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10 Fragen an die Mitglieder der Jury des FinTech des Jahres 2015 – Joachim Jürschick

von André M. Bajorat / vom 9. Dezember 2015

Joachim JürschickWer bist Du und was machst Du?

Joachim Jürschick, Chefredakteur IT Finanzmagazin – früher bei PC MOBIL, PC PRO, ComputerBild, EMOS (heise) und geldinstitute & versicherungsbetriebe. Computerfreak seit 1981.

Deine Berührungen mit FinTech?

Als IT-Redakteur für die Finanzwirtschaft gehören FinTechs und moderne Bankenentwicklungen zu den täglichen Themen.

Wie war das Jahr 2015 für die FinTech Branche?

Es war ein wenig wie im Kino: Seit Anfang 2015 hat der Film zwanzig Handlungsstränge und es zeichnen sich die ersten Zusammenhänge ab. Man ahnt, dass „die Schurken“ etwas Großes im Schilde führen (Stichwort: Financial Innovation Now). Aber das es nicht die Banken sein werden, wird die überraschende Wendung in 2016.

Was erwartest Du im Jahr 2016 im Bereich FinTech?

Ich erwarte Apple- und AndroidPay in Deutschland, Facebook mit einem mächtigen Antritt und Googles Eintritt in die Versicherungsberatung – auch in Deutschland. Außerdem werden wir die ersten echten FinTech-Banking-Hubs sehen. Es wird eine deutliche Zunahme der Kooperationen zwischen Banken und FinTechs geben – und ich fürchte auch das Abwandern einiger FinTechs nach UK. 2016 wird sich die Konsolidierung der FinTech-Szene verstärkt fortsetzen.

Ein Schwerpunkt der Entwicklungen sehe ich auch bei den InsurTechs. Dort vor allem im Bereich Telematik, Assistance und P2P-Insurances.

Ganz wichtig: Es wird harte Kämpfe um Köpfe geben. HR wird eine Bremse.

Über welches FinTech-Modell wüsstest Du gern noch mehr?

SmartContracts und FinTechs, die sich mit Kognitiven Systemen beschäftigen. Beide Themen werden eine weitere digitale Revolution auslösen.

Was unterscheidet FinTech von anderen Tech-Bereichen?

a.) Bewundernswerter Idealismus und Frische. Der Glaube und Wunsch etwas besser machen zu wollen.

b.) Enormer Schwerpunkt auf UX.

c.) Geringe Regulatorik. Auch die FinTechs werden sich bald mit der BaFin arrangieren müssen.

d.) Noch ist vieles leicht kopierbar (Stichwort: Hohe Copycat-Gefahr).

e.) Manches Geschäftsmodell scheint nicht auf Marktzahlen zu basieren und keine echten Umsätze anzustreben (Stichwort: Exit-Strategie).

Welche Bank hat bisher die beste Strategie im Umgang mit der wachsenden Digitalisierung und ggf. in der Zusammenarbeit mit FinTechs?

Allen voran die API-Banken: Wirecard, Sutor, biw, … Außerdem sind die Direktbanken die natürlichen Verbündeten der FinTechs. Und auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, der DSV und die Genos (Sparda Banken und DZ Bank) sind gar nicht so schlecht mit FinTech-Kooperationen unterwegs. Um die Bank-Inkubatoren ist es gefühlt etwas stiller geworden.

Werden Retailbanken in der Form von heute im Jahr 2020 noch da sein?

Ja und nein. Die Frage wäre eher „Wie viel Veränderung werden wir bei den Retailbanken in vier Jahren sehen?“ Retailbanken werden sich in Richtung eines kundenorientierten Einzelhandels ändern. In den Städten etwas mehr, auf dem Land etwas weniger. Aber alles sehr behutsam und durchdacht. Das wird auch sehr von der Technologieaffinität der jeweiligen Vorstände abhängen. Eine VR Bühl, Sparkasse KölnBonn oder Sparda Bank Hamburg werden immer ganz vorne mit dabei sein. Es wäre falsch Retailbanken und Sparkassen als monolithische Gebilde zu verstehen.

Insgesamt wird sich die Digitalisierung als Diversifizierung zeigen. Insofern: „Ja“, wir werden einzelne Banken sehen, die sich überhaupt nicht ändern und „Nein“, wir werden Retailbanken sehen, die Digitalisierung leben – Kundenorientiert wie Einzelhändler agieren, auch im Außendienst sind, mit In-Shop-Konzepten auffallen und Dienstleistungen anbieten werden, die nicht direkt etwas mit Banking zu tun haben werden. Entsprechende Entwicklungen hin zu bankfernen Leistungen gibt es schon seit Jahren im Ausland. Dabei wird ein neuer Schwerpunkt bei „Trusted Services“ liegen.

Alle diese Entwicklungen haben ihren Sinn, ihre Zielgruppe und ihre Berechtigung.

Welche Bereiche der Bank werden in Zukunft über die Blockchain abgewickelt?

Das spielt eigentlich keine wirklich große Rolle. Zum einen, weil die Entwicklung noch lange Zeit brauchen wird. Zum anderen weiß ich von mindestens 3+1 großen, relevanten Blockchain- oder Blockchain-ähnlichen Entwicklungen, die das System als Spartenlösung für die Finanzwirtschaft entwickeln. Diese Systeme werden wohl per Middleware an Kernbanksysteme gekoppelt werden und schrittweise Aufgaben übernehmen. Im Kern bleibt es aber eine Bankangelegenheit. Deshalb wird sich auch nach außen dadurch nicht viel ändern. Es wird einfach nur eine Erweiterung der Bank-Technologie werden, auf die Nicht-Banken nur in Kooperation Zugriff bekommen werden.

Viel mehr Sprengkraft als in der Blockchain sehe ich bei der PSD2.

Wo trifft man dich im Jahr 2016?

Im ersten Halbjahr am 2.2. natürlich bei der Preisverleihung zum „FinTech des Jahres“ (BTT), der CeBIT (da soll es in diesem Jahr einen Innovations-Bereich geben), dem CIBI, dem Bankathon 2016, dem FI- und dem Managementforum FI-TS, der COM16, bei GFT (die wird in Stuttgart den CODE_n-Nachfolger präsentieren) und ich würde auch gerne mal eine FinTech-Tour in Berlin machen. Im zweiten Halbjahr freue ich mich extrem auf die Innotribe@SIBOS in Genf.


Hier die Übersicht der Jury.


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