Der stille Star im dispruptiven Banking – net-m Privatbank 1891 (Update 27.09.2012)

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Im Rahmen der Entwicklung um die verschiedenen neuen Player am POS stellt sich die Frage, wer dieses neue Geschäft der Square-Klone als Bank im Hintergrund unterstützt, da die bekannten Dienstleister (Acquirer und Netzbetreiber) die aus dem eCommerce und am POS bekannt sein, aus verschiedenen Gründen eher nicht in Frage kommen.

Mit dem heutigen Launch und der zeitgleichen Bekanntgabe der Millionenfinanzierung von SumUp wird einer der neuen Player in Deutschland sichtbar: Die net-m Privatbank 1891.

Wer ist diese Bank? (Quelle Wikipedia)

Die net-m privatbank 1981 AG entstand am 10. August 2012 durch Umfirmierung und Sitzverlegung der ehemaligen Bankverein Werther AG mit früherem Sitz in Werther (Westf.) bei Bielefeld. Die Bankverein Werther AG wurde ihrerseits 1877 als Vorschussverein zu Werther in der Rechtsform der Genossenschaft gegründet. Im Jahr 1891 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft (daher der jetzige Namensbestandteil 1891) und die Umfirmierung in Bankverein Werther AG. Zum 1. Dezember 2011 verkaufte die damalige Bankverein Werther AG ihr Stammhausgeschäft (Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden an den Standorten Werther und Bielefeld) an die Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold eG, welche dieses unter der Marke Bankverein Werther weiter betreibt. Die börsennotierte Bankverein Werther AG verlegte ihren Geschäftssitz nach München und betrieb dort ihre Geschäfte zunächst unter der Marke Privatbank 1891 weiter. Auf der Hauptversammlung am 11. Juli 2012 wurde dann die Umfirmierung in net‑m privatbank 1891 AG sowie die Verlegung des juristischen Sitzes nach Düsseldorf beschlossen. Mit der Eintragung in das Handelsregister am 10. August 2012 wurde die Umfirmierung und Sitzverlegung abgeschlossen.

Wer steckt hinter der net-m Privatbank 1891?

Etwa 93 Prozent der Aktien der alten Bankverein Werther AG hält inzwischen der japanische Konzern NTT Docomo, der auch 87 Prozent der net-mobile AG hält (http://www.westfalen-blatt.de/nachricht/2012-07-12-die-letzte-hauptversammlung/703/ und http://www.net-m-privatbank1891.com/de/ueber-uns/news/?tx_netmnews_pi1%5Buid%5D=9&cHash=6d46c9d404e988d055125c812b01ac13).

Wofür brauchen die Unternehmen eine Bank im Hintergrund?

Da es sich bei SumUp, und dem Geschäft der anderen Square-Klone (Streetpay, Payleven etc.), um Zahlungsverkehrsdienstleistungen handelt, gilt hier grundsätzlich das deutsche Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz oder ein europäische Pendant im Sinne der Payment Service Directive. Dies hat zur Folge, dass die Unternehmen bei eigener Abwicklung unter Aufsicht der jeweiligen nationalen Bankenaufsicht (in Deutschland die BaFin) stehen müssten.

Hinzu kommt, dass ohne eine Bank im Hintergrund eine eigene Verbindung zu den Kreditkartenorganisationen aufgebaut werden müsste, um Kreditkartenzahlungen selber abwickeln zu können – sogenanntes Kreditkartenacquiring.

Zuletzt ist es notwendig, dass die angeschlossenen Händler ihre Gelder in regelmässigen Zyklen erhalten (Clearing und Settlement). Auch hier ist eine Bank als Partner und Dienstleister sinnvoll.

Dies alles und ggf noch mehr, wie Riskmanagement, Autorisierung von Händlern etc., spricht dafür, dass man sich als neuer Player im Bereich Zahlungsverkehrsdienstleistungen eines bestehenden Partners bedient, der möglichst alle Anforderungen (Banklizenz, Kreditkartenacquirer, Zahlungsverkehr) erfüllt und zudem am besten nicht in Konkurrenz zum neuen Geschäft steht.

Folge

Die Folge ist, dass interessierte Händler von zum Beispiel SumUp in Wirklichkeit nicht nur einen Vertrag abschliessen, sondern vor einer Akzeptanz zwei Verträge abschliessen: Einmal mit dem technischen Dienstleister SumUp und einmal mit der abwickelnden Bank (Privatbank 1891). Alles in allem auch nichts wirklich neues, sondern vergleichbar mit den Rollen des Payment Service Providers und des Acquirers im eCommerce.

Ergänzung:

Auch Streetpay nutzt bereits die Privatbank 1891.

 

Update 27.09.2012

Durch Zufall bin ich heute noch einmal auf die net-m Privatbank 1891 gestossen:

Traxpay, der neue globale Player im Business Banking, setzt wie die mobile Payment Player auf die Kollegen der net-m Privatbank 1891:

 

Es scheint, dass sich hier ein Bank als Game-Changing Partner positioniert – spannend!

André M. Bajorat

CEO figo GmbH bei figo GmbH
André M. Bajorat ist Unternehmer, Berater, Speaker, Business-Angel und Mentor im deutschen Startup- und FinTech-Umfeld aktiv. Aktuell ist er als CEO bei figo.io, Partner bei KI-Finance sowie im Advisoryboard von FinLeap und Cringle aktiv. Initiator der Abstimmung „Fintech des Jahres“ und des „Bankathons„.

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