Frankfurt, 23. und 24. Juni 2022: Mysteriöse UFOs (Unindentified Finance Objetcs) bewegen sich um das Maindock, in das zahlreiche Agent:innen der ganzen Finance Branche strömen. Denn dort ist das vorübergehende Headquarter von Payment & Banking, die mit ihren Special Agents wieder alle Geschehnisse, Phänomene und aktuellen Fälle der Future Banking Industry (FBI) aufdecken und auf der Banking Exchange 2022 genauer untersuchen wollen. 

Wie immer waren dafür nicht nur die besten Agent:innen der Branche angereist bzw. saßen vor den Screens daheim vor dem Stream, sondern sorgten auch auf der Bühne in Panels und Keynotes für neue Insights und Erkenntnisse. Denn die Wahrheit liegt nicht einfach irgendwo da draußen, sie war auch Bestandteil genau all dieser Gespräche und Diskussionen auf der Bühne und beim Networking rund um das Event herum. 

Und waren auch Aliens dabei? Ganz ließ sich das nicht nachweisen, aber wie Nicole Nitsche bei der Eröffnung betonte: “Wir bleiben ganz irdisch – höchstens ein bisschen mysteriös.” Und Maik Klotz konnte schon zu Beginn berichten, dass ein Rekord anstand: die größte BEX aller Zeiten: “Statt eines kleinen Kreises sind heute ganz viele dabei.” Seit der ersten Motto-Konferenz 2019 mit Star-Wars-Thema wurden die BEX-Events aufgrund von Corona erst kleiner und digitaler ausgerichtet, aber wachsen inzwischen wieder an und verbinden als Hybrid jetzt analoge und digitale Anteile und noch mehr Teilnehmende. Dass das auch am tollen Team liegt und an den großartigen Sponsoren, ist dabei keine Erkenntnis aus den (BE)X-Files, sondern liegt auf der Hand!

Das Motto mit Bezug auf die X-Files verbindet viel: Denn auch in der Finanzbranche passieren viele scheinbar unerklärliche Dinge wie Krypto-Abstürze und Co., die aber mit den richtigen Agent:innen und Expert:innen durchaus erklärt werden können. Genau dieses Licht ins Dunkel will die BEX bringen und die (BE)X-Files der letzten Jahre lösen – und wie immer auch einen Blick in die Zukunft werfen, ganz ohne Glaskugel. Denn in Sachen Krypto, Brokerage, Affluent Banking und Co. tut sich eine Menge – und über all das tauschten sich die Agent:innen der BEX22 aus!

Kundenschnittstellen und neue mysteriöse (Daten)quellen als Chance für Embedded Finance, Buy Now Pay Later und Revenue Based Financing?

Case #: BEX230622DATAISTHENEWOIL?

Ref.: Daten und Kundenschnittstellen und die geheimnisvolle Frage nach Customer’s Journey, Kontext und Co.

Agent:innen:

  • Alina Deutsch
  • Paul Becker (re:cap)
  • Kevin Krüger (TLGG Consulting)
  • Michael Luks (Atruvia)
  • Ariana Vorderwülbecke (ProNoblis Group), in Vertretung von Stefan Schmidt

Moderator: Jochen Siegert (Payment & Banking). 

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Kontext und Commodity

Immer neue Geschäftsmodelle tauchen auf, aber keinesfalls aus dem Nichts – vielmehr basieren sie inzwischen meist auf Daten. Und diese Daten sind keinesfalls von Alien und anderen Mächten beeinflusst, vielmehr stammen sie vom Customer und sind Dreh- und Angelpunkt seiner Customer’s Journey, und zwar an jedem Punkt, wie Deutsch betonte. Und noch etwas ist wichtig, nämlich Commodity: “Es wird in den nächsten Jahren immer mehr zur Commodity gehen.”

Natürlich geht es nicht nur um die Daten, sondern auch immer um den Kontext, oder wie Krüger betont: Daten kann man in den Dienst des Guten stellen: „Wichtig ist immer der Kontext. Klassische Bankdienstleister stehen hier vor einer Herausforderung – der Kunde kommt nicht mehr übers Online-Banking, sondern man muss sich zum Kunden hinbewegen.“ Oft will der Kunde da an die Hand genommen werden, aber über andere Wege als früher. Und es tut sich viel hier, aber nicht alles ist neu, wie Luks betonte, aber das muss kein Problem sein. Denn es geht nicht um die Menge der Daten, es geht darum, wie man sie einsetzt. Und wenn man genau hinsieht und zielgenau Daten benutzt, entstehen die gewünschten neuen Modelle. 

Der Schatz der Daten

Denn letztlich suchen ja alle die guten Modelle und Produkte, erklärte Krüger, mit denen wiederum gute neue Daten hereinkommen, aus denen sich noch bessere Modelle und Produkte bauen lassen. Vorderwülbecke schloss sich Krüger teilweise an und berichtete: “Wir haben inhouse immer mehr mit zum FinTech hinentwickelt, weil wir so stark begonnen haben, mit Daten zu arbeiten.”

Banking Exchange 2022
Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Neben Kontext und Commodity geht es aber auch immer um Vertrauen – und dafür muss man den richtigen Mehrwert kommunizieren, wie Becker anfügte. Denn wenn der Need klar ist, werden auch Daten geteilt. Natürlich muss man immer für den Kunden da sein, mit Blick in die Zukunft, um Datenquellen zu Enablern von Embedded Finance zu machen, erklärte Deutsch: “Man muss kreativ werden, wie man die Daten erhalten kann”, so Deutsch.

Natürlich muss man sich auch auf die eigene Datenbasis verlassen können: “Und das kann auch mal das Spiel mit dem Feuer sein – man muss da gut aufpassen.” Ein Teil der Herausforderung ist es auch, z.B. Handydaten zu bekommen – hier liegt noch ein ganz anderer Schatz der Daten: “Wir wollen unsere Mitglieder enablen, wir achten aber genau auf die Kunden und müssen dann nicht jedes Thema ausreizen.”

Daten mit Sinn

Für Luks hat die Datenauswertung zwei Aspekte: Erst einmal braucht der Berater die richtigen Informationen für die beste Beratung, dann muss man im richtigen Kontext das beste Konzept für den Kunden offerieren: „Alles hört sich erst mal einfach an, aber in der Praxis ist das viel komplexer.“ Die Daten brauchen also Sinn – und die richtige Verarbeitung. Den Becker hielt fest, dass vor allem KI oft gar keine Rolle spielt:  „Das ist oft ein Missverständnis, denn nicht jede Arbeit mit Daten ist automatisch KI! “ Außerdem betont er, dass die Daten kein fester Datenschatz sind, sondern sich kontinuierlich ändern, und dass das dringend beachtet werden muss.

Daten sind aber auch nicht gleich Daten, denn vor allem Banken interessieren sich nicht für jede Kundenschnittstelle, erklärte Krüger. Wer hat den hier die Nase vorne, FinTechs oder Banken? “Viele Banken bauen wieder etwas auf, bei B2B ist das vor allem der Aufbau der eigenen Kundenschnittstelle“, erklärt Krüger. Den großen Use Case gibt es noch nicht – aber gerade das wird wichtig für die Arbeit der Zukunft. 

Banking Exchange 2022
Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Die Zukunft der Daten? 

Bereits etablierte Player mischen hier immer stärker mit, auch weil sie sehen, dass andere Unternehmen intuitiver arbeiten und Kunde abziehen. Kann man sich in den jetzigen unsicheren Zeiten auf das Geschäftsmodell verlassen? Tatsächlich sind die Krisen sogar Teil davon. “Letztendlich gehören die Krisen dazu”, so Becker, “denn wenn man auf die Krisen schaut und sie im Blick behält, kann man gerade daraus neue Daten ziehen.” Krüger betonte den Kreislauf, in dem auch Krisen eine Rolle spielen: “Man kann so dann immer schneller neue Möglichkeiten anbieten – und damit am Ende das bessere Produkt.” SMEs sind hier oft besonders gute Kunden – und froh, wenn sie durch neue Geschäftsmodelle unterstützt werden. 

Are we truly alone? Angriff der SME-Attacker. Sind sie schon unter uns und wenn ja, wie viele?

Case #: BEX230622ATTACKINGSMES?

Ref.: Wer hilft den SMEs bei ihren ungelösten Fällen? Einige sind schon mitten im Angriff…

Agent:innen:

  • Jens Wohlfarth (FYRST Banking)
  • Dr. Roger Grothmann (Taxdoo)
  • Volker Lesch (Senacor Technologies)
  • Eva Spannagl (moss)
  • Caroline Jenke (pliant)

Moderator: Kilian Thalhammer (Payment & Banking)

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Die ungelösten Fälle der SMEs

SMEs haben oft genug ungelöste Fälle, und das sind nicht unbedingt X-Akten, sondern ganz andere Probleme, z.B. dass kleinere Unternehmen oder Startups oft noch keine Kreditkarten bekommen – und genau hier lagen die Möglichkeiten, erklärte Spannagl. “Wie findet man neue Produkte? Indem man die Geschäftsmodelle dahinter versteht”, so Grothmann, dann erkennt man auch, wo der Need hingeht. Während der Pandemie mussten z.B. trotzdem schnell Kreditkarten möglich sein, berichtete Jenke, und das musste man eben gerade dann so schnell wie möglich lösen. 

Fokus und Education

Über allem schwebt das Thema, dass man sein Unternehmen erfolgreich voranbringen muss. Aber darüber hinaus gibt es viele Unterschiede: “Alle Unternehmen sind unterschiedlich, das ist die größte Herausforderung”, so Jenke, “denn wir müssen individuelle Lösungen anbieten, dass sie genau passen und trotzdem ein breites Feld bedienen.” Der richtige Fokus zählt hier, denn dann kann man passgenaue Lösungen zuschneiden. Der Spagat zwischen flexibler Individuallösung und standardisiertem All-In-One-Produkt ist immer dabei, erklärte Lesch. 

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Fokussierte und individualisierte Ansprache ist hier besonders wichtig, wie Spannagl betonte, aber sie hebt auch den Aspekt Education hervor: “Es gibt immer mehr digitale Lösungen, auf die man hinweisen muss, und der Markt wird immer breiter – und jede Lösung bringt da weiter!” Und noch ein Spagat: Der Kunde braucht seine Lösung, sie muss sich aber auch für den Anbieter rentieren.   

Wenn das SME wächst und wächst…

Aber natürlich verändern sich kleinere Unternehmen und vor allem Startups auch, so Großmann, und damit ihre Bedürfnisse. Lesch erklärte: „Man muss erst mal das richtige Produkt finden, um zu helfen, das ist ja erst einmal bei jedem etwas anderes. Aber man geht dann auch mit.” Wohlfahrt sah das etwas anders, denn seiner Meinung nach brauchen sie neue Angebote, wenn sie aus dem Modell der SMEs herauswachsen. Und diese neuen Angebote kann man offerieren, wenn man auf die Infrastrukturen der Bank zurückgreift: “Man selbst muss nicht bei jedem Schritt mitgehen.” Natürlich können Kunden auch zu groß oder zu klein sein, so Spannagl, oder das Produkt passt einfach nicht (mehr) – Ehrlichkeit ist hier gefragt. Allerdings muss man kontinuierlich überlegen, was das Produkt genau ist, denn natürlich verändert sich auch viel und macht wieder anderes möglich. 

Alle auf Angriff?

Wer geht hier auf Angriff? Jenke sieht hier die FinTechs darin vorne, dass sie oft schneller und individueller Lösungen anbieten können – aber das muss kein Angriff sein. Wohlfahrt sieht den Fokus ebenso eher auf Kooperation statt Angriff: “Die Banken haben sich jahrelang ausgeruht – und die neuen Player haben endlich wieder etwas Bewegung reingebracht!” Für Spannagl bedeuten die neuen Produkte zwar auch Angriff, aber noch viel mehr neue Chancen – und die sind letztlich für alle offen.

Grothmann berichtete, dass man heute den Sinn hinter dem Modell viel weniger erklären muss: “In den letzten Jahren merkt man, wie alles zusammenwächst! Heute wollen die Leute nicht mehr zwischen verschiedenen Themen und Tools springen müssen, sondern suchen nach einer allgemeinen Lösung.”

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

All in One oder Fokus?

Wie sieht der Markt aus, was wird gebraucht? Mit diesen Fragen findet man die passende Kooperation, denn je genauer man weiß, welche Zielgruppe im Fokus steht, desto besser kann man die Services ausrichten, so Lesch.

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Für Jenke dagegen sind die All-in-one-Lösungen für SMEs nicht unbedingt das Ziel, denn viele haben schon Lösungen und brauchen nicht mehr alles. Kündigungen gibt es allerdings selten, schließlich sind Themen wie Steuern etwas, das man ungern macht. Deshalb bleibt man gerne bei den alten Lösungen, schließlich sind sie bequem. “Trotzdem, es gibt viel mehr Bewegung und viel mehr Möglichkeiten für SMEs”, so Wohlfahrt. “Wir wollen unsere Kunden langfristig binden”, erklärte Spannagl, “gerade Kreditkarten will man ja nicht jeden Monat neu ausgeben. Deshalb muss man das genau passen.”

Vertrauen mit Expertise und Content

Sogar Preiserhöhungen schrecken Kunden nicht ab, wie Grothmann erzählte. Natürlich spielen auch aktuelle Themen wie Inflation mit hinein, Spannagl legt Wert darauf, dass man gerade in der Krise ebenfalls ein guter Partner ist. Aber auch in der Krise unterscheiden sich die verschiedenen Kunden, erklärte Wohlfahrt, deshalb gibt es keinen allgemeinen Beratungsbedarf. Für Jenke nicht unbedingt so, aber sie setzt den erhöhten Beratungsbedarf schon lange vor den Krisen der letzten Zeit an. 

Vertrauen ist natürlich auch hier ein Thema. Wolfahrt berichtete, dass den Kunden gefällt, dass hinter Fyrst die Deutsche Bank steckt – nicht so gut gefällt ihnen, wenn sich z.B. die Gestaltung des Logins nur ein wenig ändert. Und natürlich müssen die Berater:innen passen, und sie müssen echte Expert:innen in ihrem Fachgebiet sein. Content ist übrigens auch wichtig, so Grothmann: “Auf unseren Blog schauen inzwischen sogar Steuerberater lieber als in Fachzeitschriften. Aber darum muss man auch viel Mühe und Arbeit reinstecken.” Und andere Anbieter aus Europa? Können eine Gefahr sein – oder eine neue Herausforderung. 

Case solved – Wie die Startup-Bewegung gelingen kann

Case #: BEX230622STARTUPCASECLOSED

Ref.: No more secrets – die Zusammenarbeit von Raisin und wallis

Agent:innen:

  • Katharina Lüth (Raisin) 
  • Martin Schaffranksi (wallis)
Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Gelöste Fälle, neue Brücken

Diese (BE)X-Files lösen auch Fälle bzw. sorgen für exklusive Verkündungen – wie bei der Zusammenarbeit von Raisin und wallis, die von Katharina Lüth und Martin Schaffranksi auf der BEX bekanntgegeben wurde. Raisin sorgt für Spar- und Investmentprodukte, und Lüth erklärte: “Wir bieten Banken einfachen Zugang zu Retail-Produkten. Dafür gibt es einfache Anbindungsmöglichkeiten.” Für den Kunden sind das ganz neue Produkte, aber wie Schaffranski betonte: Die Entscheidung muss die jeweilige z.B. Sparkasse dafür treffen, dann kommt die Beratung dazu. 

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Ab dann soll es so leicht wie möglich gehen, eben durch eine gute Schnittstelle, die man ganz einfach anbinden kann. Wie sehen die bisherigen Learnings auch? “Da gab es eine Menge”, so Schaffranski. “Vor allem flexibel auf neue Ereignisse reagieren. Aber wir haben immer an die Zusammenarbeit geglaubt, und das hat geklappt. Wir bauen dadurch die Brücke zwischen den verschiedenen Teilnehmenden.”

Das Universum des Kundens

Lüth gefällt vor allem, dass wallis so viel Flexibilität mitbringt, deshalb freut sie sich so auf die weitere Zusammenarbeit. Und es geht um echte Integration, das Ganze findet nicht einfach am Rand statt. “Eine solche Partnerschaft braucht natürlich auch Zusammenarbeit auf kommerzieller Ebene”, so Lüth. Den Kunden interessiert es meist gar nicht, woher die Angebote stammen und von wem, er erlebt das alles in einem Universum, und das muss funktionieren.  Und gerade für ihn ändert sich auch wieder vieles: Die steigenden Zinsen z.B. werden viele Kunden bald wieder zurückführen und man kann sie wieder langfristig binden.

Keynote: Spurensuche zu europäischen Fintech-Champions „made in Germany“

Case #: BEX230622GERMANFINTECHCHAMPIONSANYWHERE?

Ref.: Aliens oder irdisch – die Suche nach Fintech-Champions made in Germany

Agenten:

  • André Jerenz (McKinsey & Company) 
  • Max Flötotto (McKinsey & Company) 
Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Neue Erkenntnisse über Fintechs

Die Special Agents André Jerenz & Max Flötotto von McKinsey & Company haben sich auf die Suche nach dem noch viel zu unbekannten Wesen der europäischen und deutschen Fintechs begeben – und viele Erkenntnisse mitgebracht.

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Dafür haben Flötotto und Jerenz mit vielen Fintechs gesprochen und können berichten, dass sich schon viel geändert hat, z.B. weil Investoren heute besser zuhören, wenn es wenig Gewinn durch den einzelnen Kunden gibt – das war früher noch nicht so. 

Fintechs bieten zahlreiche positive Effekte, wie geringere Kosten für Kunden. In Deutschland gibt es aber immer noch bestimmte strukturelle Gegebenheiten, die international oft ganz anders aussehen. Das liegt an der geringen Anzahl von Gründungen im Vergleich zu UK oder Schweden, obwohl viel Geld und Energie in Wissenschaft und Forschung gesteckt wird. Dazu kommen geringere Investitionen und sehr wenige Unicorns auf dem Markt. Jerenz betonte: “Das Potenzial wäre da, aber dafür bräuchte es mehr Investitionen.”

Das Mindset von oben

Zu den deutschen Problemen kommt außerdem, dass Deutschland zu wenig Magnet für Talente ist, außerdem ist das regulatorische Umfeld nicht ideal und es gibt spezielles Kundenverhalten. Dabei gibt es vor allem in der Regulatorik erste Bemühungen, dieser Situation gegenzusteuern. Wichtig wäre es, Talente und Champions zu fördern und das vor allem in der Politik als wichtig anzusehen – so wie das in Frankreich geschieht.

Denn zumindest das Mindset hat sich hier entscheidend geändert: Seit Jahren gibt es in Frankreich spezielle Maßnahmen, um mehr Unicorns zu entwickeln, wie die Zielzahl von 25 Unicorns im Jahr 2025. Bisher gibt es 22, die Richtungserklärung von oben hilft da also sehr. Flötotto geht davon aus, dass sich das in nächster Zeit auch in Deutschland positiv weiterentwickeln wird – selbst wenn man es nicht ganz sicher sagen kann.

Kryptid? Krypto! Trendspotting mit Visa

Case #: BEX230622UNKNOWNKRYPTO?

Ref.: Sind Kryptos Kryptide für uns?

Agentin:

  • Maike Hornung (VISA)  
Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

 

Mehr über Krypto-User

Was hätten Mulder und Scully zu Krypto, NFTs und Co. gesagt? Wahrscheinlich wäre ihnen das aus Sicht der 90er sehr seltsam vorkommen, aber sie hätten dem sicher nachgeforscht. Agentin Maike Hornung konnte jedenfalls mehr enthüllen. Kryptide sind übrigens Wesen, für die es wenig oder gar keine Beweise gibt. Krypto dagegen gibt es, aber es ist vielen noch ein Rätsel – die starken Einbrüche dagegen werden gerade viel diskutiert.  Einen Einbruch um mehr als die Hälfte, um genau zu sein, wie Hornung erklärt. Dabei ist der Kryptomarkt in den letzten Jahren um 271 Prozent gewachsen, und vor allem wollen die Menschen immer mehr darüber wissen. 

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Hornung stellt die bisherigen Erkenntnisse von VISA dazu vor. Fast ein Drittel derjenigen, die wissen, was Krypto ist, besitzen auch Krypto und haben es bereits aktiv genutzt. 39 Prozent der Krypto-Besitzer wären sogar bereit, ihr Finanzinstitut zu wechseln, um zu einem zu gehen, dass Krypto-Services anbietet. Es gibt hier also viel mehr Interesse als oft angenommen. 

Krypto-Trends weltweit

Mit Stablecoins eröffnen sich auch ganz neue Möglichkeiten, außerdem sollen Finanzservices über Code möglich werden, und NFTs machen digitalen Besitz möglich. Kunst ist hier am häufigsten vertreten: “Hier wird eine ganz neue Art des Commerce gefunden!” Inzwischen erforschen 90 Prozent der Banken weltweit die Möglichkeit von CBDC, mit zahlreich bereits laufenden Projekten oder Piloten:

“Die Banken werden immer aktiver und erforschen, was hier möglich ist.” Manche Länder, wie China, sind hier schon ein großes Stück weiter und haben zahlreiche Piloten schon sehr erfolgreich laufen.

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Die Aufgaben von VISA

VISA versucht dafür zum einen die jeweiligen Karten fit zu machen, damit man hier auch in neuen Bereichen zahlen kann, dazu möchte man es erleichtern, Krypto und Stablecoins für Produkte einzusetzen und sich überhaupt in dieser neuen Welt zu bewegen und die richtige Strategie dafür zu entwickeln. Und VISA will Teil der bereits existieren Projekte und Piloten werden – das ist VISAs Plan für die Zukunft!

They’re here! Beyond Banking Ecosysteme bringen Banking in alle Bereiche des Lebens

Case #: BEX230622BEYONDBANKING

Ref.: Mitten unter uns oder beyond? Beyond Banking ist überall

Agent:innen:

  • Nicola Breyer (OptioPay)
  • Katrin Stark (Oderbird)
  • Stefan Lang (Finanzmining)
  • Mario Thaten (Bausparkasse Schwäbisch Hall AG)

Moderator: Maik Klotz (Payment & Banking)

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Weit über Finanzen heraus

Ja, sie sind längst unter uns, die Angebote von Beyond Banking. Denn Angebote wie Uber oder Airbnb haben eigentlich nichts mit Banking zu tun, aber natürlich spielt das auch eine Rolle. Für Lang ist “Beyond Banking” alles, was auf dem Ganzen “herumtanzt”, also auch Themen wie Buchhaltung: “Aber es gibt noch Anwendungsfälle, die weit darüber hinausgehen.” Gerade Banken entwickeln neue Geschäftsmodelle einfach zu langsam, da haben Fintechs die Nase vorn, wie Breyer betonte, trotzdem ist schon viel vorhanden und müsste besser genutzt werden. Bei Schwäbisch Hall ist immer auch regionales Wissen gefragt, wie Thaten erklärte, deshalb versucht man dieses dezentrale Wissen immer gut zusammenzubringen, um dann eine gute Lösung zu entwickeln.

Gollums Schatz der Daten

Weltweit gesehen sind Themen wie Datenschutz natürlich ganz anders besetzt, und man kann nicht alle davon abhalten wie Gollum von seinem Schatz. Könnten Banken hier den Anschluss verlieren? “Banken gehen leider inzwischen immer weiter vom Kunden weg und verlieren ihn”, so Breyer. “Wenn man keine guten Angebote hat, geht der Kunde zu jemanden, der mehr anbietet.” Breyer sieht hier viele positive Ansätze in UK: “Dort passiert einfach viel, auch in der Regulatorik.” Außerdem geschieht viel in Asien, wie Stark betonte. Banken haben einen riesigen Datenpool, aber die Verticals haben oft die genaueren Daten. Gerade hier müssten die Banken reingehen. 

Zusammenarbeit als Erleichterung

Für Lang darf sich da in Sachen Daten kein Wilder Westen herausbilden, aber oft finden sich trotzdem im Ausland schon bessere Geschäftsmodelle. “Man muss aber nicht nur Produkte verkaufen, sondern Lösungen”, so Breyer. “Was braucht ein Kunde – und wofür ist er bereit zu zahlen? Das muss man vor allem klären.” Thaten betonte, dass zum einen Banking-as-a-Service wichtig ist, man zum anderen aber auch die Kundenschnittstelle zwar braucht, aber nicht immer selbst stellen kann oder muss.

Natürlich benötigt man dann auch die passenden Daten für neue Angebote. Gerade in der Kombination lässt sich viel mehr anbieten und überhaupt ermöglichen, das ist Stark wichtig. Beispiel Solarpanels: Dafür braucht man ein Energieunternehmen, um das einzuspeisen, natürlich eine Firma zum Einbau und eine Bank zur Finanzierung. Würde man sich hier stärker zusammenschließen, würde man die Prozesse enorm erleichtern. 

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Bewusstsein für Daten

So oder so: In der Mitte muss immer der Kundennutzen stehen. Am Ende ist dem Kunden etwas wie Open Banking egal, betonte Breyer, es geht hier wirklich um den Nutzen, vor allem den finanziellen Nutzen. 800 bis 1000 Euro müssten rausspringen, erklärte Breyer die Erkenntnisse einer Studie, dann würden Menschen freiwillig ihre Daten teilen. “Vielen ist gar nicht bewusst, dass sie ohnehin schon Daten teilen”, so Stark, “erst wenn jemand so ein finanzielles Angebot machen würde, würden manche das vielleicht merken.” Die Generationen unterscheiden sich hier, vor allem Jüngere glauben, dass digitale Lösungen helfen und dass man dafür Daten braucht. Der Wert für die eigenen Daten fehlt allerdings oft, ebenso dass man Daten teilen kann oder wieder zurückziehen kann. Die Regulatorik sorgt hier oft zu wenig für Datenbewusstsein und -Souveränität und schränkt eher vorsorglich ein – allerdings ändert sich hier schon vieles in Europa. 

Beyond Use Cases

Natürlich braucht es dann auf den passenden Use Case, für Lang wird hier noch viel zu viel an der Oberfläche gekratzt: “Da müssen noch viele Ideen kommen – nicht nur beyond Banking, sondern beyond Finance!” Stark sieht ebenfalls den Fokus auf dem Verbraucherbereich, vor allem bei den SMEs: “Aber Banken müssten da halt reingehen, sonst passiert da nichts.” Thaten sieht die Use Cases bei Schwäbisch Hall schon: “Aber die Herausforderung ist, dass man hier etwas bieten muss – wir müssen es in einen guten Use Case übersetzen.” Und man muss sich um die Kundenschnittstelle kümmern, sonst verschwindet sie. 

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Vor allem der Zusammenschluss, damit man alles aus einer Hand anbieten kann, gewinnt damit an Bedeutung. “Wir sehen das schon”, so Stark, “Die Banken entkommen dem nicht.” Aber nicht alles ist nur Disruption, wie Lang erklärte, manches ist auch Evolution: “Entweder hat etwas seine Berechtigung – oder es wird verschwinden. Es passiert so viel mehr als vor fünf oder zehn Jahren, und vieles wird davon noch bleiben.”

Fliegen statt Krabbeln

Breyer glaubt fest an die Umsetzung: “Wir müssen vom Krabbelalter ins Laufen kommen – und ins Fliegen. Dafür müssen die Use Cases wirklich angetrieben werden.” Und wenn nicht, sind da schon die GAFAs oder asiatische Unternehmen. “Die Macht liegt im Tun”, so Thaten, “und neben erfolgreichen Use Cases wird es auch Rückschläge geben. In fünf Jahren wird es sehr interessant sein zu sehen, was daraus geworden ist.” Das ist dann sicher auch ein Fall für die BEX 2027!

Decentralized Finance (DeFi) vs. Centralized Finance (CeFi). Ganz schön viel Finance, was und wem können wir noch glauben?

Case #: BEX230622DEFIVSCEFI

Ref.: Ganz schön vie Finance, wird es ein Kampf ums Geld?

Agent:innen:

  • Nils von Schoenaich-Carolath (Bankhaus Scheich/Tradias)
  • Sascha Rangoonwala (Coinbase)
  • Peter Grosskopf (Unstoppable Finance)
  • Sarah de Blasi (Deka Bank)
  • Alexander Bechtel (Deutsche Bank)

Moderatorin: Anika Patz (YPOG)

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Die ersten großen Use Cases

Ein epischer Kampf im Reich des Geldes? In jedem Fall diskutierte dieses Panel die Frage, wem von beiden die Zukunft gehören würde. Blockchain ist dabei natürlich eines der wichtigsten Themen, aber auch Krypto – und genau im Kryptoverwahrgeschäft sieht de Blasi auch einen der ersten großen Use Cases: “Eine Aufbaustufe ist der Handel und dass der Kunde neben der klassischen Werte auch die Krypto-Werte sehen kann – also Integration in bestehende Modelle.” Klassische Banken dürfen hier natürlich den Anschluss nicht verlieren. 

Die Breite an Produkten ist für Banken wichtig, betonte Schoenaich-Carolath, auch für traditionelle Banken: “Wir wollen beide Seiten bespielen und haben uns damit sogar einen Namen gemacht.” Zuerst braucht es komplett neue Infrastrukturen, wie Grosskopf hervorhob, vor allem weil die neuen Services auch global arbeiten:

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

“Wir können so vielleicht das beste Finanzsystem bauen, das wir je hatten. Wir wollen darüber aufklären und etwas Großartiges bauen.” Die DeFi-Welt kommt strikt definiert eigentlich sogar ohne Banken aus, aber auch für sie ließe sich eine Möglichkeit finden, wenn sie sich als Teil eines Netzwerkes sehen

Wer wird Custodian?

Custody ist ein wichtiger Faktor, wie Bechtel betontw, aber er glaubt, dass dieses Custodian vs. Not-Custodian nicht so entscheidend wird – denn die Kunden wollen das gerne abgeben. Für Schoenaich-Carolath steht im Vordergrund, dass man erst die Vorteile der DeFi klar erkennen muss, um sie dann in die CeFi-Welt zu übertragen: “Oft wollen die Kunden doch jemand aus der CeFi-Welt, der das dann die Custody übernimmt.” Grosskopf glaubt aber, dass vor allem die Risikotragfähigkeit nicht bei den Banken im vollem Maße abgebildet werden kann.

Vorteil Rückschlag

Rückschläge gibt es natürlich auch, aber man muss die richtigen Lehren daraus ziehen, da sind sich Grosskopf und Schoenaich-Carolath einig. Was man aber nicht darf: Die Technologien dahinter abschreiben: “Bei vielen Misserfolgen haben Leute drin gesteckt, die nicht die volle Erfahrung haben – je mehr man daraus lernt, desto besser.” Der digitalisierte Euro fehlt leider immer noch, beklagte Bechtel – und ohne gibt es bei allen Modellen und Produkten Probleme. Grosskopf wünschte sich hier wenigstens eine vorübergehende Alternative zum Arbeiten.

So müsste Europa nicht immer nachhinken, sondern könnte ebenfalls Anteil haben. Denn Kryptonerds mischen in jedem Fall mit, so Rangoonwala, eben sonst auch offshore – gerade deshalb braucht es eine funktionierende Regulatorik in Europa: “Ich sehe da Europa auf einem guten Weg.” Für Bechtel prallen hier aber zwei Welten aufeinander: Die Regulatorik legt Wert auf die Kontrolle, aber das System ist hier offen. 

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

“Wir müssen verhindern, dass die Geschäfte einfach dorthin abwandern, wo mehr möglich ist“, so Grosskopf, der sich selbst als Krypotrealist bezeichnet. Am besten sollte man also bei Low-Level-Regulierung anfangen, um die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, und dann darauf aufzubauen. “Ich glaube an die digitale Identität, zumindest habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben”, so Grosskopf. “Wir und vor allem die Gesetzgeber müssen einfach sehen, wo die Chance darin besteht.”

Blick in die Zukunft

Für Schoenaich-Carolath bestimmen vor allem hybride Modelle den Markt der Zukunft, vor allem wünscht er sich, dass die Kunden Möglichkeiten wie Bitcoin oder Blockchain haben, ohne das dauernd als reine Technologie wahrzunehmen, sondern Service und Produkte mit Nutzen für die Kunden im Mittelpunkt stehen.

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Bechtel hofft darauf, dass CBDC so bald wie möglich eingeführt wird und dass es bei den Use Cases nicht nur ums Traden geht, sondern auch um Modelle, die jeder braucht. Funktionalität und Zugang stehen für Rangoonwala im Vordergrund, und Grosskopf hofft auf funktionierende Synergien in der Zukunft: “Man soll die Vorteile von DeFi erkennen – da können wir uns alle noch darüber freuen!”

Demokratie durch DeFi

Grosskopf hofft einfach auf eine große Erleichterung und dass es eine “embedded Regulation” gibt, de Blasi schloß sich an und wünscht, dass das auch in den Source Code kommt. Bechtel fügte noch hinzu, dass man so auch als Retailuser andere Services anbieten kann – und das führt nicht zu neuen Möglichkeiten, sondern sogar zu einer echten Demokratisierung des Marktes. 

Podcast: Geheime Insights zur Zukunft des Geldes und des Bezahlens: Von Kryptowährungen über CBDC bis zu programmierbaren Zahlungen und der Rolle der Banken

Case #: BEX230622FUTUREMONEY

Ref.: Die Zukunft des Geldes 

Agenten:

  • Alexander Bechtel (Bitcoin, Fiat & Rock’n’Roll)
  • Manuel Klein (Bitcoin, Fiat & Rock’n’Roll)
Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Der Anker im Geldsystem

Podcasts gehören inzwischen zu den wichtigsten Medien überhaupt – und auf der BEX22 gibt es ihn sogar zu sehen! Und  zwar ganz ohne Geheimnisse und dafür mit viel Wissen! Im Moment passiert viel, wie Klein und Bechtel betonten – und das bedeutet eine echte Revolution. Denn Geld gibt es schon seit Jahrhunderten, und seit dem letzten radikalen Umstieg zu online hat sich da nicht viel verändert. Aber jetzt ein echter Quantensprung, hin zu ganz neuen Geldarten, die zu dem heutigen Geldkreislauf dazukommen, wie die Wholesale CBDC. Das bietet vor allem für die Zentralbankreserven ganz neue Möglichkeiten und vor allem viele Erleichterungen. “Die Tatsache, das wir darüber reden, dass drei neue Geldformen kommen können, ist absolut faszinierend”, so Bechtel, “Geld hat sich in den letzten Jahrhunderten kaum verändert, jetzt kommen drei neue Formen dazu!” Vier sogar, wie Klein anfügte – und das bedeutet einen riesigen Umbruch und eine echte Revolution. 

Banking Exchange 2022
Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Denn Bargeld ist das einzige öffentliche Geld, aber es geht stark zurück. Für viele Banken fordern darum eine andere Art von Anker, wie ein Konto bei der Zentralbank, damit die Öffentlichkeit damit zahlen kann. Solche Modelle würden auch anonymes und digitales Zahlen möglich machen, also neuen Value bringen – aber das wird, da waren sich Klein und Bechtel einig, noch zu wenig diskutiert.

Geld der Zukunft

Wichtig ist auch der Giralgeld Token, ein von den Banken ausgegebenes Stablecoin mit ganz neuen Möglichkeiten. Der digitalisierte Euro kommt, da ist sich Klein sicher, aber bestimmt nicht vor 2026. Hier werden gerade viele Fragen geklärt, zum Beispiel ob er auf die Blockchain gehoben werden kann. Die Anonymität bzw. die Privatsphäre sind hier wichtige Faktoren, die ebenfalls geklärt werden müssen. Da Bargeld völlig privat sein kann, hält Bechtel es für unumgänglich, dass auch neue Formen diese Möglichkeit haben müssen.

Der bisherige Euro-Stablecoin wird tatsächlich nicht in Europa ausgegeben, sondern in den USA (so ist es zumindest momentan gedacht, durch Circle). Reguliert wird er aber eigentlich in Europa, insgesamt folgen hier aber auf jeden Fall viele weitere spannende Entwicklungen. Wo liegt bei einem Euro-Stablecoin das Kreditrisiko? Wahrscheinlich bei Circle selbst, aber am Ende liegt es auch daran, wie das Ganze angelegt ist. Für die EZB ist auf jeden Fall wichtig, dass nicht jeder auf den digitalen Euro umschifft, sonst müssten sie gegenhalten – die nächste Zeit wird also nicht nur ganz neue Formen des Geldes bringen, sondern auch viele spannende Themen.

Cold Case: Banking Apps

Case #: BEX230622COLDCASEBANKINGAPPS

Ref.: Untot oder doch am Leben? Der geheimnisvolle Fall der Banking Apps

Agent:innen:

  • Stefan Brinkmann (DSGV)
  • Benjamin Michel (Finanzguru)
  • Vincent Haupert

Moderatorin: Sarah Gramberg (Deutsche Bundesbank)

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Convenience matters

Gramberg hat vor Beginn des Panels den Selbstversuch gewagt, u.a. mit Finanzguru – aber zufrieden war sie nicht, und ein Financial Home war es für sie schon mal gar nicht. Viele Apps haben bis heute noch keine Apps oder erst seit kurzem, dabei sollte das Standard sein. “Eigentlich muss man das hinbekommen”, so Brinkmann, “denn das ist eine Sache der Technik.” Tests sind hier wichtig, damit man weiß, was die Nutzer:innen denken und man deren Feedback miteinbeziehen kann. “Wir bekommen viel positives Feedback, natürlich auch manchmal negatives – wichtig ist immer, wie man damit umgeht”, so Michel – Convenience matters, das ist in jedem Fall klar!

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Ist Multibanking wirklich ein Geschäftsmodell? Das wurde auf dem Panel heiß diskutiert. Michel erklärte, dass es nicht unbedingt ein attraktives Geschäftsmodell ist, aber etwas, das man machen kann. Aber noch wichtiger ist Michel der Aspekt der Education, weil viele Nutzer:innen gar nicht all ihre Möglichkeiten kennen. Hier sollen Apps ebenfalls helfen, damit Nutzer:innen stärker begreifen, was für sie möglich ist.

Was passt in eine App?

Welches Features generiert am meisten Kunden? Ausgerechnet ein Rückblick auf die Finanzen, den man auch auf Instagram posten kann, gehört gerade zu den beliebtesten Features. Manchmal werden Apps aber auch immer “voller”, weil jeder Service integriert wird – das kann problematisch werden. Immer mehr früher kostenfreie Dienste verlangen inzwischen Geld, aber oft ziehen die Leistungen nicht im gleichen Maße nach. “Letztlich ist den meisten User:innen nur wichtig, dass es funktioniert, convenient ist und man sich nicht viel darum kümmern muss”, so Michel. Die Innovationskraft bei diesen Apps lässt in letzter Zeit stark nach, das fällt ihm stark auf. 

Satelliten-Apps und Co.

Man kann nicht alles in eine App packen, betont Brinkmann, denn das mag vielleicht für die App gut sein, aber nicht mehr für die User:innen. Deshalb gibt es beispielsweise auch so viele Sparkassen-Apps. “Wir sammeln hier aber auch ein – und bauen gleichzeitig neue”, so Brinkmann. “Wir wollen so wenig wie möglich und so viele wie nötig – das ist ein Satelliten-Konzept.”

So kann der Kunde am Ende das für sich Beste zusammenstellen. Um den Kunden zu halten, muss ihm der Nutzen der jeweiligen App bewusst sein. Bei Banking ist alles viel komplexer als zum Beispiel bei Instagram, deshalb kann man oft nicht alles in eine App bauen bzw. das sofort lösen. 

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Aber wenn 98 Prozent der User:innen nur das Konto aufrufen und lediglich 2 Prozent etwas anderes mit der App machen, warum beschäftigen sich die Banken überhaupt mit anderen Features? Brinkmann glaubt trotzdem daran, denn sonst suchen Kunden einfach per Google – also sollte man hier proaktiv Vorschläge machen, auch wenn nicht jeder sofort angenommen werden wird. Könnten Push-Nachrichten eine App sogar überflüssig machen? Theoretisch ja, aber trotzdem gibt es auch darüber hinaus viel Nutzung – viele nutzen die App sogar täglich. Brinkmann denkt über Konzepte nach, die Kunden länger in ihrem Leben begleiten, statt beispielsweise erst die App für Jugendliche und später eine andere für ältere User:innen anzubieten. Vielmehr sollte die jeweilige App sich an die User:innen anpassen können: “Das ist eher konzeptionelle Arbeit als technische!” Die App, die sich immer anpasst also – und dann vielleicht das ersehnte Financial Home bietet.

Die Ermittlungen des ersten Tages sind abgeschlossen!

Was ein Ermittlungstag. Viele Fallakten haben wir uns vorgenommen und es würde viel diskutiert. 250 Menschen sind am ersten Tag ins Maindock nach Frankfurt gekommen, über 1000 Leute alleine im Stream – das war wirklich eine fulminater erster Veranstaltungstag! Danke an alle, die das möglich gemacht, vor allem geht aber unser größter Dank an unsere Sponsoren, unserem Knowledge Partner McKinsey & Company und unsern Medienpartnern, ohne die das alles niemals möglich gewesen wäre.

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Banking Exchange 2022
Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

Das Payment & Banking Team sagt DANKE—einfach für euch!!!

Banking Exchange 2022 – Maindock Frankfurt (Credit: Helena Heilig)

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