> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://paymentandbanking.com/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Eigenkapital: Wachstumsbremse mit gutem Image?
- URL: https://paymentandbanking.com/eigenkapital-wachstumsbremse-mit-gutem-image/
- Published: 2026-09-24T05:22:45.000Z
- Updated: 2026-09-24T09:46:48.000Z
- Description: Viele deutsche KMU kassieren bei Kreditanfragen Absagen, weil das Eigenkapital nicht reicht, obwohl eine passende Finanzierung längst verfügbar wäre. Schuldenfreiheit hat ein gutes Image, geht aber auf Kosten des Wachstums.
- Author: Miriam Wohlfarth
- Tags: Banking

Wieder ein Kunde am Telefon, wieder eine Absage, die schwerfällt. Beim Snackbrezelhersteller MAYKA Naturbackwaren aus dem Schwarzwald gehörte das eine Zeit lang zum Alltag des Vertriebsleiters. Die Nachfrage war da, die Bestellungen kamen rein, nur reichte das Eigenkapital nicht aus, um zusätzliche Ware und Personal vorzufinanzieren, bevor die Einnahmen aus dem neuen Auftrag überhaupt flossen. Irgendwann schlug er dem Geschäftsführer Manuel Rams scherzhaft vor, er verdiene eigentlich eine Provision fürs Absagen.

Für mich ist die Geschichte von MAYKA sinnbildlich für eine Herausforderung, vor der viele deutsche KMU stehen. Es gibt Nachfrage, aber nicht immer das Kapital, um daraus Wachstum zu machen. Chancen bleiben liegen, weil die Finanzierung fehlt. Das kann man akzeptieren. Oder man sucht sich externe Finanzierung und schafft damit den finanziellen Spielraum, um die vorhandene Nachfrage tatsächlich zu bedienen.

Für ein Unternehmen mit Wachstumsambitionen liegt dieser zweite Weg eigentlich nahe. Trotzdem wird er in Deutschland häufig mit Zurückhaltung betrachtet. Dahinter steht ein wirtschaftliches Ideal mit langer Tradition. Schuldenfreiheit gilt als Zeichen soliden Wirtschaftens, über Generationen als Tugend vermittelt. Das ist nachvollziehbar. Nur wird aus dieser Tugend schnell eine Bremse, wenn ein Unternehmen wie MAYKA wachsen will und Fremdkapital grundsätzlich ausschließt, selbst wenn die Nachfrage längst da ist.

## **Ein Ideal, das nicht mit der Zeit gegangen ist**

Kreditscheu ist in Deutschland kein neues Phänomen. Ihre Wurzeln reichen teilweise bis in die Nachkriegszeit zurück. Was sich seitdem allerdings grundlegend verändert hat, ist die Art, wie Finanzierung funktioniert. Heute reichen digitale Finanzierungsangebote von wenigen Tausend Euro bis in den mehrstelligen Millionenbereich. Die Zurückhaltung gegenüber Krediten hatte lange ihre Berechtigung, als die Hausbank für viele Unternehmen der einzige Zugang zu Kapital war. Doch die Nachfrage nach schnelleren und digitalen Finanzierungsalternativen wächst. Das zeigen auch unsere eigenen Zahlen: Das Kreditantragsvolumen bei Banxware ist von 2023 auf 2024 um über 200 Prozent gestiegen, von 2024 auf 2025 nochmals um über 300 Prozent.

Wie unterschiedlich Unternehmen Finanzierungen heute einsetzen, zeigt auch unser [Branchenreport](https://direct.banxware.com/branchenreport-2026?ref=paymentandbanking.com). Commerce bleibt die größte Branche, gleichzeitig holen Baugewerbe, produzierendes Gewerbe, Logistik und IT/SaaS spürbar auf. Über alle Branchen hinweg entfielen 35 Prozent der Finanzierungen auf Wareneinkäufe, im Handel sogar 54 Prozent. Im produzierenden Gewerbe stehen dagegen Betriebsmittel an erster Stelle. Im Gastgewerbe dient fast jede vierte Finanzierung der Expansion. Regional liegt Nordrhein-Westfalen mit 22 Prozent aller Finanzierungen vorn, gefolgt von Bayern mit 16 Prozent und Baden-Württemberg mit 13 Prozent.

Trotz dieser Entwicklung scheint sich das Bild von Finanzierung vielerorts langsamer zu verändern als die Finanzierung selbst. Laut einer [Qonto-Studie](https://qonto.com/de/resources/small-financing-study?ref=paymentandbanking.com), für die 1.659 Soloselbstständige und kleine Unternehmen befragt wurden, haben 50 Prozent der deutschen KMU noch nie externe Finanzierung genutzt. Gleichzeitig wollen 34 Prozent wachsen und verfügen dafür nach eigener Einschätzung nicht über ausreichend Kapital. 24 Prozent geben an, dadurch bereits Aufträge verloren zu haben.

Für mich liegt darin ein bemerkenswerter Widerspruch. 46 Prozent der Befragten haben innerhalb eines Jahres sogar ihr eigenes Gehalt gekürzt oder vollständig ausgesetzt, um den Betrieb am Laufen zu halten, statt eine externe Finanzierung überhaupt in Betracht zu ziehen. Offenbar fällt es vielen Unternehmerinnen und Unternehmern noch immer leichter, persönlich ins Risiko zu gehen, als Kapital von außen aufzunehmen.

## **Zurückhaltung hat einen Preis**

Wer wachsen will und ablehnen muss, weil Liquidität fehlt oder anderweitig gebunden ist, zahlt einen Preis, der selten in der Bilanz auftaucht. 24 Prozent der von Qonto befragten KMU haben das bereits erlebt. Das sind allerdings nur die Fälle, die sich beziffern lassen. Wie viele Chancen erst gar nicht als Chance erkannt werden, lässt sich kaum messen.

Eine pauschale Antwort gibt es trotzdem nicht. Auch eine schnelle Finanzierung hat seine Kosten, in Form von Zinsen und Gebühren. Zudem verlagert sie Risiko in die Zukunft. Übersteigen die Finanzierungskosten den erwarteten wirtschaftlichen Nutzen, ist Zurückhaltung vernünftig. Dasselbe gilt für Unternehmen, die gar nicht wachsen wollen. 

Für alle anderen stellt sich aus meiner Sicht eine andere Frage: Ist der Verzicht auf Fremdkapital eine bewusste unternehmerische Entscheidung oder nur eine Gewohnheit, die sich als Vorsicht tarnt?Dann wird die ausschließliche Finanzierung aus Eigenkapital nicht mehr zur bewussten Finanzierungsstrategie, sondern zur unsichtbaren Bremse des eigenen Wachstums. Eine Bremse, die nach außen Solidität ausstrahlt und gerade deshalb so leicht als Stärke missverstanden wird.

## **Wie MAYKA es anders machte**

MAYKA hat sich am Ende für den Kredit entschieden. Geschäftsführer Manuel Rams prüfte anhand der konkreten Nachfrage, ob sich die zusätzliche Finanzierung wirtschaftlich lohnen würde, und kam zu dem Ergebnis, dass sich damit ein zusätzliches Umsatzwachstum von 5 Prozent erzielen ließ. Für die Zukunft setzt er auf einen Finanzierungsmix: Größere Investitionsvorhaben finanziert MAYKA über die regionale Hausbank, kurzfristige Wachstumschancen über die digitale Finanzierung von Banxware.