Wem gehören unsere Daten?

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Gedanken zu einem souveränen Daten-Management – Teil 1

Ist Datensouveränität die passende Antwort Europas auf unkontrolliertes Big-Data-Treiben? Oder die Emanzipation des Kunden durch Datensouveränität?

Seit Jahren begleiten uns auf der einen Seite, vor allem in der immer digitaler werdenden Alltagswelt, die Themen “Big-Data” und seine Brüder AI und Machine Learning und Daten- und Verbraucherschutz auf der anderen Seite. Leider sind alle Begriffe nicht nur positiv belegt, sondern werden häufig eher wie ein Pickel am Allerwertesten behandelt. Niemand so scheint es, will sich richtig mit dem Thema beschäftigen, dabei wäre es so wichtig über die Vor- und Nachteile von Big Data und die Bedeutung von Datensouveränität zu diskutieren.

André und Maik von Paymentandbanking haben diese Diskussion geführt. Zu Grunde liegt die Frage, was ist eigentlich so schlimm am Thema Big Data?

Wem gehören unsere Daten? Gedanken zu einem souveränen Daten-Management - Teil 1

Big Data – warum immer so negativ sein?

Die Diskussion über Big Data oder Machine Learning hat mit dem Wahlkampf in den USA seinen Höhepunkt erreicht, hieß es doch, dass der Wahlkampf in großen Teilen darauf ausgelegt war, auf Basis von Daten zielgruppengenau Ebendiesen zu betreiben, wenn nicht sogar zu manipulieren. Trotz der Relativierung von Sascha Lobo bei Spiegel Online hat Big Data keinen guten Ruf. Wir diskutieren darüber ob man dieses wichtige Thema nicht auch anders betrachten und im besten Fall ein positives Erlebnis bei gleichzeitigem Mehrwert für die Beteiligten schaffen kann?

André glaubt, das es möglich und nötig ist. Er ist der Ansicht, dass es sich bei Machine Learning und Big Data nicht um einen Hype oder ein vorübergehendes Phänomen handelt, sondern in Zukunft (eigentlich schon jetzt) unseren Alltag beschreibt und die Nutzer, die Angebote und vor allem die nötige Technik, bereit sind.

Maik sieht in der Thematik Chance und Gefahr zugleich und glaubt das es notwendig ist, den Wert der eigenen Daten zu erkennen, denn nur so kann man sich bewusst darüber werden was man von sich, für welche Gegenleistung preisgibt.

Maik:
André ist als Evangelist für Big Data unterwegs, während gleichzeitig Edward Snowden vor dem Einsatz von Alexa und Co warnt. Sind die Nutzer wirklich Herr und Frau über ihre Daten oder ist das nur Augenwischerei?

Ist Transparenz die Lösung?

André:
Na ja, lass mich so sagen:
Bisher werden Daten oft eher heimlich oder unsichtbar genutzt. Transparenz wäre schon ein echter Fortschritt und würde bei mir sehr viel Vertrauen und Bereitschaft schaffen, ggf. auch mehr Daten zu teilen.

Maik:
Damit sagst Du ja schon alles: Transparenz wäre ein echter Fortschritt. So wie die Transparenz der Datenschutzbestimmungen bei z.B. Facebook, Instagram und Co. Die Frage ist: Wer hat denn Interesse an Transparenz? Die Datenerhebende Industrie sicher nicht. Dort wird es nach dem Motto gehen: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Die aus meiner Sicht viel wichtigere Frage ist: Was ist der Nutzen für den Konsumenten? Ist dieser hoch genug, wird er bereitwillig alle Daten zur Verfügung stellen. Anders ausgedrückt: Die Schlacht bei Big Data wird beim Kundennutzen entschieden.

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André:
Da hast Du nicht unrecht und zugleich bist Du damit sehr tendenziös. Ich glaube an Transparenz by design und bin fest davon überzeugt, dass wir hier in den kommenden Jahren eine Veränderung auf allen Ebenen erleben werden. Der breite unkontrollierte und intransparente Zugriff wird nicht mehr der Standard der Zukunft sein. Vielmehr werden wir erleben, dass auch die großen “Datenkraken” transparenter werden und natürlich wird es der Kundennutzen sein, der uns alle zum Teilen animiert.

Maik:
Dein Wort in Gottes Gehörgang, aber was macht dich so sicher?
Die Frage die sich mir stellt: In Zeiten in denen persönliche Daten das neue Gold werden, ist es nicht an der Zeit für eine Daten-Währung und ein Vergütungsmodell?

André:
Sicher is nix, ausser der Rente 🙂
Nein im Ernst – es ist eine Beobachtung, da das Thema gerade an verschiedensten Stellen in den Fokus gerät und wie oben auch beschrieben, Techniken und neue Rahmenbedingungen da sind bzw. geschaffen werden, die genau für diese Transparenz sorgen.

Ist es wirklich Zeit für eine Datenwährung, ein Vergütungsmodell? Haben wir dies nicht schon heute? Aber Du hast recht, ggf. ist auch das nur ein Teil oder besser eine weitere Ausprägung der wachsenden Transparenz.

Maik:
In Teilen haben wir das sicher schon heute. Wenn du deiner Versicherung deine Fitness-Tracker Daten zur Verfügung stellst, bekommst du einen Bonus – bei immer mehr Krankenversicherungen. Wenn ich als Kunde einen Vorteil habe ist alles fein, kann jeder für sich selbst entscheiden was er nutzen möchte. Die Grenze zum Nachteil verschwimmt aber vielleicht. Werden in Zukunft unsportliche Menschen bestraft? Was wir brauchen ist eine offene Diskussion darüber was Datensouveränität bedeutet. Mit allen Vor- und Nachteilen. Big Data darf nicht zum Nachteil des Nutzers werden und ein Bonus kein Anreiz um seine Daten preiszugeben. Du bist mit figo ja mittendrin – wie schützt ihr euch davor nicht der Teufels Advokat zu sein? Schließlich kann man mit eurer API ja auf Bankkontos zugreifen und die dort hinterlegten Daten sagen ja nicht wenig über einen selbst aus.

André:
Deine Aussagen haben einen leicht negativen Unterton – in der Tat geht es um rechtzeitige und verständliche Aufklärung und damit einhergehend um die Schaffung einer neuen Basis an Datenverständnis. Was wir von unserer Seite tun ist, dass wir versuchen dem Nutzer so klar wie möglich zu machen was er, wo und mit wem teilt und vor allem die Möglichkeit zu schaffen an vielen Stellen, Rechte und Zugriffe nachzuverfolgen und auch wieder entziehen zu können.

Wem gehören unsere Daten? Gedanken zu einem souveränen Daten-Management - Teil 1

Fazit

Wurde bisher immer so getan, als werden Daten ohne das Wissen und damit intransparent für den Nutzer, von den bösen Anbietern genutzt, entwickeln sich schon seit einiger Zeit andere Angebote und auch der Mindset der verschiedenen Beteiligten (IT-Gipfel 2016: Merkel plädiert für „Datensouveränität“ statt Datenschutz) ändert sich langsam.

Allerdings ist ein Umdenken auf sehr vielen Eben nötig, damit aus dem Thema Datenschutz ein Paradigmenwechsel zur Datensouveränität wird. Nicht zuletzt, muss es einen Bildungsauftrag des Gesetzgebers in Sachen Datenschutzwahrnehmung des Verbrauchers geben. Damit einhergehend auch die indirekte Förderung der Transparentmachung durch Unternehmen, durch vorab-kritische Verbraucher (und keine Danach-Jammerer).

Bei Unternehmen muss, anstatt einer intransparenten Nutzung von Daten, die Transparenz / die Kontrolle für den Nutzer im Fokus stehen. Zu Beginn, während der Nutzung und vor allem auch nach Beendigung dieser, muss dem Nutzer klar und transparent aufgezeigt werden, wo und zu welchem Zweck seine Daten ge-und benutzt wurden. Zugriffsrechte auf Daten müssen wieder rückgängig gemacht werden können und auch die Historie der Nutzung muss vom Nutzer eingesehen und weitestgehend gelöscht werden können.

Für die Nutzer muss der Wert der eigenen Daten klar werden und eine Bevormundung weder in die eine noch in die andere Richtung ist sinnvoll. Niemand sagt den Konsumenten wofür sie ihr Geld auszugeben haben. Wenn Daten zur Währung werden und der Wert klar ist, sollten die Konsumenten frei damit umgehen dürfen.

Ein paar weitergehende, themenbezogene Links aus dem Netz:

 

 

3 Comments

  1. Der Nutzer muss sich vor allem klar werden, was man so alles mit seinen Daten anstellen kann – oder es zumindest versucht. Es gibt ja recht kreative Ideen, was man aus welchen auf den ersten Blick nicht relevanten Daten ziehen kann.

    Mit einem intelligenten Stromzähler kann man z.B. ermitteln, wie häufig jemand krank ist. Ok – da gibt es eine hohe Fehlerquote. Aber würde diese Fehlerquote eine Personalabteilung interessieren, wenn diese die Daten vor einer Einstellung hätte?

    Der Kollege, bei der „Wo ist mein iPhone“-Hotline gefragt wurde, ob er eine Betriebsfeier hatte und bei der Kollegin gelandet war (Ja, aber auf der Couch 😉 ) Nur auf Basis Geo-Daten.

    Oder Uber, die ermittelten, wer von den Passagieren wohl einen One-Night-Stand hatte.

    Facebook dürfte mittlerweile auch sehr viel über die Nicht-Mitglieder wissen. Die meisten auf Fotos identifizieren können. Dank „Adressbuch auslesen“, etwas Graphentheorie und Rechenleistung. Hier fehlt die Transparenz vollständig.

    Klar bietet viele Daten Zusatznutzen oder Bequemlichkeit für den Kunden – auf der Mikro-Ebene.

    Aber auf der Makro-Ebene sind Leute, die nichts zu verbergen haben eher bereit, Daten zu teilen. Ab hinreichender Anzahl an „Teilern“ werden Nicht-Teiler verdächtig, weil die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sie etwas zu verbergen haben. (Es gibt Studien dazu, fragt aber nicht mich sondern Google – oder besser ixquick – nach der Quelle. Ich vergesse, was jemand anderes sich merken kann).

    Ich bin Statistiker – und mir graut es vor den Daten. Insbesondere bzgl. Targetting im Politik-Marketing. Dazu noch ein bisschen Persuasion (vgl. Scott Adams auf dilbert.com) und die Gesellschaft als ganzes kriegt ein Problem.

    Die wenigsten Laien dürften eine Vorstellung davon haben, was da alles geht, wie manipulierbar wir sind.

    Auf Makro-Ebene donnern wir in Richtung einer Gesellschaft, die wir vermutlich so nicht wollen. Aus lauter Bequemlichkeit.

    Und jaja, ich bin auch nicht nur Opfer, sondern beruflich Täter 😉

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