Instant Payments

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Nach Instantsuppe nun Instant Payments?

Das was Instantsuppen für den schnellen Hunger zwischendurch sind, soll Instant Payments im Zahlungsverkehr sein: Schnell und unkompliziert. Doch genauso wie bei den Tütensuppen, sollte man, bei einem neuen Verfahren, genau auf die Inhalte schauen. Zahlungen im Internet, am Point of Sale (Kasse) sowie Zahlungen von Person zu Person (P2P) sollen mit Instant Payments in ganz Europa in Echtzeit möglich werden. Auch Zahlungen zwischen Personen und Unternehmen sind vorgesehen.

Instant Payments
Ins Leben gerufen wurde diese Initiative im Jahr 2014 durch die Europäische Zentralbank (EZB) bzw. das Euro Retail Payments Board (ERPB). Der Nachfolger des SEPA Councils ist zu dem Ergebnis gekommen, dass das Clearing und Settlement zeitnah erfolgen soll. Im November 2017 soll Instant Payments bei den ersten Banken live gehen.

Instant Payments – der Quickie im Zahlungsverkehr

Im Vergleich zu einer klassischen Banküberweisung oder Kartentransaktion, werden beim Instant Payments Zahlungen innerhalb weniger Sekunden ausgeführt und dem Empfänger in Echtzeit gutgeschrieben. Das Konto des Auftraggebers wird sofort belastet und sowohl Auftraggeber als auch Empfänger haben jederzeit aktuelle Kontostände. Das unterscheidet Instant Payments von der aktuellen Regelung: Bei der elektronischen SEPA-Überweisung muss das Geld nach höchstens einem Geschäftstag auf dem Konto des Zahlungsempfängers eingegangen sein. Dadurch, das bei Instant Payments das Geld sofort transferiert wird besteht eine hohe Zahlungssicherheit. Auch wenn Dienste wie Giropay oder Sofortüberweisung keine Instant Payments sind, werden sie trotzdem um ihre Grundlage beraubt.

Instant Payments

Regel Nummer 1 bei Instant Payments: Sprich nicht über Instant Payments

Im November 2016 wurde vom ‚Euro Retail Payments Board‘ (ERPB) das Regelwerk verabschiedet, welches Banken und Dienstleister als Basis dienen soll um Instant Payments bis November diesen Jahres umzusetzen. Eine Verpflichtung zur Umsetzung besteht indes nicht.

Geregelt wurde unter anderem eine garantierte Verfügbarkeit (24/7/365), sekundenschnelle Abwicklung von Transaktionen (innerhalb von 10 Sekunden), die verbindliche sofortige Belastung des Auftraggebers und die Gutschrift des Zahlungsempfängers sowie eine Höchstbetragsgrenze (15.000 EUR).

Laut dem Regelwerk kann die Umsetzung auf zwei Arten erfolgen:

  • Instant Payments wird end-to-end umgesetzt (Straight through processing):
    Banken gehen mit Zahlungen ins sofortige Clearing, damit unverzüglich auch das Settlement durchgeführt werden kann.
  • Instant Payments wird in einem Garantiemodell umgesetzt:
    Banken sprechen sich untereinander Garantien aus, was ihnen eine Garantiezusage auch gegenüber dem Zahlungsempfänger erlaubt. Damit würde eine „near-instant“-Lösung erreicht, die aber den Ansprüchen ans Regelwerk gerecht würde. Dieses Verfahren kennen wir schon heute als Giropay.

Instant Payments

Soweit die Theorie. In der Praxis kotzen die Finanzinstitute im Quadrat, weil die Implementierung von Instant Payments einen ganzen Rattenschwanz an Beachtungen mit sich zieht. Die steigende Komplexität im Clearingprozess hat Anpassungen in der System- und Prozesslandschaft zur Folge. Damit der ganze Spaß funktioniert, müssen die Kernbanksysteme dahingehend angepasst werden, damit sofortige Zahlungen möglich sind. Auch braucht es neue Schnittstellen zur Abwicklung von Instant Payments. Zudem müssen Prozesse wie z.B. Know Your Customer (KYC)- und Limitprüfungen unter Berücksichtigung der geltenden Compliance-Regeln an die veränderten Gegebenheiten von Instant Payments angepasst werden. Was dabei eine 24/7/365-Verfügbarkeit für vielfach auf Batchlauf-basierende IT-Systeme bedeutet, kann nur gemutmaßt werden. Nichts Gutes.

Wenn man berücksichtigt, dass unsere Finanzinstitute aktuell an der Umsetzung der Anforderungen aus der PSD II arbeiten, scheint ein Start im November 2017 illusorisch.

Produkt oder Feature?

Instant Payments ist nicht Fleisch, nicht Fisch sondern nur die Beschreibung dessen, wie Zahlungen in Zukunft abzulaufen haben. Dementsprechend ist es weder ein Produkt noch ein Feature. Es ist schlichtweg die Beschleunigung des Zahlungsverkehrs und ein Ankommen in unserer Echtzeitwelt.

Instant Payments

Trotzdem bietet es Potential für neue Produkte und Dienste. Denn mit der Information, das Geld sofort auf dem Empfängerkonto ist, können Waren im E-Commerce sofort verschickt werden, Kredite sofort verfügbar sein und Gehaltszahlungen punktgenau erfolgen. Bis Instant Payments kommt, müssen sicher auch noch Fragen beantwortet werden: Wie sieht der Schutz vor Missbrauch aus und wie wird sicher gestellt, dass der Absender auch der Richtige ist? Wer schützt den Kunden im E-Commerce, wenn z.B. die Ware bezahlt, aber nicht verschickt wurde?

So oder so, Instant Payments wird kommen. Wann und wie genau, dass ist die Frage…

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Maik Klotz

Senior Consultant bei KI finance
Maik Klotz ist Berater, Sprecher und Autor zu den Themen Banking, Payment und Retail. Seit vielen Jahren berät Maik Unternehmen zu kundenzentrierten Innovationsmethoden und der Fokussierung auf den Nutzer. Aktuell ist er als als Senior Consultant bei der KI finance GmbH aktiv.
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