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# „Nach der Insolvenz haben sich für mich Türen geöffnet“
- URL: https://paymentandbanking.com/nach-der-insolvenz-haben-sich-fur-mich-turen-geoffnet/
- Published: 2026-10-01T06:40:42.000Z
- Updated: 2026-10-01T06:42:10.000Z
- Description: Sven Gruhl war einer der ersten Mitarbeiter bei eBay und PayPal in Deutschland. Als VP Sales DACH & CEE beim Zahlungsabwickler Nuvei möchte er nun in Mittel- und Osteuropa durchstarten.
- Author: Team
- Tags: Leute

Vom Fußball-Start-up über die Anfänge des deutschen E-Commerce bis in die internationale Payment-Welt: Svens Karriere verlief selten nach Plan, aber immer mit Neugier auf das nächste Kapitel. Im Interview erzählt er, warum er selbst eine gescheiterte Start-up-Station nicht bereut, was gute Führung für ihn ausmacht und weshalb er auch privat gerne mal aufs Tempo drückt – auf seiner 200-PS-Maschine.

## ***Wer bist Du und was machst Du?***

Ich bin Sven Gruhl, verheiratet, habe drei Kinder und „Ick bin Berliner!“ Als gelernter Werbekaufmann und Diplom-Kommunikationswirt bin ich seit über 25 Jahren im E-Commerce unterwegs – stets mit Schwerpunkt Vertrieb – davon mehr als 15 Jahre im Payment- und bei Fintechs. Als Mitarbeiter Nummer 24 bei ebay Deutschland hatte ich fünf Jahre und anschließend als Mitarbeiter Nummer 20 bei PayPal Deutschland zehn Jahre lang das Privileg, Teil von zwei Erfolgsgeschichten sein zu dürfen.

Nach PayPal ging meine berufliche Reise bei Payment-Anbietern, wie PayU, Mollie und Billie weiter, bevor ich Anfang August 2026 bei Nuvei, einem der größten globalen Payment Service Provider, einstieg. Hier leite ich als VP Sales die Regionen DACH & CEE. Meine erste Priorität liegt darin, ein schlagkräftiges Vertriebsteam, vor allem in DACH, aufzubauen.

## ***Du hast 60 Sekunden im Aufzug mit dem wichtigsten Menschen deiner Karriere. Was sagst du und wer ist das?***

Ich finde die Formulierung „wichtigster Mensch deiner Karriere“ sehr schwierig. Es gab viele Menschen, die wichtig waren und meine Karriere beeinflusst haben. Wichtig, vor allem in der Hinsicht, dass sie mich gefördert haben, ich sehr viel von ihnen lernen konnte, sie immer ein offenes Ohr hatten und immer an meiner Seite standen, wenn ich guten Rat brauchte. Eine dieser Personen war sicherlich Stephanie Caspar für mich als sie damals bei ebay meine Vorgesetzte war. Ich würde sie auch nach mittlerweile mehr als zwei Dutzend weiteren direkten Vorgesetzten als eine meiner Top3 People Manager sehen. Wenn ich sie im Aufzug treffen würde, wären 60 Sekunden sehr wenig Zeit für die Jahre, die wir uns nicht mehr gesehen oder gesprochen haben. Aber, wahrscheinlich würde ich ihr genau das mitteilen, denn, ich hatte nie die Möglichkeit, ihr für die tolle, unvergessliche Zeit zu danken, in der sie eine echte People Managerin war, zugehört hat, Vertrauen und Verständnis hatte, mir Dinge erklärt, mich geführt hat und mich hat wachsen lassen.

## *Die wenigsten träumen als Kind davon, in Payment oder Banking zu landen. Erzähl uns deinen Weg – inklusive der Umwege.*

Es dauerte sieben Berufsjahre, bis ich im Payment landete. Der Weg wurde im Grunde genommen in Ingolstadt geebnet. Ich schrieb für und bei der Audi meine Diplomarbeit und wohnte mit anderen Studenten in einer Wohngemeinschaft. Eine Mitbewohnerin erzählte mir von einem Startup in Berlin, das nach Mitarbeitern für den Vertrieb suchte – und zwar im Umfeld der Fußball-Bundesliga. Als passionierter Fußballfan (natürlich von Hertha BSC als „West“-Berliner) bewarb ich mich sofort, wurde genommen und fing bei Altus Media an. Das war mein Start in den E-Commerce-Bereich. Nach zwei Jahren wechselte ich dann zu Ebay, das damals kaum jemand kannte. Dort war ich für die Kategorie Sport zuständig. Nach 5 Jahren war es an der Zeit, Neues zu entdecken und ich wechselte als Enterprise Sales Manager zum damaligen Schwesterunternehmen PayPal in den Merchant Services-Bereich, der gerade aufgebaut wurde. Das war mein Start in den Payment-Bereich. Seitdem habe ich die meiste Zeit meines Berufslebens im Payments verbracht – einmal Payments, immer Payments. 

## ***Fintechs haben viel versprochen. Was hat die Welt wirklich verändert und wo haben wir uns alle etwas vorgemacht?***

Neobanken haben die Strukturen von klassischen Banken und ihr Filialgeschäft komplett verändert. Anstatt bei allen Dienstleistungen in die Filiale zu müssen, ist dies seitdem alles online machbar und Bankfilialen werden in einigen Jahren der Vergangenheit angehören. Eine Idee, die sich nicht wirklich erfolgreich umsetzen ließ, ist das P2P-Lending, da es einfach zu viele Hürden wie Regulierung, Liquidität, Risiko und Betrug hat. 

## ***Welches Unternehmen in Payment oder Banking beobachtest du gerade am meisten und warum?***

Dadurch, dass ich kürzlich erst bei Nuvei neu angefangen habe, schaue ich natürlich verstärkt auf das Unternehmen und die Vorzüge. Ich achte besonders auf USPs, Produkte, Features, die uns vor allem gegenüber dem Wettbewerb wie Adyen und Stripe abgrenzen, um die ICPs und Sweetspots zu identifizieren.

## ***Welche App hat dein Verhältnis zu Geld wirklich verändert und warum?***

Die PayPal-App*.* Die Peer-to-Peer-Zahlungsoption von PayPal hat die Art, wie wir zahlen und Geld versenden, signifikant erleichtert. Statt einer „nervigen“ Überweisung, die damals noch deutlich länger dauerte, war und ist das seitdem sofort, flexibel und sehr einfach möglich.

## **Welche Entscheidung in deiner Karriere würdest du heute anders treffen und was hat sie dich gelehrt?**

Ich würde die Frage anders beantworten wollen – für mich ganz persönlich. Für mich hat jede Entscheidung einen Sinn und führt zu etwas Neuem. Eine meiner Grundannahmen ist, dass alle Menschen zu jedem Zeitpunkt die beste ihnen mögliche Wahl treffen. Daher ist es für mich müßig, mir im Nachhinein darüber Gedanken zu machen, was ich hätte anders entscheiden können. Ich bin zudem ein Mensch, der Dinge auf sich zukommen lässt und nicht wirklich plant. Ich entscheide spontan – bin ein absoluter Handlungstyp. Daher gab es für mich auch nie „das“ Ziel oder „den“ Weg, um etwas Bestimmtes, mir schon immer Gewünschtes, zu erreichen. 

Es haben sich immer neue Möglichkeiten in meiner Karriere ergeben. Und es haben sich auch alle immer für mich stimmig angefühlt – zu dem Zeitpunkt der Entscheidung, als auch hinterher. Selbst als ich mich gegen ein wirklich attraktives Jobangebot von einem namhaften Anbieter im Paymentmarkt entschieden habe, um stattdessen bei einem Early Stage Startup einzusteigen, das nach recht kurzer Zeit insolvent ging, haben sich dadurch für mich wieder neue Türen geöffnet. 

## ***Hat deine Arbeit in der Finanzbranche dein persönliches Verhältnis zu Geld verändert?***

Nicht wirklich mein Verhältnis zu Geld an sich. Aber die Art, wie ich am liebsten online bezahle. Meine zehnjährige Zeit bei PayPal hat mich natürlich geprägt und so nutze ich seitdem am liebsten PayPal als Zahlart, weil es bequem, schnell und sicher ist.

## ***Was machst du in deiner Freizeit, das so gar nicht zu deinem Berufsbild passt?***

Ich weiß nicht, ob es heutzutage wirklich noch so viele klassische Stereotypen gibt. Personen, die heute im Banking und Payments arbeiten, sind ja nicht mehr die „klassischen Bänker“ wie früher, denen man bestimmte Merkmale zugeordnet hat. Wenn ich etwas nennen sollte, dann vielleicht, dass ich mich gerne in meiner Freizeit auf mein 200 PS-Motorrad (Kawasaki ZZR 1400) setze und den Kick der Beschleunigung auslebe.