Was macht eigentlich…Finnest?

Als Team von Payment & Banking versuchen wir, einen kontinuierlichen Überblick über die Branche zu behalten und berichten über kleine wie große Fintechs und Insurtechs, über etablierten Banken ebenso wie über Neo-Banken, über digitale Strategien, über große Investitionen nationaler und internationaler Geldgeber, schreiben über Exits und liefern Analysen zu aktuellen Themen.

Manche Unternehmen erscheinen dabei häufiger in der Berichterstattung als andere. Das wollen wir ändern und starten mit „was macht eigentlich …“ eine neue Rubrik, in der wir den vielen tollen Unternehmen der Branche Aufmerksamkeit schenken werden, die einen hervorragenden Job machen, im täglichen Business aber manchmal ein wenig unter dem Radar bleiben. Wir wollen wissen, was die Gründer gerade umtreibt, was Stand der Stunde ist, welche Pläne aktuell verfolgt werden und womit uns das Unternehmen sogar bald überraschen wird.

In der aktuellen Ausgabe sprechen wir mit Günther Lindenlaub von der österreichischen Crowdinvesting-Plattform Finnest. Gegründet vor knapp sieben Jahren von einem Team aus Bank- und Internet-Experten, ist das Unternehmen auf Investments spezialisiert und unterstützt Partner-Firmen bei der Wachstums-finanzierung. Seit 2019 ist Finnest Teil der Invesdor Gruppe aus Finnland. Mit Finnest-CEO Günther Lindenlaub sprechen wir über Expansionspläne, Fehlschläge der Vergangenheit und den höheren Eigenkapitalbedarf vieler Unternehmen in Zeiten der Pandemie.

Hallo Finnest, wie geht es euch und was treibt euch aktuell um?

Vielen Dank, abgesehen von den Corona-Einschränkungen – die aber natürlich auch jeden Anderen treffen – geht es uns gut. Die digitale Finanzierung von Unternehmen findet ja glücklicherweise für alle Beteiligten, von den Emittenten bis zu den Investoren, via Computer statt, insofern sind wir im Vergleich zu „analogen“ Branchen in einer vergleichsweise kommoden Situation.

Erst vor kurzem haben wir mit der Bohlsener Mühle eine Crowdinvesting-Kampagne gelauncht, die fulminant gestartet ist: Innerhalb der ersten 48 Stunden sammelten wir über finnest.com eine Million Euro an Anlegergeldern ein.

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Günther Lindenlaub, Finnest-CEO

Vor Weihnachten haben wir zudem den ersten „Genussrechts-Deal“ abgeschlossen und damit einer deutschen GmbH auf digitalem Wege zu echtem Eigenkapital verholfen. Entsprechend motiviert sind wir schon bei der Planung der nächsten Projekte.

Als sich Finnest 2014 gründete, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Crowdinvesting für User überall in Europa möglich zu machen. Aktuell seid ihr jedoch erst in acht Märkten aktiv. Warum sind es bislang noch nicht mehr? Ist die Expansion schwerer als gedacht?

Die Kunst ist doch, seine Kapazitäten effizient einzusetzen und da haben wir uns vorerst auf die Märkte konzentriert, in denen wir auf die größte Nachfrage treffen – sowohl von Unternehmens- als auch von Investorenseite. Aber trotzdem: Seit Mai 2019 sind wir bereits über die Website www.invesdor.com in der Lage, Aktien und Anleihen in ganz Europa zu vertreiben. Und wir haben noch einiges vor in nächster Zeit.

Welchen Anteil hat Deutschland in euren unternehmerischen Überlegungen/Aktivitäten?

Deutschland ist mittlerweile der wichtigste Markt für uns, insbesondere wenn es um die Expansion geht. Deutsche Anleger sind auf der Suche nach Rendite in einem Niedrigzinsumfeld offen für innovative Anlageinstrumente, und immer mehr deutsche Unternehmen finden unseren Ansatz der Finanzierung attraktiv, lässt sich dieser doch auch für andere Zwecke, beispielsweise für das Marketing nutzen.

Was war der Grund, 2019 mit der finnischen Plattform Invesdor zu fusionieren und was hat sich seither für euch geändert?

Grundgedanke der Fusion ist die Idee, Investoren aus ganz Europa Anlagemöglichkeiten in starke und innovative mittelständische Unternehmen, die ja das Rückgrat unserer Volkswirtschaften sind, zu ermöglichen.

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Die Invesdor Group, zu der Finnest gehört, bietet Anlegern dabei die Wahl zwischen Eigen- und Fremdkapitalinvestitionen. Diese Anleger sollen ganz nach ihrem Geschmack und entsprechend ihrer Risikoausrichtung am Kapitalmarkt aktiv sein können – und zwar zeitgemäß auf digitalem Wege. 

Ihr positioniert euch als führende Plattform für erfolgreiche, mittelständische Unternehmen – hat sich die Suche nach Kapital der Unternehmen durch die Pandemie verstärkt?

Wir stellen schon einen erhöhten Finanzierungsbedarf der Unternehmen fest, vor allem eigenkapitalseitig. Um dem Rechnung zu tragen, haben wir wie schon erwähnt das altbekannte Genussrecht digitalisiert. Somit können auch GmbHs echtes Eigenkapital bekommen, ohne mühsame und teure Notariatsakte, Verwässerung der Gesellschafteranteiler oder Abgabe von Stimmrechte. Und die Investoren bekommen im Gegenzug einen Anteil am Gewinn und profitieren damit vom Wachstumspotential der Unternehmen.

Auffällig ist die Anzahl nachhaltiger (Bio-)Mittelständler, die über eure Plattform auf der Suche nach Investoren sind. Zufall oder künftige Unternehmensstrategie, nur noch solchen Unternehmen offen zu stehen?

Es ist nicht so, dass wir ausschließlich nachhaltige Unternehmen ansprechen würden. Die Vielzahl an Kampagnen solcher Anbieter auf finnest.com ist aber definitiv auch kein Zufall. Es hat sich vielmehr herauskristallisiert, dass diese Branche Innovation nicht nur im eigenen Geschäftsmodell lebt, sondern auch bei der Finanzierung schätzt. Zudem lässt sich mit einer Crowdinvesting-Kampagne eine besondere Kundennähe herstellen – und nachhaltig wirtschaftende Unternehmen haben nun auch einmal ein erhöhtes Interesse an einer nachhaltigen Kundenbeziehung. Und auch unsere Investorenbasis schätzt es, ihr Geld in nachhaltige Unternehmen anzulegen.

Was sind eure nächsten Ziele, worauf fokussiert ihr euch?

2021 ist es unser Ziel mittelständische Unternehmen dabei zu unterstützen aus der Krise mit positiver Energie und Kapital zu starten. Das wird uns dank der Unterstützung einer stark wachsenden Community gelingen. In diesem Zusammenhang werden wir unser Spektrum der Investition- und Finanzierungslösungen laufend erweitern. Lasst Euch überraschen – es wird ein tolles Jahr.

Welche Entscheidung ist für dich in der Rückschau die erfolgreichste gewesen und warum?

Finnest überhaupt zu gründen und die unflexiblen Strukturen einer Großbank zu verlassen, war die wohl beste Entscheidung. Wir haben im Bereich des Crowdinvesting mittlerweile eine starke Positionierung: Ein traditioneller Mittelständler, der über eine solche Form der Finanzierung nachdenkt, wird zwangsläufig auf uns aufmerksam.

„Die unflexiblen Strukturen einer Großbank zu verlassen, war die wohl beste Entscheidung.

Zudem sind wir seit der Fusion mit Invesdor.com zur Invesdor Group Europas Marktführer bei digitalen Finanzierungen mittelständischer Top-Unternehmen und zeichnen für Finanzierungen von über 200 Millionen Euro verantwortlich.

Dieses Standing und diese Volumina erreicht zu haben, halten wir für einen großen Erfolg. Trotzdem ist das für uns erst der Anfang – wir sind überzeugt davon, dass diese Investitions- und Finanzierungsform ein immenses Potential hat.

Was waren die größten Fehlschläge? Was würdet ihr heute anders machen?

Naja, in der Gründungs- und Startup-Phase würde ich rückblickend einiges anders machen, aber das ist eine ganz andere und längere Geschichte. Jetzt haben wir ein tolles Team und zufriedene Kunden – und damit sind die „Geburtsschmerzen“ vergessen.

Autor
Die studierte Soziologin und Medienwissenschaftlerin beobachtet, analysiert und schreibt als Journalistin seit vielen Jahren über die Startup- und Fintechszene. In der Vergangenheit arbeitete sie für führende on- und offline für Gründer- und Wirtschaftsmedien im In- und Ausland, moderiert, schrieb mit... mehr
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