Fraud Prevention viel Überzeugungsarbeit braucht.
Wer bist Du und was machst Du?
Ich bin eine Brückenbauerin zwischen Kontinenten, Kulturen und komplexen Herausforderungen. Als US-Amerikanerin in Europa habe ich gelernt, unterschiedliche Perspektiven zu verbinden.
Menschen kommen zu mir, wenn sie nicht weiterwissen. Wenn Standard-Antworten nicht reichen. Wenn sie jemanden brauchen, der zuhört, mitdenkt und die richtigen Lösungen – oder die richtigen Leute – findet.
Mit fast 20 Jahren Erfahrung in der Betrugsprävention bei internationalen Großkonzernen habe ich gelernt: Die beste Technologie nützt nichts, wenn man sie nicht intern verkaufen kann. Sales sieht Fraud Prevention oft als Umsatzbremse, Marketing fürchtet um die Conversion Rate, und Executives wollen nicht investieren. Hier braucht man nicht nur technisches Know-how, sondern vor allem Diplomatie und Kontakte zu Menschen, die ähnliche Kämpfe bereits gewonnen haben.
Wie viel Kohle hast Du gerade im Portemonnaie?
55 Euro! Aber auch nur, weil ich Bargeld für meinen Friseur gebraucht habe. Sonst ist die Antwort für diese Frage eigentlich immer Null.
Wie bist Du im Payment und Banking-Sektor gelandet?
Durch Zufall und einen verzweifelten VP bei Yahoo. Ich war Managing Editor für die „unbeliebten“ Kategorien wie Adult und Gambling, als wir 2007 plötzlich auf Visas Excessive Chargeback Program landeten. Nach den Weihnachtsferien sagte mein Chef: „Carmen, you’re doing fraud prevention now.“ Ich: „But I know nothing about fraud!“ Er: „You’ll learn.“Und das tat ich. Ich baute Yahoos erste Fraud-Abteilung auf, vernetzte mich bei meiner ersten Merchant Risk Council Conference und als Yahoo 2009 unterging, vermittelte mich ein Kontakt aus der Gaming-Branche direkt weiter.
Wie möchtest Du den Payment und Banking-Bereich verändern?
Weg von „das haben wir schon immer so gemacht” hin zu datengetriebenen, intelligenten Entscheidungen. Ich erlebe oft, dass Bürokratie und festgefahrene Prozesse Innovation im Keim ersticken. Dabei haben wir heute Technologien und Daten, die es uns ermöglichen, viel präziser und effizienter zu arbeiten, wenn wir den Mut haben, alte Zöpfe abzuschneiden.
Sind Fintechs die große Revolution – oder doch eher nur eine kleine Revolte?
Definitiv Revolution, aber vielleicht nicht immer dort, wo man es vermutet. Die echte Revolution liegt weniger in der Technologie selbst, als darin, wie Fintechs User Experience radikal neu gedacht haben. Sie haben gezeigt, dass Banking und Payments einfach, intuitiv und sogar angenehm sein können.
Wenn Du Finanzminister*in wärst, was würdest Du sofort ändern?
Zwei Dinge: Erstens würde ich endlich eine funktionierende digitale Identitätslösung durchsetzen,sicher und benutzerfreundlich.Zweitens: radikaler Bürokratieabbau. Die regulatorischen Hürden für neue Lösungen sind oft so komplex und zeitaufwendig, dass Innovation im Keim erstickt wird. Wir brauchen klare, praktikable Standards statt endloser Formulare und Prozesse. Sicherheit ja, aber nicht um den Preis, dass wir uns selbst lahmlegen.
Werden wir persönlich: Was machst Du in Deiner Freizeit – und sag´ jetzt nicht „Lesen und Freunde treffen”.
Privat bin ich Autorin, die über Neurodivergenz und persönliche Transformation schreibt und Hundemama von zwei vierbeinigen Begleitern, mit denen ich jeden Morgen fünf Kilometer spazieren gehe. Meditation und Achtsamkeit sind auch Dinge, die ich jeden Tag praktiziere.
Wie bezahlst Du an der Supermarktkasse?
Mit der Debitkarte oder dem iPhone.
Welche Finanz-Apps sind Deine drei beliebtesten?
N26, Fidelity Investment, T. Rowe Price
Worauf freust du dich in Bezug auf die PEX?
Ich freue mich darauf, die neuesten Innovationen aus dem DACH-Gebiet zu hören und den Austausch mit Payment- und Finance-Experten zu erweitern.
Als jemand, der sonst primär in der Fraud Prevention Community unterwegs ist, schätze ich die Gelegenheit, über den Tellerrand zu schauen und neue Perspektiven kennenzulernen. Und natürlich bin ich gespannt, welche neuen Payment-Trends sich abzeichnen. Denn diese bringen oft auch neue Herausforderungen in der Betrugsprävention mit sich. Je früher wir verstehen, wohin sich die Branche entwickelt, desto besser können wir uns vorbereiten.