Dürfen wir vorstellen: Marko Wenthin von solarisBank

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Die Gesichter der FinTech-Branche

Das Arbeiten in der FinTech Branche gleicht einem Kommen und Gehen, setzt ein hohes Maß an Professionalität in einem durchaus lockeren Arbeitsumfeld voraus und ist vor allem geprägt von Innovationen sowie guten, klugen und zukunftsorientierten Ideen, so der weitverbreitete Konsens. Doch wer sind eigentlich die Köpfe und Macher hinter diesen kreativen Denkprozessen, an der Schnittstelle zwischen Finanzen, digitalen Technologien und Gründertum? In unserer Reihe “Die Gesichter der FinTech-Branche…” beantwortet jeden Monat eine Person aus der Payment- und Banking-Industrie die gleichen zehn Fragen.

Dürfen wir vorstellen...

Während unseres Arbeitsalltags begegenen uns immer wieder spannende Menschen, die im gleichen Umfeld tätig sind, die uns nur einmal oder immer mal wieder begegnen oder uns sogar schon privat sehr ans Herz gewachsen sind – jeder von Ihnen hat eine eigene Geschichte. Wir haben ein paar dieser Menschen aus unserem nächsten FinTech-Umfeld interviewt, um ihnen ein Gesicht zu geben. Um zu teilen, warum diese Branche für sie viel mehr ist als eine weitere Art, seine Miete zu bezahlen. Diese Menschen und deren Vita möchten wir ab heute in einer ganz eigenen Kategorie kurz portraitieren und vorstellen und haben dazu einen immergleichen Fragenkatalog entworfen.

Anfangen wollen wir mit Marko Wenthin von solarisBank

Wer bist Du, was macht Du?

  • Marko Wenthin, 44, verheiratet, eine Tochter, ausgebildeter Banker, Tech-Gründer, Co-Founder, Vorstand und Chief Commercial Officer der solarisBank

Was waren Deine ersten Berührungen mit der Payment- und Banking-Industrie?

  • 1991 als ich meine Bankausbildung bei der Deutschen Bank gemacht habe, durfte ich das erste Mal Bankluft schnuppern. Aus dem ersten Schnuppern wurden dann 16 Jahre bei der DB, davon 2 in Argentinien und 8 Jahre in Polen. Beschäftigt habe ich mich in der Zeit natürlich eher mit klassischen Themen, wie Zahlungsverkehrs- und Finanzierungsgeschäfte. Nachdem ich aus der Deutschen raus war, wollte ich selber gründen. So habe ich ab 2006 mehrere Firmen im SaaS Umfeld mit Payment-Anbindung gegründet und ab 2009 die Sofort Bank aufgebaut, als Schwester der Sofort Überweisung: Payment als Motor des E-Commerces.

Wann hast Du das Wort FinTech das erste Mal wahrgenommen?

  • Richtig wahrgenommen habe ich das Wort ‚FinTech’ zum ersten Mal vor 6-7 Jahren. Existiert haben FinTech und FinTechs natürlich schon lange vorher. PayPal hat das 1998 zum ersten Mal angestoßen, nur hat viele Jahre die Kategorie gefehlt, die mit FinTech ein Zuhause gefunden hat. Auch die Sofort Überweisung war bereits 2006 genau in dieser Kategorie unterwegs. Da die deutschen Banken sich nicht auf einen Standard einigen konnten, wie z.B. mit iDeal in den Niederlanden, musste eine Lösung geschaffen werden. Die Endkunden und Händler brauchten Alternativen zu PayPal und Kreditkarten, die Banken nicht liefern konnten. Das waren Finanztechnologie-Innovationen, bevor der ganze Hype um das Thema ‚FinTech’ losgetreten wurde.

Wie definierst Du FinTech?

  • Heute: Banking, Payment und alle Geschäfte, die in irgendeiner Art und Weise finanzielle Transaktionen auslösen. Mit extrem starkem Fokus auf Kundennutzen durch Einsatz moderner Technologien.
  • Morgen: Werden FinTech und Banking verschmelzen und es wird eine Kategorie geben. Heutige FinTechs bewegen sich in Richtung Banking, Banken bewegen sich in Richtung FinTech.

Was glaubst Du machen etablierte Unternehmen besser als FinTechs?

  • Das ist eine sehr wichtige Frage. Erstmal würde ich sagen: Vieles, denn sonst wären sie nicht etabliert. Das ist aber auch nur ein Teil der Antwort. Ein neues Unternehmen hat es gegenüber den Etablierten im Markt immer schwerer. Das ist beim jungen Schreiner im Ort nicht anders. Der hat es auch schwerer sich mit seiner Dynamik, seinen Ideen und Flexibilität gegenüber dem angestammten Fachbetrieb mit 20 Angestellten durchzusetzen. Und genau diese Tradition, Größe, Verlässlichkeit, Marke und Namen sind Dinge die etablierte Firmen haben.

Junge Unternehmen müssen sie sich erst erarbeiten. Diese Vorteile sind gleichzeitig aber auch die größten Risiken. Denn wenn die positiven Faktoren nicht weiterentwickelt werden, gibt es immer hungrige Neue, die bereit sind, sich den Markt durch das Erfüllen von Kundenwünschen zu erobern. Aber schauen wir mal ganz konkret auf das Banking und FinTech. Länder mit einer sehr innovativen und fortschrittlichen Banking Welt haben wenig Spieler im FinTech Umfeld. Die Etablierten haben schlichtweg gar keinen Anlass dafür gegeben. Sie selbst sind Innovationsführer. Polen ist ein sehr gutes Beispiel dafür.

Dürfen wir vorstellen...Marko Wenthin Solarisbank
Marko Wenthin Quelle: Solarisbank

Was kann man von FinTechs lernen?

  • Wir alle haben schon unzählige Vorträge von Vorständen etablierter Banken gehört. Von immer noch zu vielen wird FinTech belächelt und nicht ernst genommen. Der Kern, Innovation durch Technologie in die Finanzbranche zu bringen, wird dabei oftmals außen vorgelassen. Dann kommen solche Sätze wie: „Ja, man kann und sollte mit ein paar der neuen Unternehmen zusammenarbeiten, weil sie den ein oder anderen Prozess besser machen. Eine Gefahr sehen wir aber nicht.“

Dabei wird aber Eines verkannt: Es sind mitnichten die FinTechs, die zum Großangriff auf die Kunden der traditionellen Banken blasen. Sie sind nur “Enabler“. Die ‚Gefahr’ sind vielmehr Unternehmen, die seitlich in das Banking einsteigen, bereits etabliert sind, Millionen von Kunden haben, zudem hervorragende Marken haben und vor allem auch eines verfügen: Vertrauen.

Wenn wir 1 und 1 zusammenrechnen: Du hast einerseits FinTechs, (Definition von oben: Banking, Payment und alle Geschäfte die in irgendeiner Art und Weise finanzielle Transaktionen auslösen, mit extrem starkem Fokus auf Kundennutzen durch Einsatz moderner Technologien.), und die können andererseits mit Unternehmen zusammenarbeiten, die Finanzdienstleistungen anbieten wollen, dabei Millionen von Kunden haben, etabliert sind, tolle Marken haben und Vertrauen genießen. Hier sehe ich die größten Bewegungen und auch Gefahren für etablierte Anbieter.

Als kurze Antwort auf die Frage, was man demnach von FinTechs lernen kann: Die Frühindikatoren von Marktbewegungen zu erkennen, da junge Unternehmen schnell und agil agieren und somit frühzeitig signalisieren, was Kunden wünschen und annehmen. Und natürlich kreativ zu sein, wer das Banking der Zukunft anbieten kann und wird.

Wieso tun sich etablierte (große) Unternehmen bei der Digitalisierung eigentlich so schwer?

  • Weil es häufig einen Chief Digital Officer gibt, der allein auf weiter Flur kämpft – gegen Budgets, Betriebsräte, Compliance, Legal und selbsternannte Bedenkenträger. Digital ist keine Option, es ist die einzige Chance sich langfristig das Dasein zu sichern. Dabei geht es nicht darum, face to face-Beziehungen mit dem Kunden abzuschaffen.

Im Gegenteil: Das kann in einer stark digitalisierten Welt ein positives Unterscheidungskriterium sein. Daher muss der Fokus drauf liegen, in (backoffice) Prozessen digitale Daten digital zu verarbeiten. Als Grundgedanke im Changemanagement hat John P Kotter schon vor 20 Jahren geschrieben, dass als erstes der “Sense of Urgency” erhöht werden muss. Wenn die Notwendigkeit nicht erkannt wird, gibt es keine Änderung, weder anlog noch digital.

Was würdest Du beruflich machen, wenn Du nicht in der Payment- und Banking-Industrie arbeiten würdest?

  • Ich habe schon zu Schulzeiten in Betrieben gejobbt und mir den Unmut der Kollegen zugezogen, weil ich versucht habe, ein Ergebnis mit möglichst geringem Aufwand zu erreichen. Ich habe Vieles ausprobiert, bin aber dann immer wieder im Finanzgeschäft gelandet. Also Interessen habe ich viele, aber Nichts liegt mir so sehr wie Banking und Payment.

Bei welchem Unternehmen würdest Du gerne mal einen Tag arbeiten?

  • Negativ: Im Finanzamt oder in einer öffentlichen Verwaltung. Und zwar nur einen Tag, weil ich wahrscheinlich keinen Zweiten überstehen könnte. Aber natürlich halte ich es für sehr wichtig, einen kompletten Gegenvorschlag einer Arbeitswelt zu sehen, der für viele der Alltag ist.
  • Positiv: Bei der Bundespolizei in der Helikopter-Flugausbildung. Die Jungs und Mädels können richtig was.

Mit wem würdest Du gerne ein Bier trinken?

  • Mit allen Leuten, die Arbeit auch mal Arbeit sein lassen können, und wissen, dass zum Leben noch mehr gehört, als nur über Erfolg und Karriere zu sprechen. Es ist einfach nur entspannend, mal mit Freunden über Sport und Autos zu quatschen.

Dürfen wir vorstellen....Marko Wenthin Solarisbank

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