„Strukturen sind kein Selbstzweck – sie sind die Grundlage für verantwortungsvolles Wachstum“
Anja Kühnel verantwortet als VP beim Fintech Credibur die Bereiche Personal, Finanzen und Kommunikation. Im Interview spricht sie über ihren Weg in den Finanzsektor, die Fintech-Revolte und die nötigen Innovationen auf dem Kreditmarkt.
Anja Kühnel verantwortet als VP beim Fintech Credibur die Bereiche Personal, Finanzen und Kommunikation. Im Interview spricht sie über ihren Weg in den Finanzsektor, die Fintech-Revolte und die nötigen Innovationen auf dem Kreditmarkt.
Nach Stationen bei der DKB, Lendico und in der Beratung kennt Anja Kühnel das Zusammenspiel aus Banking, Technologie und Organisation in- und auswendig. Heute verantwortet sie bei Credibur Finance, People und Communications – mit dem Ziel, Ordnung in ein fragmentiertes Kreditumfeld zu bringen. Im Interview spricht sie über Berlin als Bargeld-Paradoxon, systemische Verantwortung im Banking und warum Bewegung in der Natur für sie genauso wichtig ist wie Struktur im Unternehmen.
Wer bist Du und was machst Du?
Ich bin Anja Kühnel, Vice President Operations bei Credibur, einer Softwareplattform für nicht-bankbasierte Kreditportfolios. Ich verantworte alles, was intern funktionieren muss, damit wir nach außen liefern können: Finanzen, People, Prozesse und Kommunikation. Vorher war ich über acht Jahre bei der DKB, zuletzt als Chapter Lead HR. Davor habe ich beim Fintech-Startup Lendico (jetzt ING) die Personalabteilung aufgebaut.
Wie viel Kohle hast Du gerade im Portemonnaie?
In Berlin braucht man leider immer noch oft Bargeld. Ich wünschte, ich könnte sagen: „Gar keins“, weil ich fast alles mit der Karte zahle. Gerade sind es etwa 40 Euro.
Wie bist Du im Payment- und Banking-Sektor gelandet?
Nach meiner Zeit in einer Unternehmensberatung bin ich vor gut 13 Jahren zur IT-Tochter einer Bank gewechselt und bin seitdem der Branche treu geblieben; immer an der Schnittstelle zwischen Banking & Tech. Was mich in der Bankenbranche hält, ist die reale Wirkung. Entscheidungen bleiben nicht abstrakt, sie haben Konsequenzen für Menschen und Unternehmen, aber auch Organisationen und die Gesellschaft als Ganzes. Gleichzeitig ist Banking nie abgeschlossen. Regulierung, Risiko, Technologien und menschliches Verhalten verändern sich ständig. Genau diese Schnittstelle zwischen Systemen und Menschen fasziniert mich bis heute.
Wie möchtest Du den Payment- und Banking-Bereich verändern?
Ich möchte helfen, Ordnung in ein sehr fragmentiertes Kreditumfeld zu bringen. Nicht durch Vereinfachung der Realität, sondern durch saubere Strukturen, klare Prozesse und verlässliche Daten. Das ist aus meiner Sicht die Grundlage für verantwortungsvolles Wachstum.
Sind Fintechs die große Revolution – oder doch eher nur eine kleine Revolte?
Fintechs sind für mich weniger eine totale Revolution als eine sehr wirksame Revolte mit Langzeitwirkung. Sie haben zentrale Schwächen im Banking sichtbar gemacht und konkrete Verbesserungen erzwungen, etwa bei Transparenz, Nutzerführung und Geschwindigkeit. Auch wenn Fintechs das System nicht komplett ersetzen, haben sie dessen Entwicklung messbar beschleunigt und verbessert.
Wenn Du Finanzminister*in wärst, was würdest Du sofort ändern?
Ich würde als Erstes die Fragmentierung von Daten, Aufsicht und Prozessen im Finanzsystem angehen. Nicht durch neue Regeln, sondern durch bessere Umsetzung bestehender. Viele Risiken entstehen heute nicht aus fehlender Regulierung, sondern aus inkonsistenter Datenlage, parallelen Meldewegen und unklaren Verantwortlichkeiten. Mehr operative Klarheit würde Stabilität, Effizienz und Aufsicht gleichzeitig verbessern.
Werden wir persönlich: Was machst Du in Deiner Freizeit – und sag´ jetzt nicht „Lesen und Freunde treffen”.
Ich verbringe viel Zeit mit Bewegung, vor allem mit Yoga, Krafttraining und draußen in der Natur. Das hilft mir, körperlich und mental im Gleichgewicht zu bleiben.
Wie bezahlst Du an der Supermarktkasse?
Mit Karte.
Welche Finanz-Apps sind Deine drei beliebtesten?
PayPal, Trade Republic und die DKB-App.