Money20/20 Europe

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Ein Rückblick aller Beteiligten…

Der Löwenanteil des Teams war auf der diesjährigen Money20/20 Europe in Kopenhagen, die sich als das “größte globale FinTech-Event” beschreibt, als Medienparter, Gäste, Speaker, Zuhörer und scheinbar „Party-Hopper“ zugegen. Die Erwartungen waren dementsprechend hoch eine hochkarätige Veranstaltung, mit den besten Speakern, Keynotes und einmaligem Ambiente vorzufinden. Ob diese erfüllt wurden, was wir gesehen und wie wir dieses „Monster-place-to-be“-Event wahrgenommen haben und ob wir nächstes Jahr in Amsterdam dabei sind, wollen wir euch anhand der nachfolgenen Fragen kurz vorstellen und haben in die Runde der Anwesenden gefragt:

Wie war es für euch? Was habt ihr gesehen? Lohnt es sich? Wenn, für wen? Was habt ihr mitgenommen? Was hat euch überrascht? Geht ihr im kommenden Jahr nach Amsterdam? Was war trend? Habt ihr Keynotes gesehen? Euer Highlight?

Und BTW: was heißt eigentlich 20/20?

Money2020 Europe 2017 ein Rückblick

Miriam:

  • Die Money20/20 ist ein must-attend für alle Entscheider, VCs und Gründer der Fintech-Branche. So ist auch die Atmosphäre: Viele interessante Leute und Gespräche, cooles surrounding, alles ist sehr professionell organisiert … bis auf die Party-Bändchen ;-)Themenseitig waren Payment, Fraud und Risk stärker vertreten als die Banking-Seite.
    Ich habe mir einige Vorträge und Keynotes angeschaut und bin hier, ehrlich gesagt, etwas enttäuscht. Es wurde nur an der Oberfläche gekratzt und es gab zu wenig Kanten. Bedeutet, zu wenig Spezialisten oder Visionäre in den Panels, dafür umso mehr Sponsoren, die nicht mit Tiefenwissen punkten konnten. Ich hätte mir konkretere Ideen, Beispiele und Use Cases, gerade für Zukunftsthemen wie AI oder IoT, gewünscht.Dennoch haben sich die drei Tage Kopenhagen gelohnt und ich werde auch nächstes Jahr im Amsterdam wieder mit dabei sein. Es ist ein ideales Event zum Netzwerken und Geld einsammeln 🙂 Gerade für Start-ups, die neu in der Branche sind, ist es ein no brainer.Überrascht haben mich so einige Zahlen, die präsentiert wurden. Zum Beispiel das Wachstum von Amazon Payments. In Deutschland habe ich das nicht so wahrgenommen. 120 Prozent Wachstum auf Händlerseite innerhalb eines Jahres, das ist ordentlich. Auch die Userzahlen von Alipay sind unglaublich: 520 Millionen aktiv, zahlende Nutzer, das sind mehr als doppelt so viele wie PayPal.Bezüglich der Trends bleibt mir persönlich die Warnung des Barclays Ex-CEO Antony Jenkins zum „Kodak moment“ der Banken in Erinnerung.Wird die Money20/20 eigentlich in drei Jahren umbenannt? Oder sind die Themen dann zu kommerziell, dass Insider nicht mehr hingehen? Oder kommt ein Disrupter? Ich bin gespannt 😉

Money20/20 Europe - ein Rückblick

Jochen:

  • Es war fast “jeder” da, der sich “irgendwie” mit Digitalisierung in der Finanzdienstleistung beschäftigt. Erstklassige Keynote-Speaker, die man in dieser Dichte selten hat. Die Panels waren eher durchwachsen: Von excellent bis langweilig, wobei die Wichtigkeit der Messe sich eher im erstklassigen Networking darstellte.
    Gefühlt wurde der Event von angelsächsischen Speakern und Firmen dominiert – ich glaube wir Deutschen verkaufen uns einfach noch nicht gut genug auf internationaler Bühne.
    Eines der Highlights war m.E. das Announcement von VISA, die auf der Keynote-Bühne verkündeten, dass sie sich an Klarna beteiligten. Das spricht sowohl für Klarna als auch für VISA, dass sie den Kampf ums digitale Payment nicht PayPal und co. überlassen: Sie investieren systematisch in die PayPal Challenger, die dort Produkte anbieten, wo PayPal etwas zu “bequem” und langsam wurde (Square, Stripe und jetzt Klarna). A propos PayPal: Abwesend – kein Stand, nur gaaanz viele Ex-PayPalians, die jetzt bei vielen anderen Firmen waren und fast sowas wie ein Alumnitreffen hatten. Gleichzeitig hauten AmazonPay und Alipay einen Superlativ nach dem anderen raus. Götterdämmerung im Epayment? Vielleicht noch zu früh, aber Innovation, die schon größere Traktion hat, sieht man jetzt deutlich mehr von anderen und PayPal ist irgendwie nicht mehr das Maß der Dinge.
    Summary: Eine (fast zu) perfekt durchorganisierte und durchgesponsorte Messe/Konferenz, die vielleicht ein wenig (zu) paymentlastig ist, mit unglaublich vielen Teilnehmern → beeindruckend wieviele Menschen die sich mit dem Thema Digitalisierung von Finanzdienstleistung beschäftigen und gewillt sind, bis zu 3 Tage in den teuren Norden von Europa zu reisen.

Money20/20 Europe - ein Rückblick

Kilian:

  • Die “Payment Lastigkeit” war sehr hoch… Die klassischen Banken habe ich vermisst (nur HSBC oder JP Morgan… keine DeuBa, keine CoBa, keine BNP etc.)
    Sehr viel Fraud un Compliance und immer noch große Stände der “Payment Incumbents” (verdient man mit Commodity doch genug Geld :-))
    Concardis & b+s habe ich vermisst, Adyen auch…. (aber da kommt ja Amsterdam in 2018 :-))

Lowlight war die Party (auch wenn ich nicht da war, war das Feedback sehr schlecht (von 19 – 21 ?; US Style ?; jeder nur 2 Bier und dann wieder rauskehren; dann lieber gleich keine machen; sah sehr nach “Sponsoren Rip Off” aus.)

Auch wenn das Wort “Klassentreffen” etwas überstrapaziert ist, (wird ja inzwischen bei jedem MeetUp benutzt), würde ich hier weitergehen – Jahrgangstreffen, aber der letzen drei. In Amsterdam werde ich bestimmt dabei sein. Sehr erstaunlich wieviele Firmen bereits jetzt Stände/Plätze gebucht haben. Liegt aber sicher auch am Sales-approach. Da kann man einiges lernen (“Jetzt unterschreiben; 30 Tage Rückgaberecht – macht eh keiner; Produkt war schon vorausgefüllt und man hat gesehen wer schon alles unterschrieben hat”)
Interessante Frage wird sein, wie lange kann man den “Hype” aufrecht erhalten ? Ist 2020 das natürliche Ende ? Was passiert, wenn FinTech “niemand mehr interessiert”?

Money20/20 Europe - ein Rückblick

André:

  • Für mich und für figo war es ein super Event. Im letzten Jahr hatte ich noch das Gefühl, dass es mehr Payment war. Das hat sich in diesem Jahr deutlich in Richtung Banking gedreht und das Thema PSD2 war nahezu omnipräsent. Alle Banken und auch Payment-Player haben das Thema auf der Agenda und machen sich Gedanken über die Auswirkung.Selber habe ich leider nur wenige Keynotes oder Panels gesehen, sondern habe vor allem Menschen getroffen. Anne Boden von Starling Bank und Oli Samwer habe ich aber auf der Bühne gesehen und war mehr geflasht von der fachlich exzellenten Dame, als den recht allgemeinen Thesen des Herrn.So kurz nach dem Event kann man noch nicht final entscheiden, ob es sich wirklich “gelohnt” hat. Aber ich habe schon Veranstaltungen erlebt, wo das Gefühl deutlich schlechter war.Ich würde die Money20/20 Europe jedem Entscheider der Banken-Branche empfehlen. Nicht alles ist gut, nur weniges echt neu, aber die Summe an Eindrücken und guten Menschen die man an einem Ort treffen kann ist einzigartig.Mitgenommen habe ich, dass Open Banking und PSD2 in Europa real wird und dies auch in andere Kontinente abstrahlt. Zudem habe ich mitgenommen, dass das langweilige Thema Zahlungsverkehr nun auch bei VCs auf der Agenda ist und auch internationale VCs mit Interesse auf das aktuell wilde Treiben in EU schauen.Ist die Money 20/20 im Jahr 2020 vorbei – vielleicht, nicht aber wenn man der These von Arnulf folgt, dass es ein Symbol für 20 von 20 Punkten ist und damit für Exzellent steht.

Money20/20 Europe - ein Rückblick

Rafael:

  • Die Money20/20 Europe war “nett”. Da ich über die letzten Jahre miterleben durfte wie das Original in Las Vegas von einer übersichtlichen Veranstaltung sich in ein “Moloch” entwickelt hat, war ich positiv angetan, dass die europäische Ausgabe noch übersichtlich groß ist.
    Leider sind halt bei diesem Event auch “alle” da, die man so kennt, d.h. es wird schon manchmal eng wenn man “mal eben” auf Klo will, wenn man nicht ganz unhöflich sein will.
    Was ich ganz deutlich vermisst habe war eine Möglichkeit auch die Teilnehmer kennen zu lernen die man halt noch nicht kennt. Um dies zu erreichen muss man in den 2 Tagen halt brutales Party-Hopping machen.
    Ebenfalls vermisst habe ich genug “Luft” für echte Startups. Es gab eine Mini-Fläche als Startup City und einige weitere Startups, die sich an den Ständen der Länder (UK, Holland) versteckten, naja und dann gab es auch Startups die das Geld der Investoren offensichtlich “gut”(??) in riesige Flächen investierten.Die Keynotes sahen auf den ersten Blick hochkarätig aus, aber der Inhalt kratzte dann mal gerade an der Oberfläche. Es half auch nicht, dass die Keynote Speaker per Teleprompter Ihre Reden ablasen (was Oliver Samwer nicht daran hinderte, sich in seiner Keynote zu verrennen und nicht mehr zu wissen, was er gerade sagen wollte). Dadurch waren die Keynotes recht emotionslos und “vorhersagbar”. Selbst die eigentlich spannende Keynote von Amazon Pay fühlte sich fad an. Die einzige echte Überraschung bei den Keynotes, die ich mir angeschaut habe war, die “Bombe” die Visa platzen ließ als sie mitteilten, dass sie gerade in Klarna investiert haben.Die Themen auf den Panels lasen sich auch spannender als sie dann tatsächlich waren. Sei es weil da entweder Experten und “Experten” zusammen sassen (wo kein Austausch entstehen konnte weil der eine was wusste und der andere nur so tat), oder weil es einfach Konsens-Bla bla gab. Es gab zum Glück aber auch einige wenige Ausnahmen – für mich der Vortrag von Zennon Kapron von Kapron Asia zu China und von Laurent Le Moal von Naspers / PayU zu Indien.

 

Money20/20 Europe - ein Rückblick

Was ich vermißt habe war so ziemlich die gesamte deutsche Payment und Banking Branche. Da musste Wirecard mal wieder die Fahne hoch halten. Aber auch die sonst führenden digitalen Banken (Santander, ING, PayPal, Adyen und Konsorten) waren nicht präsent. Selbst von den Challenger-Banken sah man nur was auf den Panels (und hörte nix Neues).

Die Veranstaltung selbst ist super professionell organisiert (bei einem Orga-Team von gefühlt 100 Leuten, ist es jedoch tatsächlich nur ein fester Mitarbeiterstamm von 18 Leuten! RESPEKT!) und die Verpflegung war zu jedem Zeitpunkt vollständig gewährleistet – man fühlte sich fast wie bei Google, nie weiter als 20m von was Essbarem entfernt.

Wenn man mit den Ausstellern sprach offenbarte sich aber auch die “dunkle Seite”. Staubsauger Vertreter mäßige Sales Drücker Kolonnen noch während des Events, strikte Verbote um die eigenen (bezahlten) Angebote zu pushen, Sponsoren für jeden Pups (war überrascht, dass die Toiletten und das Papier dort nicht auch noch einen Sponsor hatte oder jedes Stück Obst – fehlte nicht viel), strikte Einlasskontrollen (man darf erst Punkt 8:45 auf die Ausstellungsfläche, nicht eine Sekunden vorher), selbst der Versuch die Wartefläche vor einem Event noch in Rechnung zu stellen. Das wirkt dann doch etwas arg durch-monetarisiert.

Überrascht hat mich die Anzahl der Themen zu China und die schiere Größe der Player dort, die wir hier einfach überhaupt nicht wahrnehmen. Damit verbunden auch ein kleines Bauchgrummeln a la “war das jetzt ne Warnung und die kommen jetzt nach Europa?”. Ich hoffe ja, weil dann gibts mal richtig Haue in der Branche.

ÜBRIGENS:

  • Dieses 20/20 ist mitnichten eine Referenz auf eine Jahreszahl sondern auf Sehschärfe (https://en.wikipedia.org/wiki/Visual_acuity und https://en.wikipedia.org/wiki/Visual_acuity#/media/File:Snellen_chart.svg)! 😛 Oder anders gesagt die “clarity of vision” (Wortspiel). Deshalb gibt es auch ABC’s 20/20 das Gegenstück zu 60 Minutes von CBS vergleichbar (hust) mit SpiegelTV in Deutschland. Das Event ist nunmal amerikanisch und daher ist 20/20 dort eine verstandene Referenz, also nix mit umbenennen. Sorry bin nunmal ein Nerd :).Mal gucken ob ich mir Amsterdam 2018 antue. Man kann mich gerne einladen…

 

André M. Bajorat

CEO figo GmbH bei figo GmbH
André M. Bajorat ist Unternehmer, Berater, Speaker, Business-Angel und Mentor im deutschen Startup- und FinTech-Umfeld aktiv. Aktuell ist er als CEO bei figo.io, Partner bei KI-Finance sowie im Advisoryboard von FinLeap und Cringle aktiv. Initiator der Abstimmung „Fintech des Jahres“ und des „Bankathons„.

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