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# Agentic Commerce: Ist unser Recht bereit für KI-Agenten?
- URL: https://paymentandbanking.com/agentic-commerce-ist-unser-recht-bereit-fur-ki-agenten/
- Published: 2026-09-02T06:31:09.000Z
- Updated: 2026-09-02T06:55:26.000Z
- Description: KI-Agenten suchen nicht mehr nur, sie entscheiden und kaufen selbst. Frank Müller von Annerton erklärt, wem diese Entscheidungen rechtlich zugerechnet werden und warum das Mandat dabei zum entscheidenden Faktor wird.
- Author: Dana Wondra
- Tags: Podcast

Agentic Commerce verändert gerade eine ziemlich grundlegende Sache im Onlinehandel: Wer trifft eigentlich die Entscheidung? Bislang suchen digitale Dienste Produkte oder Flüge heraus, am Ende klickt aber der Mensch auf „Kaufen“. Bei KI-Agenten kann genau dieser letzte Schritt entfallen.

Der Nutzer gibt beispielsweise nur noch vor: Flug nach Barcelona, maximal 300 Euro, vormittags und ohne Zwischenstopp. Welcher Flug es wird, entscheidet der Agent. Und genau hier wird es rechtlich spannend.

## Kann eine KI überhaupt Verträge schließen?

Nach geltendem Zivilrecht kann eine KI nicht selbst Vertragspartner oder Stellvertreter sein. Hinter einer Willenserklärung muss weiterhin eine natürliche oder juristische Person stehen. Deshalb stellt sich die Frage, wem das Handeln des Agenten zugerechnet wird.

Im Podcast beschreibt Frank dafür verschiedene Modelle: von der klassischen Stellvertretung über die Botenschaft und Computererklärung bis zur sogenannten Blanketterklärung.

Besonders interessant ist das Mandatsmodell. Dabei entscheidet der Nutzer nicht jedes Detail selbst, sondern steckt einen Rahmen ab. Innerhalb dieses Rahmens darf der Agent eigenständig handeln.

## Das Mandat setzt der KI Grenzen

Damit wird entscheidend, was der Nutzer seinem Agenten tatsächlich erlaubt hat: Wie viel darf er ausgeben? Bei welchen Händlern darf er kaufen? Welche Bedingungen muss er beachten?

Frank bringt es auf einen einfachen Grundsatz: Der Agent sollte nicht mehr können, als der Nutzer nachweisbar delegiert hat. Genau deshalb werden technische Protokolle wichtig, die solche Mandate und Limits maschinenlesbar und später auch beweisbar machen.

Das wird spätestens relevant, wenn etwas schiefläuft. Bucht der Agent statt des erlaubten 300-Euro-Flugs einen für 450 Euro, stellt sich die Haftungsfrage. Wer dafür einstehen muss, hängt unter anderem davon ab, welches rechtliche Modell verwendet wird und ob die Überschreitung des Mandats erkennbar war.

Für Anbieter von Agentic-Commerce-Lösungen heißt das: Nicht maximale Autonomie sollte das Ziel sein, sondern kontrollierbare und beweisbare Autonomie. Nutzer, Agent, Anbieter und Händler müssen eindeutig identifizierbar sein, Mandate und Limits klar definiert und Entscheidungen nachvollziehbar dokumentiert werden.

Die gute Nachricht: Viele Instrumente sind bereits vorhanden. Die größere Herausforderung liegt darin, sie auf autonome KI-Agenten zu übertragen.

Und nach dem Vertragsschluss kommt der nächste spannende Punkt: Wie darf ein KI-Agent eigentlich bezahlen? Genau darum geht es in der nächsten Folge von „Alles Legal – FinTech Recht kompakt“.