Deutschland als attraktiver Markt: Immer mehr ausländische Unternehmen buhlen um die Kunden

Immer mehr ausländische Fintechs, Challengerbanken und Anbieter für KMUs sind in Deutschland aktiv oder kündigen ihren baldigen Start an. Das war eine zu erwartende Entwicklung, denn in ihren Heimatmärkten haben sie vielfach (auch mit Hilfe von Investorengeldern) mittlerweile eine Größe erreicht, die es für sie interessant macht, nun auch hierzulande Fuß fassen zu wollen und den deutschen Markt, immerhin die größte Volkswirtschaft in Europa, zu erobern.

Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Für die nationalen Fintechs und Neo-Banken bedeutet das jedoch, künftig nicht mehr nur gegen die lokale Konkurrenz um die Gunst der Kunden zu kämpfen, sondern auch gegen die Anbieter aus dem Ausland. Vorteil der deutschen Fintechs: Sie haben die Nase vorn, wenn es darum geht, die nationalen Eigenheiten der deutschen Kunden einzuschätzen und ihre Bedürfnisse zu bedienen. Daran haben sich bekanntlich schon viele Unternehmen die Zähne ausgebissen.

„Es ist noch viel Platz für weitere Anbieter“

Wie sehr die internationale Konkurrenz während der Expansionsphase ihre Angebote daher an die Gepflogenheiten und Erwartungen der deutschen Kunden anpassen müssen, wird sich in der nächsten Zeit zeigen. Ein einfaches Copy-paste wird die Strategie nicht sein. Gegenüber Payment&Banking sagte Qontos Country Manager für Deutschland, Philipp Pohlmann, Anfang des Jahres: „Es ist noch viel Platz für weitere Anbieter. Vermutlich werden weitere folgen.“

Deutschland als attraktiver Markt: Immer mehr Unternehmen aus dem Ausland buhlen um die Kunden / Germany as an attractive market: More and more foreign companies court for customers

Pohlmanns Prognose ist richtig und wir haben einmal zusammengefasst, welche Unternehmen seit Jahresbeginn ihre Zelte in Deutschland aufgeschlagen haben. Und welche noch folgen wollen.

Qonto
Bereits im Januar kündigte Qonto, die französische Business-Bank für KMUs und Freiberufler, ihren Start in Deutschland an. Getestet wurde das Produkt jedoch schon eine ganze Weile unter dem Radar. Mit ihrem Service machen die Franzosen deutschen Mitbewerbern wie Kontist oder Penta direkt Konkurrenz. Auch Fyrst, das Angebot der Deutschen Bank, bläst in das gleiche Horn.

Modularbank
Fast unbemerkt eröffnete Anfang dieses Jahres das estnische Fintech Modularbank sein Büro in Berlin. Geführt wird das Unternehmen von Vilve Vene. Das Fintech mit Sitz in Tallin ist Teil der FinTech Power 50 2020, einer jährlichen Liste mit den einflussreichsten und innovativsten Personen und Unternehmen der FinTech-Branche. Modularbank ist als Spin-Off aus dem Fintech Icefire entstanden. Icefire entwickelt seit 17 Jahren Finanztechnologie für Banken und Fintechs. Das Fintech bietet eine Bankplattform an, über die sich Unternehmenskunden zum Beispiel ein neues Kreditangebot bauen lassen können.

Konkurrenz aus Russland

Finom
Mit dem russischen Fintech Finom setzt ein weiteres Unternehmen mit einem Start-Investment in Höhe von 6,5 Millionen Euro zum Sprung nach Deutschland an. Finom vereint Buchhaltung, Finanzverwaltung und Bankfunktionen für Unternehmen in der Frühphase und KMUs in einem“mobile-first“-Produkt.

Deutschland als attraktiver Markt: Immer mehr Unternehmen aus dem Ausland buhlen um die Kunden / Germany as an attractive market: More and more foreign companies court for customers

Unternehmen können in relativ kurzer Zeit ein Online-Konto mit Kreditoren- und Debitorenkonten sowohl über die App als auch über die Website einrichten. Das Unternehmen wurde von dem Team gegründet, das bereits die Modulbank, die „Neobank“ für KMUs in Russland, zum Leben erweckt hat.

Vivid Money
Konkurrenz für N26 kommt aus Russland mit Vivid Money,  das den Kunden neben einem Girokonto und einer kostenlosen Visa-Debit-Karte insbesondere Spar- und Anlageprodukte bieten will. Den Kunden bietet das Unternehmen der beiden Gründer Alexander Emeshev und Artem Yamanov die Wahl zwischen dem kostenlosen Konto Vivid Standard sowie der Premiumversion Vivid Prime. Beide Gründer kommen aus dem Tinkoff Bank-Management und wollen zunächst in Deutschland Fuß fassen, ehe weitere Expansionspläne innerhalb Europas konkret werden. Vivid Money hat seine Büros – bestimmt kein Zufall – in Berlin bezogen. Für die Bereitstellung der Leistungen arbeitet Vivid Money mit der solarisBank zusammen, die die Banking-Infrastruktur zur Verfügung stellt.

Internationale Fintechs starten in Deutschland

Viva Wallet
Das griechische FinTech Viva Wallet kommt nach Deutschland. Vom Standort Berlin aus leitet Yannis Salavopoulos als Country Manager die Expansion. Viva Wallet bietet Händlern ein Zahlungspaket, das einerseits die Online- und Offline-Kartenakzeptanz ermöglicht und andererseits Debitkarten für den Händler umfasst. Über ein Kickback-System werden die Ausgaben mit der Debitkarte mit den Transaktionsgebühren für die Kartenakzeptanz verrechnet.

Mollie
Bereits 2020 soll Deutschland der wichtigstes Markt für das niederländische Unternehmen mollie werden. Aktuell nutzen schon etwa 65.000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) die cloudbasierte Plattform von Mollie zur Abwicklung des Online-Zahlungsverkehrs. Mit einem Investment will das Unternehmen aus Amsterdam, das bislang nur eine kleine Dependance in Deutschland unterhält, auf dem hiesigen Markt durchstarten. 

Cobee

Als Konkurrenz zu Spendit und Lunchio will in diesem Jahr die spanische App Cobee hierzulande starten. Das spanische Startup hat eine App entwickelt, mit der Unternehmen für ihre Mitarbeiter Rabatte (etwa bei Fitnessstudios) oder Zuschüsse zu Mahlzeiten verteilen können. Mit der kostenfreien Testversion von Cobee soll es unter anderem Rabattcoupons bei Marken wie Zalando, Ikea oder Nike geben.

Deutschland als attraktiver Markt: Immer mehr Unternehmen aus dem Ausland buhlen um die Kunden / Germany as an attractive market: More and more foreign companies court for customers

Bis Ende des Jahres solle die Premiumversion jedoch ausgerollt werden, berichtet Finance FWD im Vorfeld exklusiv.

Vanguard
Laut FinanceFWD mehren sich die Anzeichen für einen Start des US-amerikanischen Vermögensverwalters Vanguard in Deutschland. Im Finanzmagazin heißt es, dass sich Vanguard mit einem eigenen Robo-Advisor auf den hiesigen Markt wagen will. Diese Gerüchte sind dahingehend mindestens wert, sie im Auge zu behalten, da Vanguards Konkurrent Blackrock, immerhin größter Asset Manager der Welt, in den deutschen Robo-Advisor Scalable Capital investiert ist. Laut Bericht soll ein kleines Team in Berlin bereits an dem geheimen Projekt arbeiten.

Autor
Die studierte Soziologin und Medienwissenschaftlerin beobachtet, analysiert und schreibt als Journalistin seit vielen Jahren über die Startup- und Fintechszene. In der Vergangenheit arbeitete sie für führende on- und offline für Gründer- und Wirtschaftsmedien im In- und Ausland, moderiert, schrieb mit... mehr

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