Outbank: Der König ist tot. Lang lebe der König

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Das neue Ringen um den Thron ‚der‘ Banking App

Am 25.09.17 hat Outbank den Insolvenzantrag gestellt und viele Nutzer fragen sich: Wie geht es weiter mit der beliebten Banking App? Der Betrieb der App sei erst einmal nicht gefährdet, so Anya Schmidt CEO von Outbank. Sollte sich allerdings keine Lösung für das Unternehmen finden, wird die App irgendwann aus dem App Store verschwinden und die Entwicklung eingestellt. Die App kann dann, so lange die eigene Bank nichts ändert, weiter genutzt werden. Aber wer mag schon auf einem toten Pferd reiten?

Wir haben mal in die Runde gefragt, welche Apps bisher für Online-Banking genutzt werden und welche Banking App es in Zukunft sein könnte?

Banking App Outbank: Der König ist tot. Lang lebe der König
Photo credit: Skley via Visual hunt

Andre:

  • Ich war noch nie Outbank Nutzer, so dass ich hier nicht selbst betroffen bin. Meine Lösung ist in der Tat wohl nicht typisch: Ich nutze auf meinem Mac-Book die Software moneymoney. Hier habe ich alles was ich brauche und Michael macht einen echt guten Job in der Anbindung auch der absurdesten Finanzquellen 🙂

Eine Software auf dem Laptop klappt für mich sehr gut, da ich eh nahezu den ganzen Tag vor dem Rechner sitze und die Software dauerhaft im Hintergrund läuft und regelmässig synct.

Und natürlich teste ich auch nahezu alle mobilen Apps – ich war ein sehr großer Freund von Kontoalarm, aber leider haben sich die Aboalarm Mädels und Jungs entschieden, die Software nicht mehr weiter zu entwickeln. Aktuell habe ich zudem Apps von einigen unserer Kunden im Einsatz um so auch immer zu sehen, wie Multibanking in den unterschiedlichen Lösungen integriert ist (Deutsche Bank, fymio, 1822 direkt, Bonify).

Maik:

  • Ich hatte sie alle! Keine Banking-App die ich nicht schon im Einsatz hatte. Angefangen hat bei mir alles, nicht mit Outbank, sondern mit iControl, die kurze Zeit später im App Store veröffentlicht wurde. Dann relativ schnell zu Outbank gewechselt und immer wieder das von Andreas Selle entwickelte Banking4i benutzt. Berufsbedingt habe ich dann lange Zeit finanzblick genutzt, was meinem Arbeitgeber geschuldet war – ich war unter anderem für die Vermarktung von finanzblick zuständig. Danach hab ich figo für mich entdeckt. Nicht die API, sondern den Vorläufer, die figo App! Leider waren die Kollegen rund um figo (André) etwas sehr forsch was den Betatest und die Nutzung der Enterprise Lizenz dazu, von Apple betraf, so das am Ende figo als App nie so richtig das Licht der Welt erblickte. Zum Glück kam dann Kontoalarm (auf Basis der figo API, gibt es aber auch leider nicht mehr), welches dann, durch das neue Outbank bei mir abgelöst wurde.

Inzwischen nutze ich Outbank, N26 und Kontist, wobei ich in Outbank alle Konten aggregiert habe. Die anderen Apps habe ich wegen des besseren Push, das hat bei Outbank und mir nie gut funktioniert.Und jetzt? Erst mal bleibe ich bei Outbank. Ich hoffe, dass durch die kommende PSD2 Reform und damit einhergehend der Öffnung von Bank-Accounts (XS2A), es neue Lösungen geben wird. Bis dahin werde ich mir finanzblick noch einmal anschauen, auch wenn mich die UX nicht überzeugt, aber dort gibt es Push-Benachrichtigung über alle Konten. Oder Banking4i – dort gibt es ebenfalls Push. Genau das, ist mir nämlich wichtig: Pro-aktives Informieren über ein- und ausgehende Buchungen. Auswertungen brauche ich nicht, da sie meist völlig nichtssagend sind. Gefallen hat mir bei Outbank die Finanzübersicht, eine Art Übersicht über die monatlichen Fixkosten.

Banking App Outbank: Der König ist tot. Lang lebe der König
Photo credit: Joachim S. Müller via VisualHunt

Rafael:

  • Ich war noch nie Outbank Nutzer und hab bis dato auch keine Multi-Banking App gefunden, die mich überzeugt hätte. Ich bin der klassische Online-Bänker und mache eigentlich alles auf dem Laptop (und ärger mich wenn bestimmte use cases in den “pseudo” mobilen Apps nicht existieren).
    Leider sind selbst einige der mobilen Apps so nervig und verspielt, dass ich vor lauter Animations-Hölle lieber meinen Laptop aufklappe.Meine Finanzübersicht halte ich tatsächlich nur über die unterschiedlichen Webportale weil es bisher keiner richtig geschafft hat, auch wirklich JEDES Instrument zu vereinigen – respektive mein Geduldsfaden meist schon beim ersten Import überstrapaziert war.Wenn es sowas in gut und einfach geben würde, wäre ich ja tatsächlich dabei und würde vermutlich sogar auch für Insights zahlen. Aber ich kenne mich und meinen Anspruch – der arme Mensch der probiert dieses Produkt gut genug für mich zu machen.

Kilian:

  • Multibanking Apps haben mich bis dato nicht überzeugt. daher habe ich einen Wildwuchs von Banking & Kreditkarten Apps (DKB, Postbank, DeuBa, Amex, Fidor., Revolut, Curve…). Der Use Case einer Banking App ist für mich auch sehr simpel. Kontostand anschauen und 2- Faktor Bestätigung (meist ja eine separate App). Klar wäre die Sicht auf alle Finanzquellen schön und ein einfaches automatisiertes Ausgleichen (regelbasiert) zwischen den Konten, auch. Letzteres geht noch nicht (nicht technisch, eher aus Produktsicht), für Ersteres war ich zu faul :-). Was mich überzeugen würde, ist eine wirkliche Gesamtsicht über alle Finanzen… inkl. Anlage, Aktiendepot etc. Da ist die Hürde – “bekomm mal alle Daten hinein”, da brauchen wir mal lange sibirische Winter. Soweit mein “Wunsch”, dafür würde ich auch monatlich zahlen. Aber ehrlich gesagt ist mein Leidensdruck hier nicht so hoch, als dass ich alles was es so gibt am Markt ausprobieren möchte. Banking ist doch Commodity und nicht Frontend (für mich).
Banking App Outbank: Der König ist tot. Lang lebe der König
Photo credit: ZΞITMACHΞR via Visualhunt / CC BY-NC-ND

Jochen:

  • Ich bin Payment Nerd und kein Banking App Nerd wie Maik oder André. Als Early Adopter war ich dennoch früh ein Nutzer von Mobile Banking und somit von Outbank. Irgendwann nutzte ich Andrés figo-App, vor dem figo Pivot zum B2B Anbieter. Ich war von den Push-Nachrichten begeistert. Mit dem plötzlichen Ende von figo wechselte ich zur normalen App meiner Direktbank. Deren Features reichen mir völlig aus: Kontostand, Umsätze und Rechnungsbezahlung per Scan. Outbank war zwar noch lange auf meinem Device, vor allem wegen der alten Daten. Bei irgendeinem Devicewechsel habe ich es irgendwann einfach nicht mehr mitgenommen/installiert.Ich bin ein wenig wehmütig vom Outbank-Ende zu erfahren und ich finde es sehr schade, vor allem auch für das betroffene Team. Aber ich habe mich als Nutzer schon längst weiter bewegt. Während wir über die Insolvenz von Outbank sprechen, kam heute die Pressemitteilung der Deutschen Bank, daß mehr Zugriffe auf das Banking via App statt von Rechner/Browser statt finden. Mobile Banking ist nichts mehr für Early Adopter, sondern Massenmarkt geworden. Wenn Banken ihre Apps kostenfrei zur Verfügung stellen, ist eine Businessgrundlage für unabhängige Standalone-Anbieter wie Outbank, oder Centralway Numbrs natürlich extrem schwer bis unmöglich. Sie befinden sich in einem Dilemma: Die Apps der Banken werden von den Bankprodukten (vor allem Girokonto) querfinanziert und müssen keinen eigenständigen Business Case haben. Innovationen mit denen unabhängige Anbieter wie Outbank die Nase vorn haben und eine Zahlungsbereitschaft bei Kunden generieren, können bei Erfolg von den Banken einfach kopiert und übernommen werden. Outbank ist somit leider ein Opfer des Innovator’s Dilemma.

Fazit

Frag fünf Leute und Du bekommst fünf Meinungen. So auch bei dem Thema. Interessant ist aber, dass es die “eine” Killer-Apllikation im Banking noch nicht gibt. Wie seht Ihr das? Was nutzt ihr für Apps beim Banking?

Nicole Nitsche

Nicole Nitsche

Online-Redakteurin bei PBA Experts GmbH
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4 Comments

  1. Kommen die mehr Zugriffe per App im Fall der Deutschen Bank daher, dass da der Server im Minutentakt nach neuen Umsätzen schaut oder sind es wirklich menschliche User?

  2. Ich denke, dass die Bank auch immer mehr solche Apps anbieten werden.
    Die Deutsche Bank, Consorsbank und die Comdirect sind nur der Anfang. Sofern die Schnittstellen per PSD2 geöffnet werden, wird hier noch ein Ausbau stattfinden, denn dann hat eine Bank oder ein AISP die Chance ein komplettes Dashboard für den Kunden zu erstellen und alle Umsätze auszuwerten. Denn per Screen-Scraping sind noch immer nicht alle Online-Banken „erreichbar“.

  3. Ich nutze schon lange Outbank und war immer positiv angetan. Tut was es soll, zeigt eine gute Zusammenfassung und funktioniert mit meinen Karten und Konten. Eine der wenigen Apps bei der ich bereit wäre für Neuerungen zu zahlen. Wäre sehr schade wenn sie verschwindet. Im Gegensatz zu den Apps der Banken, die sind mir noch zu einseitig und sind dank der unterschiedlichen Oberflächen und Handhabung mir auch zu umständlich.

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