Auslandsüberweisungen und Remissen kosten die Absender viel Geld, weil Banken ihre Gebühren selbst festlegen können. Und für Menschen mit wenig Geld oder ohne Zugang zu Konten haben, ist das schlichtweg ein Problem. Wäre das nicht eine Marktlücke für Fintechs, die den etablierten Anbietern wie MoneyGram oder Western Union etwas entgegensetzen? Diese stehen seit Jahren in der Kritik.

Wer eine Rechnung aus dem europäischen Ausland bezahlen muss, hat je nach Währung und Betrag mit hohen Zusatzgebühren zu rechnen. Ein Beispiel: Für einen Handelsregisterauszug aus der Schweiz werden 40 Schweizer Franken fällig. Die eigene (deutsche, nicht Deutsche) Bank rechnet den Betrag zunächst in 37,05 Euro um, den sie ordnungsgemäß in die Schweiz überweist. Und dann schlägt sie 50 Euro an Gebühren für ihre Leistung drauf. Die setzen sich zusammen aus je 17,50 Euro Provision und Auslandsspesen sowie 15 Euro Expresszuschlag. Am Ende sind die Gebühren höher als der eigentliche Rechnungsbetrag.

Preisgestaltung ist individuelle Entscheidung

Geht das nicht billiger? Was machen Menschen, die regelmäßig Geld ins Ausland überweisen müssen, um die Familie zu unterstützen etwa? Was ist mit denen, die gar kein Bankkonto haben und generell geringe Mittel?

Die erste Frage lässt sich schnell klären: Zumindest bei Banken und Kreditinstituten geht das nicht unbedingt billiger. Innerhalb der Euro-Wirtschaftszone darf ein Geldtransfer zwar nicht teurer sein als eine Inlandsüberweisung. Sobald der Überweisungsbetrag aber in einer anderen Währung als Euro gezahlt wird, werden Gebühren fällig.

Beim Bundesverband deutscher Banken heißt es, die Preisgestaltung für Dienstleistungen liege „in der individuellen Entscheidung eines jeden Kreditinstituts, auch in Abhängigkeit von dem eigenen Geschäftsmodell.“ So seien die Stückzahlen vergleichsweise geringer als Euro-Zahlungen im SEPA-Raum – „wie häufig werden beispielsweise Zahlungen in Australische Dollar durchgeführt?“, merkt Bankenverband-Sprecherin Tanja Beller an. Dahinter stehe eine vergleichsweise lange Abwicklungskette mit vielen Beteiligten. „Zudem können Währungsumrechnungen in Abhängigkeit der jeweiligen Währung und Beteiligten deutlich unterschiedliche Kosten verursachen.“

Entgelte sind wettbewerbsrechtlich erforderlich

Ein weiterer wesentlicher Kostentreiber seien die komplexeren und weltweit teils unterschiedlichen Anforderungen aus dem Compliance-Bereich. „Banken und ihre Dienstleister arbeiten weltweit daran, die Effizienz im Auslandszahlungsverkehr weiter zu steigern“, sagt Beller und verweist auf die Modernisierungsinitiativen von SWIFT.

Auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband weist auf die individuellen Entgelte hin, das sei wettbewerbsrechtlich so gewollt und erforderlich. Was im SEPA-Raum abgewickelt werde, sei ein effizienter Massenzahlungsverkehr und daher kostengünstig. Auslandsüberweisungen dagegen seien Individualzahlungen mit geringerem Stückaufkommen, zumal je nach Währung auch außereuropäische Dienstleister eingebunden werden müssten. Großbanken haben eher auch im Ausland Filialen, Sparkassen und kleinere Banken dagegen nicht.

Fintechs für Auslandsüberweisungen

Die teure Bankenleistung lockt allerdings auch nicht mehr Kunden an, so dass sich die Stückzahlen der Auslandsüberweisungen erhöhen könnte. Eigentlich wäre dies ein guter Ansatz für Fintechs, um sich gegen die etablierten Anbieter zu positionieren. Diese Konkurrenz gibt es in Form von Wise (ehemals TransferWise), World Remit, Revolut und Azimo. Auch per PayPal sind Überweisungen in fremder Währung möglich.

„Wise etwa arbeitet mit Echtzeit-Wechselkursen und begann mit einem Peer-to-Peer-Konzept, um die Kosten für Auslandsüberweisungen gering zu halten. Mit Erfolg: Das britische Unternehmen war sieben Jahre nach seiner Gründung 2010 profitabel und hat 2020 einen sehr erfolgreichen Börsengang hingelegt, den wohl größten an der Londoner Börse. Inzwischen gibt es auch Multiwährungskonten, mit denen der Inhaber über Guthaben in mehreren Währungen verfügen kann. Und einen Peer auf der anderen Seite braucht es aufgrund der hohen Summen, in inzwischen über Wise versendet werden, auch nicht mehr.“ 

Unbanked people kaum Zugang zu Zahlungsverkehr

Fakt ist: Der Bedarf ist da. Allein 2021 wurden 589 Milliarden US-Dollar von Migranten in ihre Heimatländer mit geringem oder mittlerem Einkommen überwiesen – sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Vor 20 Jahren waren es nur 100 Milliarden US-Dollar. Für 2022 rechnet die Weltbank mit weiterem Wachstum. Dafür ist es aber erforderlich, Migranten schnelleren Zugang zu Banken- oder Transaktionskonten zu verschaffen. Dieser Prozess wird jedoch behindert durch Anti-Geldwäsche-Regularien und solche zur Bekämpfung von Terrorismusfinanzierung.

Doch neben den jungen Unternehmen gibt es zwei weitere langjährige Player, die zwar ebenfalls immer wieder wegen teils hoher Gebühren kritisiert werden: Western Union und MoneyGram. Aber sie haben eine Infrastruktur, die selbst für Kunden ohne Konto- und Digitalzugang nutzbar ist – weltweit gelten 1,7 Milliarden Erwachsene als „unbanked people“, zeigen Zahlen der Weltbank aus 2017. Das dürfte auch eine wesentliche Erklärung dafür sein, warum Online-Zahlungsdienstleister wie PayPal und Wise zwar eine gute Konkurrenz sind, aber die etablierten Anbieter stark bleiben.

Western Union und MoneyGram seit Jahren in der Kritik

Western Union etwa, 1851 in den USA gegründet, hat weltweit in 200 Ländern rund 600.000 Standorte inklusive Agenten in Handyshops, Internetcafés und Kiosken. In Deutschland finden sich diese meist in Flughäfen und Bahnhöfen; vor allem die Postbanken sowie die Reisebank, eine Tochter der DZ-Bank in Frankfurt/Main bieten Geldtransfers mittels Western Union an. Kunden können ihr Geld in bar oder online auf den Weg schicken. Je nach Empfängerland kann der eigentliche Transfer Minuten oder Tage dauern.

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Ist das Geld angekommen, kann der Empfänger den Betrag abholen oder bekommt ihn auf sein Konto überwiesen. Beide Seiten müssen einen Ausweis oder Reisepass vorlegen: Western Union wird seit Jahrzehnten für Geldwäsche oder von Internetbetrügern genutzt und gerät deswegen immer wieder in die Kritik.

Das US-Unternehmen erhebt pro Transaktion Gebühren und erklärt auf seiner Webseite in einer Fußnote: „Western Union verdient auch an den Wechselkursen.“ Das kann teuer werden, insbesondere bei Menschen, die ohnehin nicht viel verdienen. Wenn man die Webseite von einem deutschen Standort aus aufruft und den Bereich „Geld senden“ ansteuert, werden die häufigsten Empfängerländer angezeigt: Philippinen, Thailand, Russland, Türkei und Deutschland. Denn diejenigen, die Western Union nach wie vor am häufigsten nutzen, sind Arbeitsmigranten in der EU.

Moneygrams Angebot ähnelt dem von Western Union, auch die Gebühren sind ähnlich hoch. Vergleichen lassen sich letztere aber über die Webseite Geldtransfair.de. Sie wurde 2010 ins Leben gerufen, gestützt vom Bundesentwicklungsministerium und anderen Partnern. Wer 500 Euro nach Afghanistan überweisen will, kann sich die Gebühren von mehreren Anbietern automatisiert errechnen lassen, je nach Land, nach Geschwindigkeit der Ausführung und der Zahlungsart (Bankkonto zu Bankkonto, zu Bargeld, zu Handy). Die Extrakosten, die sich aus der Wechselkursdifferenz und der Transfergebühr zusammensetzen, schwanken zwischen 18,04 Euro und 72,65 Euro. Diesen Service gibt es allerdings nur für 25 Länder und 20 Anbieter.

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