Acquirer – was’n das?

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Heute erklären wir, in unterschiedlichen Meinungen den Begriff: Acquirer

Schweres Wort und für Nicht-Angelsachsen eine Zungenbrechergarantie. Doch nebst Phonetik, was bedeutet eigentlich der Begriff Acquirer?

Möchte ein Online-Händler im E-Commerce für seine Kunden Kreditkartenzahlung im Shop anbieten, so benötigt er einen sogenannten Acquirer bzw. eine Acquirer Bank. Es geht also um Vertragspartner und Akzeptanz, aber was heißt das genau?

Unsere Experten versuchen bei was’n das eine individuelle Definition…

 Acquirer - was'n das?Kilian:

Der Anbieter einer Zahlart gegenüber einem Händler im regulatorischen Sinne, d.h. jeder der Akzeptanzen für Zahlarten an Händler direkt vergibt (z.B. auch PayPal, Alipay, Twint etc.). Entstanden ist der Begriff aus dem 4 Party Scheme von Visa – Mastercard. Er wird nun teilweise auch im Alternatives Bereich verwendet. Der Acquirer trägt i.d.R. das “Händlerrisiko” (v.a. Insolvenz, aber auch Merchantfraud) im Gegensatz dazu ist der Issuer/Herausgeber die Schnittstelle zum (End-)kunden.
Im Wort Acquiring steckt auch Akquise, also verkaufen. Hier im Sinne von “Finden von Akzeptanzpartnern für das Zahlungsmittel”

Jochen:

Der Acquirer ist die Händlerbank im Vier-Parteien-System von Mastercard und Visa. Soweit so gut, aber die Welt im Payment hat sich auch weiter gedreht. Würde man böse sticheln, kann man auch sagen der Acquirer ist ein völlig austauschbarer Dienstleister hinter dem Payment Service Provider (PSP), der im Wettbewerb mehr oder weniger identische Dienstleistung erbringt und sich nur im Preis von anderen Acquirern unterscheidet. Aus diesem Grund haben sich PSPs Acquiring-Lizenzen von den Card Schemes besorgt und Acquirer haben PSPs übernommen um eine höhere Wertschöpfung beim Händler zu erreichen.

Rafael:

Die nicht nette Antwort – überflüssig. Acquirer sind dem Umstand geschuldet, dass die Kreditkarten Schemes keine “Lust” hatten sich direkt mit Händlern rumzuschlagen. Der Acquirer oder die Acquiring Bank sorgt dafür, dass das Geschäftsmodell für die Visa’s und Mastercard’s dieser Welt ein übersichtlicher B2B Play ist und nicht in einen Long-tail Albtraum ausartet. Der nette kleine Nebeneffekt dort eine Bank dazwischen zu schalten, sichert die Schemes vor dem sog. Händler-Ausfallrisiko ab, weil in Theorie eine lokale Acquiring Bank natürlich ihre Händler besser kennt und diese von einem Risiko Standpunkt auch besser einschätzen kann. Für die Übernahme dieses Risiko’s erhält der Acquirer eine gewisse Marge von den Schemes.

In einigen Märkten (insbesondere im emerging Market) gab es üblicherweise genau eine Acquiring Bank pro Scheme – also eine für Mastercard und eine für Visa. Die am Ende des Tages also als Proxy agierten. In Europa hingegen sind diese Strukturen (unsinnigerweise?) deutlich kleinteiliger (daher die schnippische Bemerkung am Anfang). Da im Laufe der Zeit der Longtail von Händlern immer länger und länger wurden, haben Visa und Mastercard (stellvertretend für alle Schemes) noch eine weitere Stufe zur Aggregation vor die Acquirer geschaltet, damit die Acquiring Banken etwas entlastet werden können. Das beste Beispiel für solche Aggregatoren ist Stripe – welches sich z.B. auch um Micro-Merchants kümmert, mit denen kein Acquirer sich rumschlagen will.

Acquirer - was'n das?

Maik:

Das was die anderen sagen. Oder kurz: Der Acquirer ist das Kreditinstitut, welches die Kartenzahlungen für Händler abrechnet. Damit eine Kartenzahlung funktioniert sind fünf (ist Trümpf) Parteien involviert:

  • Issuer: Die Bank welche die Karte (meist aus Plastik) herausgibt
  • Netzbetreiber: Die Jungs, die das Terminal stellen und wo man die Karte rein stecken kann (ins Terminal, NICHT in den Netzbetreiber); im Online Umfeld PSP
  • Vertragspartner: Oder auch “der Händler”. Das ist der, der Kartenzahlung akzeptiert
  • Karteninhaber: Ich und Du. Müllers Kuh…
  • Acquirer: Hatten wir schon

Miriam:

Ein Acquirer, ist ein (Kredit)-Karten Transaktionsabwickler und Verrechner. Ein Acquirer wird auch Händlerbank genannt und ist ein Unternehmen, das die Händler als Vertragspartner für Kreditkartenzahlungen betreut und Akzeptanzverträge für die Kreditkartenorganisationen (z.B. MasterCard, Visa, oder Diners) abschließt. Der Acquirer rechnet, die von den Händlern eingereichten Transaktionen der Käufers ab und zahlt den Händlern diese Umsätze aus. Die Gebühr, die ein Acquirer für seinen Service nimmt , ist ein prozentualer Anteil des abzurechnenden Umsatzes (Disagio). Das Disagio beinhaltet auch die sogenannten Interchange-Gebühren für den Issuer.

André:

Alles gesagt. Eine eher technische Bank im 4 Parteien System von Visa und MasterCard. Inzwischen aber auch generischer genutzt zum Beispiel bei Zahlverfahren wie giropay.
Daher abstrakter gesagt, der kaufmännische Partner für E-Commerce Merchants. Parallel gab und gibt es immer den eher technischeren Partner, den ‚payment service provider‘. Diese beiden Rollen werden aber vermehrt zusammengeführt, wie wir es gerade bei BSPayone sehen.

 

Update:

Gastkommentar von Dr. Matthias Terlau von Osborne Clarke via Xing, den wir gerne hier der breiteren Leserschaft zugängig machen möchten:

PSD2 (also ab 13.1.2018 auch in D): Acquirer ist einer, der folgendes macht: Ein Unternehmen, das den Transfer von Geldbeträgen zum Zahlungsempfänger (=Merchant) bewirkt und dies erfolgt auf der Grundlage eines Vertrages zwischen Acquirer und Zahlungsempfänger. Zukünftig also nicht nur Abwicklung von Kreditkartenzahlungen, sondern aller Zahlungen. Jetzt könnt Ihr loslegen zu interpretieren, wer da wohl alles drunter fällt und damit eine BaFin-Erlaubnis braucht. Trost: Es gibt noch die Ausnahme für technische Dienstleister, die das Geld nicht „in die Hand bekommen“. Viele Grüße Matthias

 

Acquirer - was'n das?

Nicole Nitsche

Nicole Nitsche

Online-Redakteurin bei PBA Experts GmbH
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