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# Warum Lagarde bei Binance nur Glück hatte
- URL: https://paymentandbanking.com/warum-lagarde-bei-binance-nur-gluck-hatte/
- Published: 2026-11-03T06:01:37.000Z
- Updated: 2026-11-03T06:01:37.000Z
- Description: Die scheidende EZB-Chefin soll interveniert haben, damit Binance die EU verlässt. Der Krypto-Hack bestätigt zwar Lagarde mutmaßliches Einschreiten – zeigt aber, dass Aufsicht und Regulierung in der EU zu schwach sind. Ein Kommentar.
- Author: Lukas Homrich
- Tags: Krypto

Anfang Juni klingelte das Telefon des griechischen Premierminister Kyriakos Mitsotakis. Am anderen Ende der Leitung sprach offenbar EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Ihr Thema: Binance. Die größte Krypto-Börse der Welt hatte sich ein paar Monate zuvor bei der griechischen Finanzaufsicht HCMC um eine Lizenz nach der europäischen Krypto-Verordnung (Micar) beworben. Für Binance war es die letzte Chance, vor dem Ablauf der Schonfrist Ende Juni eine zu erhalten. Laut [Recherchen](https://www.wsj.com/finance/currencies/christine-lagarde-helped-block-binances-foothold-in-europe-d905c86d?ref=paymentandbanking.com) des Wall-Street-Journals drängte Lagarde bei Mitsotakis darauf, die Lizenzvergabe zu stoppen.

Anscheinend hatte sie damit Erfolg, und das obwohl die griechische Aufsicht Ende Mai bereits signalisiert hatte, dass einer Lizenz nichts mehr im Weg stehe. Sogar ein Fototermin zwischen dem Binance-CEO Richard Teng und dem griechischen Premier Mitsotakis in Athen sei der Recherche zufolge schon ausgemacht gewesen. Binance hatte sich demnach auf die Griechen verlassen, bevor ihnen Lagarde in die Parade fuhr. Sowohl die griechische Aufsicht als auch die EZB bestreiten diese Darstellung. Fest steht jedoch, dass die Aufsicht Binance urplötzlich nahelegte, dass sie keine Lizenz bekommen würden. Ohne eine Alternative, in der EU noch rechtzeitig an eine Lizenz zu kommen, verstrich die Frist und Binance musste seine Geschäfte in der EU einstellen . 

## **Lagarde beweist richtigen Riecher**

Abseits der Kryptoszene sorgte das EU-Aus von Binance für wenig Aufsehen. Doch mittlerweile ist Binance den meisten durch einen anderen Fall bekannt geworden. Denn in der vergangenen Woche wurde die [Börse Opfer des bisher größten Krypto-Hacks der Geschichte](https://www.trmlabs.com/resources/blog/north-korea-steals-usd-6-36-billion-from-binance-in-the-largest-hack-in-history?ref=paymentandbanking.com). Der Schaden liegt mutmaßlich bei 6,3 Milliarden US-Dollar oder umgerechnet etwa 5,6 Milliarden Euro. Dass der Raub nur ein paar Monate auf den Micar-Rauswurf von Binance folgt, ist dabei reiner Zufall. Wer nun das strenge Aufsichtsregime in der EU feiert, liegt falsch.

Denn die Gründe für Lagardes Einschreiten liegen wohl eher in der kriminellen Vergangenheit der Krypto-Börse: Deren Gründer Changpeng Zhao, kurz „CZ”, wurde 2023 in den USA wegen Geldwäsche verurteilt und musste für vier Monate ins Gefängnis. Obwohl er 2025 von US-Präsident Donald Trump begnadigt wurde und seinen Posten als CEO aufgab, war das wohl für Lagarde Anlass genug, sich gegen eine Lizenzierung der Börse einzusetzen. 

Ob die vergangenen Krypto-Hacks bei Binance 2019 und 2022 auch eine Rolle spielten, lässt sich nicht sagen. Doch wie sich nun herausstellt, könnte Lagarde dabei zumindest den richtigen Riecher bewiesen haben. Zwar ist Binance nun Opfer eines Hacks geworden, doch die Sicherheitslücken, die durch den Vorfall zutage treten, bestätigen den Rausschmiss nachträglich. 

## **Binance-Aus ist kein Erfolg für Micar und die Aufseher**

Trotzdem ist der Vorgang weder ein Ruhmesblatt für die europäischen Finanzaufsichten, noch für Micar. Denn die griechischen Regulierer waren bis zu Lagardes angeblichen Einschreiten offenbar bereit, der Skandalbörse eine europäische Lizenz zu erteilen. Zudem haben sich am Ende mit dem griechischen Premierminister und Lagarde den Recherchen zufolge zwei Personen in einen Prozess eingemischt, der eigentlich von einer unabhängigen Behörde nach festen Kriterien entschieden werden sollte. Auch Christine Lagarde ist eigentlich für andere Dinge zuständig, primär für die Geldpolitik der Eurozone und die Überwachung von Systemrisiken, nicht jedoch für die direkte operative Finanzaufsicht einzelner Akteure. 

Der Vorgang zeigt, dass die Micar-Regulierung ohne politische Intervention nicht automatisch für einen sicheren europäischen Kryptomarkt sorgt. Es ist sogar noch schlimmer. Denn Binance bedient aktuell auch ohne Genehmigung Kunden in vielen EU-Ländern und beruft sich dabei auf eine Ausnahme der Micar-Regulierung. Die sogenannte „Reverse Solicitation” erlaubt es Dienstleistern, EU-Kunden in Ausnahmefällen auch ohne Lizenz zu bedienen, wenn diese das ausdrücklich wünschen und der Krypto-Dienst seine Leistungen nicht bewirbt. Erst vor kurzem hat die europäische Finanzmarktaufsichtsbehörde Esma Binance damit konfrontiert – obwohl dies schon lange bekannt ist. Konsequenzen gab es seitdem offenbar noch keine. Das Micar-Aus von Binance ist also vorerst nur ein Papiertiger.