Deutschlands erste Einzelkämpferin
Mit Puzzle Ventures hat Gloria Bäuerlein einen der ersten Solo-VCs in Deutschland gestartet. Payment & Bankings Unternehmerin des Jahres verrät, welche Rolle sie für sich im Deutschen Wagniskapitalmarkt sieht.
Mit Puzzle Ventures hat Gloria Bäuerlein einen der ersten Solo-VCs in Deutschland gestartet. Payment & Bankings Unternehmerin des Jahres verrät, welche Rolle sie für sich im Deutschen Wagniskapitalmarkt sieht.
Pionier zu sein, ist nicht immer dankbar. Das musste auch Gloria Bäuerlein lernen, als sie 2022 nach dem Ende ihrer COO-Aufgabe beim HR-Softwareunternehmen Back einen eigenen VC-Fonds gründen wollte – und zwar alleine, als sogenannter Solo-VC. „Ich war erst die zweite Person, die das in Deutschland versucht hat“, erinnert sie sich.
Tatsächlich ist das Konzept des Wagniskapital-Einzelkämpfers in Deutschland und Europa nach wie vor recht unbekannt. Während in den USA Investoren wie Elad Gil und Lachy Groom schon lange auch bei großen Runden mitmischen (u.a. Airbnb & Stripe), sind es hierzulande immer noch vor allem mehrere Partner*innen, die sich zusammenschließen und das Kapital für Start-up-Gründer*innen zur Verfügung stellen.
Es war also ein Wagnis, als sich Bäuerlein mit ihrem VC-Fund Puzzle Ventures selbständig machte. „Ich hatte zwar schon Erfahrung als Investorin bei Index Ventures und TCV und als Angel-Investorin, aber ein Solo-VC agiert noch einmal anders“, sagt sie. Der wesentliche Unterschied ist, dass ein Solo-VC nicht nur eigenes Geld investiert, sondern Kapital einsammelt. Sie investiert immer zusammen mit anderen Investoren und strebt einen Anteil von ein bis drei Prozent an den Startups an. Die großen Fonds streben wiederum oft höhere Anteile, mindestens zehn Prozent, an. Da die Gründer aber meist maximal 15-20 Prozent der Anteile in einer Runde abgeben möchten, können große Fonds selten zusammen investieren.
Bisher gelingt ihr das laut eigenen Angaben gut. Ihr erster aufgelegter Fonds umfasste rund 21,5 Millionen Euro, etwa 60 Prozent des Geldes seien bereits investiert. Ende 2026 soll der zweite Fonds aufgelegt werden. „Ich schätze, dass ich mit mehr als 70 Prozent aller europäischen Gründer*innen spreche, die bis zu fünf Millionen Euro von internationalen Top-Fonds einsammeln“, erklärt Bäuerlein. Wenn sie sich für ein Investment entscheide, sei sie bisher auch immer zum Zuge gekommen. Investiert ist sie mit ihren Geldgeber unter anderem bei Conlio, Gradient Labs und Tema. Und erste Auszeichnungen für ihre Arbeit gab es auch bereits, so etwa als „Unternehmerin des Jahres“, gekrönt durch Payment & Banking und den Bitkom auf der Digifin vor einigen Wochen.
Das sagt aber erstmal wenig über den Erfolg der einzelnen Investments. Und diesen wird man – bei Wagniskapital nicht unüblich – wohl auch erst in einigen Jahren einschätzen können. „Wie im Venture-Capital üblich, rechne erst nach sieben bis zehn Jahren mit den ersten signifikanten Exits“, sagt Gloria Bäuerlein selbst.
Sollte sich der entsprechende Erfolg einstellen, könnte man dann aber doch über eine Vergrößerung von Puzzle Ventures nachdenken, oder? Nicht, wenn es nach der Gründerin geht. „So wie Puzzle Ventures arbeitet, muss der Fonds klein bleiben“, sagt sie. Zu den Vorteilen gegenüber den großen Fonds gehöre, dass sie eben schnell agieren und Entscheidungen innerhalb von zwei bis drei Tagen treffen könne, anstatt sich mit mehreren Akteuren abstimmen zu müssen.. Außerdem biete man Gründer*innen so eine sehr persönliche Betreuung. „Im Idealfall empfinden sie mich als eine späte Co-Founderin, zu der sie auch bereitwillig mit schwierigen Themen und Problemen kommen, bevor sie mit dem Lead Investor sprechen“, erklärt sie.