Wird finanzblick mein Evernote für Personal Finance Management?


Evernote ist eines meiner liebsten Tools im Alltag. Und das schöne daran ist, dass ich nicht sagen muss wo und auf welchem Device ich es nutze, sondern ich kann es einfach überall nutzen. Ob als Mobile-App, Browser-App, installierter Client oder Browser-Erweiterung.

Genau so etwas wünsche ich mir auch von einem Tool, mit dem ich meine Finanzen und alles was damit zusammenhängt managen kann. Vielleicht sind meine Anforderungen ein bisschen größer als die des Durchschnitt, aber ich habe nun mal mehr als ein Konto und dies auch bei unterschiedlichen Banken und Anbietern. Und wenn man die verschiedenen eCommerce Accounts wie PayPal, Amazon oder eBay noch dazu nimmt, sind es noch mehr.

Das in den letzten Tagen vorgestellte finanzblick hd hat in Zusammenspiel mit den angekündigten Lösungen für das iPhone und den Web-Browser das Potential zu einer solchen Lösung.

Bisher sind die angebotenen Lösungen die ich in Deutschland kenne reine Datensilos – ich habe eine Lösung auf dem iPhone (S-Banking), eine App auf dem Mac (moneymoney) und hin und wieder schaue ich auch auf die Internetseiten (apobank, Sparkasse, Netbank, 1822direct) meiner Banken.
Konsistente Daten über alle genutzten Geräte sind dabei nicht vorhanden und vor allem die durch Kategorien oder hinterlegte Kaufbelege veredelten Daten sind immer in einem Silo gefangen und zudem sicher gerade nicht auf dem Device vorhanden, auf dem ich gerade danach suche.

Das diese Datensilos nicht sein müssen, beweisen uns Dienste wie Evernote oder auch Google Docs nun schon seit längerer Zeit.

Vertraue ich also nun in Zukunft alle meine Finanzdaten den Betreibern von finanzblick an?

Dazu ein paar Gedanken zum Betreiber und dem möglichen Business-Modell:
Hinter finanzblick steckt die Firma Buhl die seit Jahren das erfolgreiche PFM-Tool WISO mein Geld und weitere Finanzprodukte anbietet (http://www.buhl.de). Keine schlechte Ausgangslage, aber wer das bisherige Gechäftsmodell von Buhl kennt, wird hier ggf. ein wenig hellhörig. Bisher verdient Buhl sein Geld mit regelmässigen Updates für die Software WISO mein Geld. finanzblick soll laut der Webseite higegen als Webdienst kostenlos sein (iPad App kostet zur Zeit 4,99 €). Welche Einnahmequellen ergeben sich also neben dem App-Verkauf noch?
Die gut gemachte automatische Kategorisierung der Kontoumsätze bietet die beste Möglichkeit individuelle Werbung und Empfehlungen zu platzieren. Additiv oder anstatt könnten je nach Finanzsituation passende Finanzprodukte angeboten werden – damit wäre finanzblick auf den Spuren von mint.com, die in den USA sehr erfolgreich sind, deren Copy in Deutschland mit kontoblick.de aber gescheitert zu sein scheint.

Vertraue ich also finanzblick und damit der Firma Buhl meinen Daten an oder gibt es andere Anbieter von denen ich mir eine solche Lösung noch lieber wünschte?

Potentiell kommen aus meiner Sicht folgenden weiteren Player für ein solches Angebot in Frage:
– Banken oder Sparkassen
– Telkos
– andere Softwarehersteller von Personal Finance Management Lösungen

Sowohl Banken als auch Telkos haben bereits ihre Erfahrungen in diesem Umfeld gemacht. Für die Banken hat die Deutsche Bank 24 mit Moneyshelf im Jahr 2001 viel Lehrgeld zahlen müssen und das Angebot nach kurzer Zeit auf Druck der anderen Banken wieder einstellen müssen. T-Online hingegen betreibt seit der Abschaltung von Btx ein eigenes Web-Banking Portal für Telekom-Kunden – ein großer Erfolg scheint dies allerdings nicht zu sein, sondern eher ein historischer Überbleibsel aus der Btx-Zeit.
Bei anderen Softwarehersteller fallen mir die typischen Wettbewerber von Buhl ein und zudem die neuen Player die aus der mobilen Welt kommen – also Star Finanz mit StarMoney, Haufe mit Quicken (deren amerikanische Mutter intuit bereits mint.com gekauft hat) oder StoegerIT mit Outbank.

Wem also würde ich am liebsten meine persönlichen Finanzdaten anvertrauen?

Ich glaube am liebsten weiter einer meiner Banken, aber wenn der Service richtig gut ist, die Sicherheit adäquat ist, auch jedem anderen oben genannten – dabei wäre es mir dann auch egal ob es ein faires Premium-Preismodell gibt (ein Preis für alle Devices bitte!) oder die Lösung durch Werbung finanziert wird.
Einzig die Vermittlug von Finanzprodukten auf Basis meiner Daten wäre mir persönlich weniger lieb.

Um so länger ich über das Thema nachdenke, um so mehr freue ich mich darauf, dass hier mit finanzblick einer den ersten Schritt gemacht hat. Ich hoffe und bin sicher, dass der Wettbewerb im Sinne des Kunden tolle Lösungen entstehen lässt – in diese Lösungen sollten dann auch weitere heutige Daten aus anderen Silos wie Versicherungs-Apps oder Beleg-Apps wie Lemon oder Resposito integriert werden.

Hier ist viel Luft und Bedarf für Innovationen.

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