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# Die Neobanking-Welle: Angriff aufs Depot
- URL: https://paymentandbanking.com/die-neobanking-welle-angriff-aufs-depot/
- Published: 2026-10-29T06:00:00.000Z
- Updated: 2026-10-29T06:00:01.000Z
- Description: Vor dem Start des Altersvorsorgedepots ist ein erbitterter Preiswettbewerb entbrannt. Dabei geht es um viel mehr als nur das staatlich geförderte Produkt.
- Author: Lukas Homrich
- Tags: Events, Banking

Wer nicht mit geschlossenen Augen durch die Welt geht, kann sich dem Thema gerade kaum entziehen. Ob auf Plakaten, im Fernsehen oder per Brief: Dutzende Banken, Versicherungen und Broker bewerben mit aufwendigen Kampagnen ihr Altersvorsorgedepot und geben viele Millionen Euro für Marketing aus. Stellt sich nur die Frage, ob sich das Ganze rechnet.

Die Chancen wirken jedenfalls gewaltig. Ende März hat der Bundestag das Altersvorsorgedepot beschlossen. Ab dem 1\. Januar 2027 können Sparer ein solches zertifiziertes Depot bei einem Anbieter eröffnen. Es ist der Nachfolger der Riester-Rente als geförderte, private Altersvorsorge. Rund 14 Millionen Riester-Verträge könnten dann ins neue Fördersystem wechseln. Hinzu kommen Neusparer, die bisher keine staatliche Förderung in Anspruch genommen haben. Die Neobroker konkurrieren dabei mit den Anbietern von Riester-Produkten sowie mit den herkömmlichen Banken. Für alle ist das Altersvorsorgedepot eine Chance, Menschen, die vorher nicht in Finanzprodukte investiert haben, für sich zu gewinnen. Sie birgt aber auch die Gefahr, Kund:innen an die Konkurrenz zu verlieren. 

## **Nicht jeder kann gewinnen**

Kern der Reform ist das sogenannte Standarddepot, eine Basisvariante der Förderung, die jeder Anbieter des geförderten Produkts anbieten muss. Darin müssen ein chancenreicher Fonds, der mit höheren Risiken einhergeht, und ein risikoarmer Fonds, der mit geringeren Renditen verbunden ist, vorgegeben werden. Per Gesetz sind die Effektiv-Kosten dieser Basisvariante auf ein Prozent im Jahr begrenzt. Daneben können Anbieter eine Art Premiumdepot für Selbstentscheider anbieten, bei denen sie frei über Gebühren entscheiden können und ein Depot mit garantierter Auszahlung

Laut einer [Umfrage](https://www.dwpbank.de/download/avd-barometer-2027/?ref=paymentandbanking.com) der DWP Bank unter 88 Finanzinstituten und Finanzdinstleistern, planen neun von zehn ein entsprechendes Angebot. „In meiner Karriere ist mir noch nie ein Thema begegnet, in dem so viele Player versuchen, eine relevante Rolle zu spielen”, sagt Andre Bajorat, Gesellschafter von Payment & Banking und Head of Strategy bei der DWS. Dabei wird es zwangsläufig nicht nur Gewinner geben. Denn um die Erwartungen der Anbieter zu erfüllen, müsste es wohl nicht nur 80, sondern 800 Millionen Bundesbürger geben, glaubt Bajorat. Nur, wer zieht dann den Kürzeren? 

## **Neobroker preschen voran**

Besonders die Neobroker sind mit aggressiven Preisen ins Rennen gegangen. Scalabale Capital preschte zuerst los und versprach, das Standarddepot für das Jahr 2027 kostenlos anzubieten. Trade Republic wartete zunächst die Angebote der Konkurrenz ab und ging nun mit [einem komplett kostenlosen Angebot ](https://assets.traderepublic.com/assets/files/PressRelease%5FAVD%5FDE%5FDE.pdf?ref=paymentandbanking.com)an den Start. Ebenso machte es Smartbroker. Nun legten aber auch Anbieter aus der alten Welt nach: Die DekaBank verkündete als Anbieter des Sparkassen-Brokers S-Neo Kosten von 0,1 Prozent. Hinzu kommen die großen Schlachtschiffe wie Union Investment, die Effektivkosten von 0,65 Prozent. Die DWS ruft Kosten von 0,10 Prozent in den ersten zwei Jahren und anschließend 0,28 Prozent auf. 

Versicherungen decken ihre Kosten hingegen noch überwiegend geheim. Doch auch sie wollen, dass Kund:innen zu ihnen kommen und im Zweifelsfall, ohne einen Cent daran zu verdienen. Der Grund dahinter ist so einleuchtend wie simpel: Laut der Umfrage der DWP Bank sehen 84 Prozent der Institute die größte Chance des AV-Depots nämlich nicht bei Provisionen, sondern in der Stärkung der allgemeinen Kundenbindung. „Das Altersvorsorgedepot ist ein toller Anker für eine langfristige Kundenbeziehung”, sagt auch André Bajorat. Wer einem Institut seine Altersvorsorge anvertraut, ist schließlich auch bei anderen Produkten vertrauenswürdig. 58 Prozent der befragten Institute wittern deshalb Potenzial für Cross- und Upselling. Neun von zehn erwarten zudem, dass die neue Altersvorsorge ihre Kund:innen für den Kapitalmarkt öffnet.

Fragt sich nur, wer diese Kundenbindung für sich gewinnt: Die Neobroker oder die Platzhirsche der Riester-Rente, bestehend aus Fondsgesellschaften, Banken und Versicherern. Die Neobroker gehen nicht nur bei den Kosten aggressiv vor. Trade Republic hat gerade eine Lebensversicherung in Liechtenstein gegründet, um auch das Depot mit garantierter Auszahlung anbieten zu dürfen. Neobroker wildern also im Revier der Versicherungen. 

Doch die haben zusammen mit den Vermögensverwaltern und Banken noch ein Ass im Ärmel. Denn anders als die Neobroker können sie bei vielen Kund:innen bereits auf eine lange Beziehung zurückblicken. Während die Newcomer noch gar nicht am Markt waren, hatten sie die Chance, teilweise über Jahrzehnte hinweg das Vertrauen ihrer Kund:innen zu gewinnen und persönlichen Kontakt über Berater zu pflegen. Diesen Vorteil versuchen sie für sich zu nutzen. Während die Neobroker fleißig Werbung schalten, kontaktieren Versicherer und Banken ihre Kund:innen direkt.

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*Ob sich Neobanken mit dem Altersvorsorgedepot die Hauptbankverbindung der nächsten Jahrzehnte sichern, wer den Preiskampf durchhält und was Filialbanken und Verbünde dagegensetzen können, diskutiert André M. Bajorat auf der diesjährigen Banking Exchange mit Hartmut Giesen und Björn Deyer. Hartmut Giesen ist Geschäftsführer der Sutor Bank, die als Banking-as-a-Service-Partner zahlreiche Fintechs unterstützt und damit einen direkten Einblick in die Entwicklung und Skalierung neuer Finanzprodukte hat. Björn Deyer ist Director und Leiter Altersvorsorge bei DWS und bringt die Perspektive eines etablierten Vermögensverwalters auf den Wettbewerb um die private Altersvorsorge ein.*