Was ist FinTech? Der Versuch einer Definition

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Definition FinTechDie Frage „Was ist FinTech?“ ist in der Tat spannend und begegnet mir aktuell häufiger. Oft wird es in Verbindung mit dem ähnlich weichen Begriff „StartUp“ benutzt.

Aber ist das Richtig und was ist FinTech?

Was sagt uns das Internet – wikipedia?

„Finanztechnologie (auch verkürzt zu Fintech bzw. FinTech) ist ein Sammelbegriff für moderne Technologien im Bereich der Finanzdienstleistungen. Fintech ist ein Kofferwort und setzt sich aus den Wörtern financial services und technology zusammen. Lösungen für den Versicherungsbereich werden häufig auch als InsurTech bezeichnet.
Finanztechnologie bezeichnet neuartige Lösungen von Anwendungssystemen, die eine Neu- oder Weiterentwicklung im Finanzdienstleistungsbereich darstellen. Diese unterscheiden sich mindestens in fünf Gestaltungsbereichen. Ein erster betrifft mit der Banken- und der Versicherungsindustrie die unterschiedlichen Sektoren der Finanzindustrie. Ein zweiter betrifft den fachlichen Anwendungsbereich, wobei sich die meisten FinTech Start-up-Unternehmen häufig auf einen der Bereiche Zahlen, Absichern, Anlegen, Vorsorgen, Finanzieren oder Beraten konzentrieren. Beispiele sind etwa mobile Bezahllösungen oder Social Trading-Lösungen für den Anlagebereich. Ein dritter Bereich betrifft das adressierte Kundensegment. Beispiele sind Anwendungen für das Peer-to-Peer Lending im Retail Banking oder elektronische Marktplätze für Unternehmensfinanzierungen für das Corporate Banking. Eine vierte Unterscheidung betrifft die Interaktionsform, bei welcher etwa Community-Banking Ansätze für den C2C-Bereich oder Online Portfolio Management-Systeme im B2C-Bereich anzutreffen sind. Fünftens unterscheiden sich die Ansätze hinsichtlich ihrer Positionierung gegenüber Finanzdienstleistern. Eine erste Form sind von Banken oder Versicherungen selbst angebotenen Lösungen wie etwa Persona Finance Management-Systeme, während ein zweiter Typ auf kooperative oder konkurrierende Angebote gegenüber Banken oder Versicherungen fokussiert.“

Schon nicht schlecht und nehmen wir mal die entscheidenden Punkte raus:

  • moderne Technologie
  • Anwendungssysteme
  • Neu- oder Weiterentwicklung
  • im Bank- oder Versicherungsumfeld
  • in den Bereichen
    • Bezahlen
    • Absichern
    • Anlegen
    • Finanzieren
    • Vorsorgen
    • Beratung
    • Übergreifend
    • Infrastruktur
  • in den Segmenten
    • Retail Banking
    • Corporate Banking
    • Private Banking
    • Lebensversicherung
    • Nicht-Lebensversicherung
  • die zumeist von StartUps angeboten werden

Neben dem Internet habe ich meinen Slack Channel mit dem FinTech Ratpack befragt. Auch die Jungs taten sich nicht ganz leicht. Aber ein paar Versuche gab es doch.

Kilian Thalhammer

„Fintech beschreibt die Optimierung von Geschäftsprozessen im Financial Services Umfeld mit Hilfe moderne Technologien und Philosophien“

und weiter

„Fintech ist kein Unternehmen; Fintech ist ein „Approach“. Die Unternehmen sind FinTechs also welche die den Approach einsetzen/leben.“

Maik Klotz

„Fintech ist ein Sammelbegriff für disruptive Entwicklungen in der Finanz – und Payment-Industrie“.

und auch hier weiter

„Fintech ist der Punkrock der Finanz-Industrie“

und noch mehr

„Fintech ist nicht in Größe beschränkt. Fintech ist für mich auch nicht etwas was ein Unternehmen primär machen muss.“

Nimmt man die beiden beim Wort heisst es, dass auch Unternehmen wie Wirecard oder PayPal und Produkte wie ApplePay, SamsungPay oder Paydirekt FinTechs sind. Was meint Ihr? Was ist für euch eine sinnvolle Definition?


Nachlieferung 5.3.2016:

Habe ein paar weitere Definitionen gefunden bei Finletter:

Der Begriff Fintech setzt sich aus den Anfangsilben von Finanzdienstleistungen und Technologie zusammen. Mit Fintech wird die Branche bezeichnet, in der Finanzdienstleistungen mit Technologie verändert werden. Fintechs sind die Unternehmen, die das tun. Fintechs sind häufig Startups, aber nicht immer. (Definition von Lars Markull, Carolin Neumann & Clas Beese im Februar 2015)

Tom Dapp von DB Research

So gerät der Finanzsektor in diesen Bereichen also nicht durch eigene, der Branche zugehörige Finanzdienstleister in Bedrängnis, sondern zunehmend durch technologiegetriebene Unternehmen, die sich digital und mit großer Dynamik in den Markt für leicht zu standardisierende Finanzprodukte und -dienste drängen, um Kunden und Marktanteile zu gewinnen. Diese Bewegung wird in den On- und Offline- Medien unter dem Begriff „Fintech“ diskutiert.

Jochen Siegert

Fintechs sind Startups die mittels moderner Technologien neue Produkte oder Produktvariationen in der Finanzdienstleistungsbranche anbieten.

Meine Summary aus all dem ist:

Fintech ist mehr eine Bewegung/Mindset als ein Unternehmen.
Beziehe ich es aber auf Unternehmen, würde ich die Unternehmen als Fintechs bezeichnen, die im Bereich Finanzdienstleistung unter zur Hilfenahme moderner Technologien klassische Geschäftsbereiche in diesem Bereich „angreifen“ oder „überflüssig“ machen wollen oder aber genau diesen Finanzdienstleistern moderne Technologien für den eigenen Einsatz anbieten.  Dabei spielt das Alter des Unternehmens keine Rolle, sondern die Art des Produkts/der Dienstleistung.

 

André M. Bajorat

CEO figo GmbH bei figo GmbH
André M. Bajorat ist Unternehmer, Berater, Speaker, Business-Angel und Mentor im deutschen Startup- und FinTech-Umfeld aktiv. Aktuell ist er als CEO bei figo.io, Partner bei KI-Finance sowie im Advisoryboard von FinLeap und Cringle aktiv. Initiator der Abstimmung „Fintech des Jahres“ und des „Bankathons„.

11 Comments

  1. Definitionen sind eine Sache und als Mathematiker habe ich so einen ausgeprägten Faible dafür. Die Einordnung an sich ist allerdings ziemlich schwierig. Ich spreche da aus Erfahrung. Mein Fokus ist zwar „nur“ Frankfurt Rhein-Main (ohne Neckar), insofern „Hut ab“ für die Pflege der gesamtdeutschen Liste!!

    Sehr oft steht man vor der Entscheidung, wieviel „Fin“ und wieviel „Tech“ im Unternehmen enthalten ist.
    Das vor 20 Jahren gegründete Softwareunternehmen, welches u.a. auch ein innovatives Produkt im Angebot hat, dass die Effizienz der Wertschöpfungskette der Banken wunderbar erhöht?
    Das Finanzierungsportal mit klugen Köpfen im Hintergrund, bei denen die über das Web eingereichte Finanzierungsanfrage in der Mailbox landet, aber dann smarte Tools bei der Auswertung zum Einsatz kommen?

    Dies ist halt alles eine Abwägungssache. Man kann verfahren wie Finanzplätze in benachbarten EU-Staaten, wo im Zweifelsfall auch noch SAP-, Oracle- und Microsoft-Niederlassungen als FinTechs gezählt werden (Marketing!) oder man nimmt den konservativen deutschen Ansatz. Dieser hilft für eine realistische Einschätzung der Industrie, ist aber für den internationalen Vergleich dann wieder nicht gerade förderlich, wo wir im Wettbewerb stehen – ob wir dies wollen oder nicht.

    Über eure Meinungen oder Kommentare würde ich mich freuen.
    Um einen möglichen Einwand vorwegzunehmen: Natürlich kommt es eher auf die Qualität und weniger auf die Quantität an. Allerdings lässt sich diese schwerer messen und dies schon gar nicht mit oft künstlich aufgeblähten Unternehmensbewertungen bei internationalen Finanzierungsrunden, wo die wichtigsten Details verborgen bleiben.

  2. Häufig kommt der Einwand von etablierten Softwareentwicklern aus der Finanzbrache, das diese bereits seit mindestens 15 Jahren FinTech machen und sie den „Hype“ um das Thema nicht verstehen.

    Wenn man also die aktuell zu beobachtende Entwicklung genauer definieren will, so muss man sicherlich das Element „Kundenbeziehung“ mit in die Definition aufnehmen. Erstmals gibt es nun eine größere Anzahl neuer Unternehmen, die nicht nur Finanzlösungen entwickeln und anbieten, sondern die direkt mit den Kunden in Kontakt treten und eigene Kundenbeziehungen aufbauen – und mit einer meist ausgeprägteren Customer Centricity auch in den Wettbewerb zu etablierten Unternehmen treten.

  3. Interessante Diskussion. Hier meine Idee einer Definition:

    Ein Fintech-Unternehmen muss die folgenden beiden Bedingungen erfüllen:

    •Überwiegend (> 50% des Umsatzes) aktiv im Finanzdienstleistungsmarkt, entweder mit eigenen Angeboten an Endkunden (B-C) oder als Lieferant für diesen Markt (B-B)
    •“Technik“ im Vordergrund, also überwiegend IT-basierte („automatisierte“) versus non-IT basierte („manuelle“/Personenbasierte) Prozesse (Einkauf/Produktion/Verkauf). Eine Messung erfolgt durch den Vergleich von IT-Kosten (inkl. IT-Personalkosten) mit non-IT gebundenen Kosten.

    Viele sogenannte Fin-Tech Unternehmen sind danach eher klassische Finanzdienstleister bzw. Lieferanten für Finanzdienstleister als „Tech“-Unternehmen. Neue Unternehmen kann man als Fintech- oder Finanzdienstleistungs-Startups (FDL-Startups) bezeichnen, um sie von etablierten Unternehmen abzugrenzen.

  4. Warum die künstliche Abgrenzung startup vs. etabliert. Schränkt nur unnötig ein und hilft niemandem; baut stattdessen unnötige Verkomplizierung auf.

    m.E. Selbstbefeuerung zum Selbstzweck, um das Startup-Rad am Drehen zu halten. Feed the Hype.

  5. […] Maik Klotz, Banking und Payment Experte, hat es treffend formuliert: „FinTech ist der Punkrock der Finanz-Industrie“. Will heißen: FinTech ist keineswegs ein Synonym für Startup aus der Finanzwelt, auch wenn es oft so verwendet wird. Es beschreibt viel mehr eine Haltung. Diese Haltung darf auch ruhig eine große Bank einnehmen. […]

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