Keynote TRX19 (Christoph Bornschein): Drei Chinesen mit dem Kontrabass – FinTech Podcast #239

Christoph Bornschein sprach auf der TRX19 zu: „Drei Chinesen mit dem Kontrabass oder warum uns China bei der Digitalisierung weit voraus ist“. Und Bornschein kennt sich aus: er sitzt im Aufsichtsrat der Deutschen Bank, ist Mitgründer und Geschäftsführer von TLGG und berät in seinen Tätigkeiten staatliche Stellen und internationale Unternehmen. In seiner Keynote ging es bei ihm vor allem um China und seinen Einfluss auf Payment und Banking.

80 Millionen Schüler lernen jeden Tag aktiv auf einer chinesischen Lernplattform. Das zeigt nochmal die Dimensionen, denn das entspricht natürlich der Bevölkerungszahl Deutschlands. „Code exportiert Werte“, betont Bornschein. Wer also z.B. Facebook als Plattform bedient, kann auch entscheiden, was dort erlaubt ist – Brustwarzen beispielsweise nicht, Hakenkreuze dagegen schon.

Übertragen auf chinesische Unternehmen stellt sich die Frage, welche Werte damit kommen. „Wie auch immer die Welt weitergeht – Europa wird keine große Rolle darin spielen.“

„Wir sitzen in der Mitte einer globalen Machtbewegung“, so Bornschein. „Denn Europa hat dem einfach nichts entgegenzusetzen.“ Aber wir brauchen die Autarkie über irgendetwas, trotzdem herrscht Abhängigkeit vor, und das in vielen Bereichen.

Technologie verändert die Wirtschaft und die verändert die Gesellschaft. Momentan wird in europäischen Unternehmen zu wenig in Big Data und KI investiert. Von einer Vertriebsorientierung ging es erst zu einer Kundenorientierung und sogar Kundenzentrierung. „Produkte müssen so verfasst sein, dass sie zu Menschen passen, da darf man sich nichts vormachen.“ Netflix ist da nur ein Beispiel – ein Produkt wird basierend auf Live-Daten kontinuierlich verbessert.

Größe, Wachstum und Geschwindigkeit, darin übertreffen chinesische und amerikanische Unternehmen bei Weitem. „Wir müssen mehr investieren in die Veränderung, die wir sehen wollen“, so Bornschein.

Zunehmende Transparenz, Unkompliziertheit und globale Omnipräsenz führten zu einer Verschiebung, hin zu einer befähigten – oder verwöhnten – Gesellschaft, erklärt Bornschein. Was die Amerikaner verstanden haben, ist, dass der Staat gleichzeitig der Markt ist. Vor allem die Akzeptanz, dass man auch mal Scheitern kann, macht den amerikanischen Erfolg aus. Die Fehlerkultur in Deutschland wird schnell zum Insolvenzverfahren.
China hat dabei viele Leistungen erbracht, unter anderem weniger Armut und der Versuch, in Sachen Blockchain die Vorherrschaft zu übernehmen. Unheimlich ist hier vielen der Social Credit Score. Dort werden Algorithmen trainiert, die zunehmend an Relevanz gewinnen werden – das kann man moralisch für verwerflich halten, aber ist in jedem Fall ein Vorteil für die Technologie.

„My Phone is my Wallet“ wird immer mehr Realität. „Wir müssen auch von diesem blöden Bargeld loskommen“, betont Bornschein. Chinesische Unternehmen sind auch hier bei einem Kopf-an-Kopf-Rennen, dabei. Innovative Zahlungsmethoden werden immer mehr aus China kommen.

Europa’s Chancen

Was kann Europa noch retten? Die Steckdosen! Nicht ganz, aber man muss auch immer darauf sehen, dass die USA und China große digitale Binnenmärkte sind. In Europa unterscheidet sich das alles fundamental, weil es so viele Binnenmärkte gibt. Hier muss ein einheitlicher digitaler Binnenmarkt geschaffen werden – und es braucht eine innovationsfreundlichere Umgebung für digitale Unternehmen.

“Europa hat einen Vorteil: die Wertetiefe. Daraus sollten nicht nur Regulierungen entstehen, sondern auch Möglichkeiten. Wir brauchen Premiumwertschöpfung – das ist eine echte europäische Frage.”

Politiker wie Macron fordern auch mehr Innovationen und vor allem die Grundlage dafür. All diese ökologischen, gesellschaftlichen und demografischen Entwicklungen erfordern einen starken und inklusiven Wettbewerb. „Es geht um Wachstum und Teilnahme“, so Bornschein. Eliten müssen dafür das Vertrauen in die Digitalisierung schaffen.

Außerdem sind wichtig:

  1. Nutzerfreundlicher Datenschutz
  2. E-Government
  3. Effizientes digitales Steuersystem (einheitliche und vertrauenswürdige Identitäten)

Nur so gelingt das Experiment Zukunft – auch für Europa!

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Autor
Nicole Nitsche
Geboren 1982 im damals noch „sozialistischen” Rumänien, früh gereift unter der Höhensonne der bundesrepublikanischen Mittelschicht, lebt Nicole nach Umwegen über Marburg und Hamburg und jede Menge Abstechern im Ausland wieder in ihrer ursprünglichen Heimat Siegen. Nach diversen beruflichen Umwegen im... mehr

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