So geht das eigene Grab schaufeln in digital – oder mein letzter Besuch in einer Sparkassen-Filiale

von

André M. Bajorat

CEO figo GmbH bei figo GmbH
André M. Bajorat ist Unternehmer, Berater, Speaker, Business-Angel und Mentor im deutschen Startup- und FinTech-Umfeld aktiv. Aktuell ist er als CEO bei figo.io, Partner bei KI-Finance sowie im Advisoryboard von FinLeap und Cringle aktiv. Initiator der Abstimmung „Fintech des Jahres“ und des „Bankathons„.

17 Comments

  1. Lieber André,

    interessante Story! Sehr schade, dass leider neben Filialen auch grundlegende Kompetenzen (fachlich, Umgangsformen, Servicegedanken etc. ) verschwinden.

    Der Leser fragt sich allerdings wie du denn final das Bargeld entsorgt hast.

    Beste Grüße und ein schönes WE,

    Klaus

  2. Muss zugeben, dass ich den Case lange Jahre nicht mehr hatte – dennoch verwunderlich, da es seit Jahrzehnten die (zwischenzeitlich immer teurere) „Bareinzahlung zugunsten Dritter“ gibt.

  3. Kann ich von der Sparda-Gruppe auch so bestätigen (als ich da noch Kunde war).
    Meine jetzige Direktbank (ING-DiBa) hat zumindest eine brauchbare halbdigitale 😉 Lösung geschaffen, da man bei der ReiseBank (kostenlos ab 1000€) einzahlen kann. über diesen Weg kann man auch größere Summen (Anmeldung via Hotline notwendig) abheben (Beispiel: Autokauf per „old school pay“). Zumindest ein gangbearer Weg für Direktbanken, die im Moment noch nicht in teure neue ATM investieren wollen.

  4. Schon verrückt. Hatte einen ähnlichen Fall. Versuch mal einen größeren Betrag (außerhalb des Limits) bei einer, nicht deiner, Sparkasse abzuheben. Da kannst du dran verzweifeln, noch dazu wenn es dringend ist.

  5. Ich hatte ein ähnliches Problem vor einem halben Jahr, allerdings ging es um ein anderes Institut mit deutlich weniger Filialen. Ich hab es leider nicht geschafft, zu besagten Öffnungszeiten an der Filiale zu sein, um die Einzahlung zu machen. Bei einem fremden, genossenschaftlichen Institut in der Nähe der „Übergabe“ hätte ich die Einzahlung für eine üppige Gebühr tätigen können. Am Ende habe ich das Geld selber aufgebraucht und habe den einen oder anderen Weg zum Geldautomaten gespart, ich habe mehrere Monate davon gezehrt.

    Der Use Case „Filiale“ passt auch nicht mehr zu meinen Erwartungen.

    Viele Grüße
    Daniel

  6. Und wie funktioniert die Barceldeinzahlung besser bei einer Direktbank? Dieser „EdgeCase“ hält mich nähmlich bei meiner Sparkasse, da ich öfter mal größere Bargeldbeträge ein- und auszahlen muss.

    • Für Leute wie dich, die „öfter“ Bargeldbeträge (Beruflich bedingt?) einzahlen, sind Direktbanken zZt nicht das Richtige.
      Da es sich dabei aber wahrscheinlich um eine doch recht übersichtliche Zahl im Bereich Privatkunden handelt, ist es für die Direktbanken verschmerzbar. Selbständige, kleine und mittlere Unternehmer sollten imho sowieso eine Hausbank vor Ort nehmen.

  7. Hatte den gleichen „Business-Case“ gerade. Klappt als Kunde der 1822-direkt am Automaten der Frankfurter Sparkasse ohne Probleme. Wäre aber auch nicht auf die Idee gekommen, dies bei der NaSpa zu probieren. Lässt sich aber m.E. auch verschmerzen, da ich nicht wöchentlich einzuzahlen habe.

  8. Zwei Dinge, die mir beim Lesen einfielen:

    1. Also ich finde das völlig in Ordnung, Kunde bei einer Sparkasse zu sein. Vielleicht ist es ja doch nicht so ganz „egal“, warum man irgendwo Kunde ist. Das gilt übrigens für jede Großbank, Direktbank, Genossenschaftsbank oder Sparkasse und für jede andere Marke: Man sollte wissen, warum man dort Kunde sein will – und warum man bei einer anderen eben nicht Kunde sein will. Abseits von der technischen oder fintechnischen Gedankenwelt gibt es auch noch Gründe: Nicht nur „was ist für mich drin?“ sondern eben auch „was ist für andere drin?“ und vor allem: Welche gesellschaftliche Bedeutung hat das?

    2. Als Nicht-Techniker ohne jegliche Programmierkenntnis frage ich mich, ob der beschriebene Fall wirklich ein Edge-Case ist – oder vielleicht doch ein Corner Case? Ich musste das erstmal bei Wikipedia etc. nachlesen: An edge case is a problem or situation that occurs only at an extreme (maximum or minimum) operating parameter. (…) In engineering, a corner case (or pathological case) involves a problem or situation that occurs only outside of normal operating parameters — specifically one that manifests itself when multiple environmental variables or conditions are simultaneously at extreme levels, even though each parameter is within the specified range for that parameter. Diese Definition und die Beschreibung des Dialogs am Sparkassen-Schalter weist auf einen corner case hin:

    a) nicht Kunde
    b) Einzahlung oder Einzahlung zugunsten Dritter ohne Kundenstatus nicht möglich
    c) rechtliche Einschränkungen, die offenbar von der IT nicht abgedeckt sind bzw. für die es innerhalb der Sparkassengruppe noch keinen Bypass gibt.

    Das sind multiple Gründe / Parameter, die jeder für sich nachvollziehbar und abgebildet sind, deren Zusammenspiel aber am Ende dazu geführt hat, dass es (noch) nicht geht. Also eher ein Corner Case?

    Das Blöde daran ist offenbar: Die Einzahlung aufs eigene Konto oder „zugunsten Dritter“ geht Im Kern wohl nur dann nicht, wenn man kein Kunde bei der Bank ist, bei der man einnzahlen will. Das dürfte schätzungsweise bei jeder regionalen Bank gelten, weil die ja alle rechtlich unabhängige Organisationen sind. Und das führt dann zu der Frage: „Will ich wirklich eine Riesenbank mit Filialen überall haben, wo ich einer von Millionen Kunden bin (solange sie Freude an mir hat)?“. Davon gibt es in den Großstädten ja noch so zwei bis drei… Oder es führt eben zu einer API, die das Problem löst … ☺

  9. Was heißt Edgecase?
    Deutschland ist mit 52% Bargeldanteil (nach Volumen, 78% nach Transaktionen) so nahe an der Finanzsteinzeit wie sonst kein anderes entwickeltes Land – dass dann zum Steinzeitgeld passend auch Steinzeitprozesse in Steinzeitfilialen mit Steinzeit-IT gehören ist konsequent 🙂

    Aber vielleicht rüttelt es uns endlich wach und wir kommen im 21. Jahrhundert an – wie Schweden, Dänemark oder Estland, nur um ein paar kleinere Länder mit weniger Ressourcen zu nennen, die uns weit voraus sind …

  10. Hi Andre,

    also die absolute Inkompetenz der Sparkasse kann ich nur bestätigen! In unserem Fall ging es zwar um eine Immobilienfinanzierung über die Sparkasse, aber auch hier kann ich nur bestätigen, dass den Sparkassen die Kunden und deren Bedürfnisse vollkommen egal sind. Das gleiche haben meine Eltern mit der Sparkasse erlebt (Autokauf). Unsere Erfahrung mit der Sparkasse ist, dass man sich als Kunde eher als Bittsteller fühlt und auch bei der Kommunikation nur „verarscht“ wird. Ich vermute, dass die Sparkassen oder vielleicht sagen wir besser deren Manager und Vorstände sich ein solches Verhalten leisten können. Ich hoffe aber, dass sie mit ihrem Verhalten irgendwann in naher Zukunft ordentlich auf den Deckel bekommen und sich wieder vor Augen halten wofür es sie eigentlich gibt. Aber dafür scheint bei den großen Banken, Sparkassen usw. ein scheinbar unüberwindbarer Denkprozess in Gang gesetzt werden zu müssen und ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass dafür einfach die falschen Leute am Hebel sitzen und deswegen wünsche ich mir, dass diese fallen und zwar ganz ganz tief und dann nicht wieder von den Steuerzahlern den Arsch gerettet bekommen! Übrigens, selbst mit der besten IT und innovativem Know-how (der definitiv fehlt) kann man einen solchen Haufen nicht ins Digitale Zeitalter überführen.. dafür müssten die Leute an der Spitze weg.. weit weg und es müsste aufgeräumt werden.. und zwar so gründlich, dass am Ende vermutlich nichts mehr übrig bleibt!

  11. Nachdem der Artikel nun auch unter den Top-10 des Jahres steht, habe ich ihn mir noch einmal vor Augen geführt und gebe nun doch meinen Senf ab:

    Es scheint, als sei das technische Level hier noch nicht ausgereift. Jeder Kunde stellt sich die Frage „warum kann ich nicht einzahlen, wenn ich auch auszahlen kann“.
    Vollkommen richtig!

    Aus Sparkassensicht: Aufwand, dass der Automat durch Nicht-Kunden eher „voll läuft“ und andererseits spielen auch rechtliche Belange eine große Rolle.
    Auszahlungen, die mit einer Karte + PIN legitimiert werden sind einfach. Bei Einzahlungen spielen Anforderungen u.a. des Geldwäschegesetzes eine große Rolle.
    Kunden sind bei der Kontoeröffnung eindeutig legitimiert und identifiziert werden. Bei Nicht-Kunden müsste – ähnlich wie bei einem Tauschgeschäft an der Kasse oberhalb von Bagatellgrenzen – eine Legitimationsprüfung (manuell?) vorgenommen werden.

    Grundsätzlich ist Bargeld natürlich eine schwierige Geschichte. Banken und Sparkassen sind aus rechtlichen und Selbstschutz-Gründen angehalten, immer mehr zu überprüfen und zu kontrollieren. Diese „Bareinzahlung zugunsten Dritter“ sind häufig ein großer Dorn im Auge. Dauert ewig, da dabei gültige Legitimation vorliegen und dokumentiert werden muss. Dies plus die manuelle Buchung bringen sehr viel Aufwand, weswegen es auch immer stark bepreist wird. Und es wird in ganz vielen Fällen für sehr verdächtige Transaktionen genutzt.

    Ein Konto bei einer Filialbank zu haben, bei der Einzahlungen an ggf. einem Kassenschalter noch möglich sind, erscheint als Basis auch weiterhin sinnvoll.
    Nur muss man auch dabei beachten, dass solche Einzahlungen sicherlich bald was kosten werden. Zudem muss man für immer kleiner werdende Beträge Nachweise erbringen, insbesondere wenn es nicht zur üblichen Kontoführung passt, hier also bei dir z.B. ein Kaufvertrag des Autoverkaufes (-> Prävention)

    Dass dann am Service-Schalter keine adäquate Antwort gegeben werden kann, ist leider ein typisches Dienstleister-Problem. Das Wissen dafür haben sie nicht, es interessiert sie teilweise selber nicht. Man sollte sich anders ausdrücken und eine Klärung der Umstände anbieten.

    Was ich partout nicht mag, ist eine Verallgemeinerung. „DIE Sparkasse“ gibt es (noch) nicht. Jede arbeitet anders, arbeitet regional, bisher noch durch die jeweilige (ja auch Länderebene geregelt) Sparkassengesetzgebung bestimmt.

    Aber ja – ich weiß auch, dass solche Verallgemeinerungen kaum zu vermeiden sind. Im Positiven ja auch. Ich hatte letztens das erste Mal eine positive Erfahrung mit der Deutschen Bahn. Denke jetzt positiver über den Ablauf. Dabei war es nur diese eine Person an diesem einen Schalter, die einen guten Tag hatte und ein Problem zu meinen Gunsten gelöst hat.

    So genug Senf.

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